Tony Blair als EU-Präsident?

Die EU verhält sich wie die SPD.

Die EU gleicht der SPD. Sie ist nicht lernfähig, sondern verkrustet. Sollten die Iren sich tatsächlich für das Lissabon-Abkommen entscheiden, könnte ausgerechnet der Pudel von Bush, der frühere britische Regierungschef Tony Blair, also der, mit dem grandios gescheiterten "Dritten Weg", zum Präsidenten der EU werden – sofern die Polen und die Tschechen mitziehen.

Angeblich, so will es die Times erfahren haben, setzt sich Sarkozy für den religiös motivierten Blair ein, der zum Katholizismus konvertiert ist und den Irak-Krieg entscheidend mit getragen hat. Offenbar schwindet auch der Widerstand von Angela Merkel, die dafür keinen Vertreter eines Nicht-Euro-Landes sehen mochte, wenn – ach, das Geschacher – Deutschland und Frankreich stärker in der Kommission berücksichtigt werden. Allerdings soll Merkel ihre Einstellung gar nicht geändert haben, während Sarkozy nur deswegen auf Blair setzen soll, weil er des deutschen Widerstands gewiss ist. Merkel hat sich bislang für den Luxemburger Juncker stark gemacht, während Sarkozy eher für den spanischen Sozialisten Gonzalez werben soll, was Merkel aber nicht gefällt.

Politik ist schwierig. Diplomatie nennt man den Handel. Aber den rundum gescheiterten Blair als EU-Präsident zu etablieren, würde bedeuten, die EU noch weiter als Hafen für gescheiterte Politiker darzustellen. Wenn Blair Präsident der EU werden sollte, dann ist das vergleichbar damit, dass Steinmeier weiter eine Spitzenposition in der SPD einnehmen soll. Man kann nur hoffen, dass in beiden Fällen die Vernunft zur Geltung kommt und ein Neuanfang auch personell gewünscht wird.