Weltraum wird Wahlkampfthema

Newt Gingrich will innerhalb von zwei Amtszeiten eine feste Basis auf dem Mond errichten

Newt Gingrich, der Telepolis 1998 schon einmal ein Exklusivinterview gab, ist immer für eine Überraschung gut: Als er 1994 mit seinem "Contract With America" den Kongress im Handstreich nahm, da erwarteten viele eine lange Karriere. Die jedoch wurde abrupt unterbrochen, als ihn die Republikaner 1999 aus dem Amt als Repräsentantenhaussprecher jagten, weil er ihnen zu unberechenbar war. Und als ihm im Juni letzten Jahres aus ähnlichen Gründen das Wahlkampfteam kündigte, da gingen viele US-Medien davon aus, dass er aus den Reihen der Präsidentschaftsbewerber mit realen Chancen gestrichen sei – bis seine Umfragewerte Anfang Dezember völlig überraschend auf bis zu 40 Prozent stiegen (und nach Beschusswerbung durch die Super PACs aller anderen Kandidaten bis zum ersten Vorwahltermin in Iowa ähnlich schnell wieder sanken).

Ein Fernsehauftritt seiner zweiten Frau Marianne, die behauptet, Gingrich habe ihr eine "offene Beziehung" angeboten, als er sie mit seiner jetzigen Gattin Callista betrog, sollte ihm den Todesstoß versetzen. Aber der promovierte Historiker aus Georgia machte aus der vermeintlichen Schwäche eine Stärke und nutzte die Frage eines CNN-Moderator zu diesen Vorwürfen für einen Angriff auf die "liberalen Medien", der ihm bei der Vorwahl am letzten Samstag einen völlig überraschenden Sieg in zweistelliger Höhe bescherte. Nachdem Rick Santorum und Ron Paul relativ abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier landeten, sieht es nun so aus, als ob die verbleibenden Primaries und Caucuses zu einem Zweikampf zwischen Gingrich und Mitt Romney, dem Kandidaten des Establishments, werden könnten.

Ein Kritikpunkt der anderen republikanischen Kandidaten an Gingrich ist, dass er die Staatsausgaben nicht fest genug drosseln würde. Am Mittwoch versuchte er, auch diese Vorwürfe zu seinem Vorteil zu nutzen, und kündigte vor den Primaries in Florida an, als Präsident wolle er innerhalb von zwei Amtszeiten eine feste Basis auf dem Mond errichten und eine bemannbare Rakete bauen lassen, die spätestens 2030 den Mars erreichen soll. Der Weltraum, so Gingrich in einer Wahlkampfrede an der Space Coast des Bundesstaats, sei nämlich Teil von Amerikas "Schicksal".

Das kommt bei konservativen Wählern gut an, weil es militärische Dominanz suggeriert – und bei weniger konservativen, weil es Forschung und qualifizierte Arbeitsplätze verspricht. Außerdem ist der Weltraum als neue "Frontier" eine Projektionsfläche, die Amerikaner jenseits der politischen Fronten elektrisiert und Gingrichs potenzielle Wahlchancen gegen Barack Obama erhöht. Allerdings ließ der erfolgreiche Romanautor bislang offen, wie viel der von ihm selbst als "mutig" charakterisierte Plan den Steuerzahler kosten soll, weshalb Mitt Romney sich über ihn lustig machte. Doch auch diesen Angriff nutzte Gingrich postwendend zu seinem Vorteil und teilte der Öffentlichkeit mit, man attackiere ihn, weil er eine große Vision habe - eine große Vision, wie sie auch Abraham Lincoln, die Gebrüder Wright und John F. Kennedy gehabt hätten.