Tod eines Demonstranten überschattet Proteste gegen den G20-Gipfel

Punktuell war es im Bankenviertel zu Ausschreitungen gekommen.

Die ansonsten weitgehend friedlichen Demonstrationen gegen den Weltfinanzgipfel in London sind gestern punktuell eskaliert. Am gestrigen Abend hat im Bankenviertel ein Demonstrant das Leben verloren. Nun brodelt die Gerüchteküche.

Zuvor war es zu Ausschreitungen vor der Bank of England (Video) gekommen, als ein Teil der etwa 5000 Demonstranten am Nachmittag versucht hat, in die Notenbank einzudringen. Die Sicherheitskräfte sollen nach Angaben von Journalisten mehr als 1000 Globalisierungsgegner stundenlang eingekesselt haben. Die Demonstranten hätten am Abend versucht, den Kessel zu sprengen und dabei die Beamten mit Flaschen und Stöcken angegriffen. Ganz in der Nähe wurden auch Scheiben einer Filiale der Royal Bank of Scotland (RBS) eingeworfen, die trotz eines Rekordverlust und hoher Staatshilfe eine Milliarde Pfund an Boni an die Banker auszahlte. Fast 90 Demonstranten wurden festgenommen.

Bisher sind die Informationen über die Umstände, die zum Tod eines Mannes geführt haben, rar und widersprüchlich. Die Tageszeitung Guardian berichtet, der gut 30 Jahre alte Mann habe sich in einer Gruppe von Demonstranten befunden, welche die Polizei in der Nähe der Notenbank eingekesselt hatte. Er sei an einem Herzstillstand und damit an einer "natürlichen Ursache" gestorben, wird mit Bezug auf Polizeiquellen berichtet. Die Nachrichtenagentur AFP schreibt mit Bezug auf den Rettungsdienst Ambulance Service, man habe um 19.24 Uhr (20.24 Uhr MESZ) einen Notruf von einem Passanten erhalten. Der berichtete, ein Mann sei vornüber gestürzt und bewusstlos geworden. Die Times dagegen berichtet, der Mann sei von der Polizei gefunden worden, Polizisten seien noch bei den Rettungsaktivitäten mit Flaschen attackiert worden. Der Mann habe beim Eintreffen der Helfer noch geatmet, sei aber trotz schneller Hilfe auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Die Nachrichtenplattform Indymedia bittet in einer kurzen Stellungnahme, dass sich Augenzeugen an Indymedia wenden sollen, um Fakten zusammentragen zu können, die zur Aufklärung der Todesumstände beitragen. Die Polizei hat angekündigt, "troublemakers", die durch Video-Aufzeichnungen identifiziert werden, zu verfolgen.