Schweden hängt Spanien bei Windenergie ab

Da die Konservativen scharf auf die Bremse bei eneuerbaren Energien getreten sind, fällt Spanien im Ranking zurück

Schweden ist nach Dänemark nun zum zweiten Land weltweit aufgestiegen, in dem auf jeden Bürger mehr als 500 Watt pro Kopf kumulierte installierte Windkraftleistung kommen. Und mit diesem Ergebnis haben die Schweden nun die Spanier nach sechs Jahren vom zweiten Rang verdrängt, zeigt die Schweizer SolarSuperState Association auf, die jährlich ein Ranking für die Erzeugung von Wind- und Solarenergie veröffentlicht. Der Grund dafür ist, dass die Nordeuropäer im vergangenen Jahr mehr als 60 Watt pro Kopf an Windkraftleistung neu aufgebaut haben.

Während Schweden weiter auf den Ausbau regenerativer Energiequellen setzt, hat die konservative Regierung in Spanien nach ihrer Machtübernahme Ende 2011 massiv auf die Bremse getreten. Das Ergebnis ist, dass in dem Land 2014 nur etwa 0,6 Watt pro Person hinzugebaut wurde und ist "die niedrigste Zubauzahl seit etwa 20 Jahren für Spanien", stellt SolarSuperState in Zürich fest. Das Land stagniert mit etwa 495 Watt pro Einwohner knapp unter der Schwelle von 500 Watt pro Einwohner, während Schweden nun auf 520 Watt kommt.

Bei den veröffentlichten Zahlen handelt es sich um eine auszugsweise Vorveröffentlichung. Das definitive Ranking wird erst im kommenden Juni veröffentlicht. Klar ist aber, dass Dänemark weiter mit Abstand Windweltmeister bleibt, denn das Land kommt schon auf 840 Watt installierter Windkraftleistung pro Kopf. Doch der größere Nachbar im Norden hat den Dänen bei der installierten Gesamtleistung den Rang abgelaufen. Die Schweden haben die kumulierte Windkraftleistung nun auf 5.100 Megawatt (MW) ausgeweitet und kommen weltweit auf den 10. Rang, womit sie Dänemark und Portugal überholen.

Anders als Spanien bietet Schweden weiter relativ stabile und attraktive Investitionsbedingungen für die erneuerbare Energien. Spanien hatte zwischen 1999 bis 2012 große Teile seiner Windkraftkapazität mit Hilfe eines Einspeisetarif-Systems aufgebaut. Es landete 2008 erstmals im Ranking von SolarSuperState auf dem zweiten Rang in dieser Kategorie. Doch mit dem Aufbrechen der Finanzkrise begann ab diesem Jahr auch die sozialdemokratische Vorgängerregierung den Zubau zu bremsen.

Doch die konservative Regierung unter Mariano Rajoy hat mehrfach Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sogar rückwirkend gekürzt und so für erhebliche Rechtsunsicherheit gesorgt. Das Land hat sich deshalb national und international bei Gerichten Verfahren eingehandelt. Zuletzt sind zum Jahreswechsel etliche deutsche Solarstromerzeuger vor ein Schiedsgericht ICSID in Washington gezogen, weil die Prinzipien des Respekts von Auslandsinvestitionen verstoßen worden sei. Klage hatten schon zuvor große Investitionsfonds am ICSID eingereicht, dazu wird das Land vom heimischen Konzern Abengoa vor Ständigen Schiedshof in Den Haag verklagt, während Kleinerzeuger vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg gezogen sind. Spanien drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Sogar die EU-Kommission hatte Spanien kritisiert und erklärt, dass es angesichts der extremen Energieabhängigkeit langfristig billiger ist, in erneuerbare Energien zu investieren.

Dass hier kaum noch Windkraftleistung zugebaut wird, hat mit mehreren Faktoren zu tun. Die Sozialdemokraten hatten zunächst bürokratische Hürden erhöht, dazu kommen die durch die konservativen Nachfolger geschaffene Rechtsunsicherheit und die Tatsache, dass die Regierung Rajoy im Sommer 2013 die Einspeisevergütung für Windkraft komplett gestrichen hat und sogar den Eigenverbrauch von Solar- oder Windstrom besteuern will.

Erwartet wird, dass Spanien auch im Bereich der Solarenergie weiter zurückfällt. Das Land lag 2012 noch auf dem 7. Rang, fiel aber schon 2013 auf den 10. Rang zurück. Längst erzeugt Spanien deutlich mehr Wind- und Solarstrom als Atomstrom. Mit Wasserkraft deckte das Land 2013 und 2014 schon mehr als 40% seines Strombedarfs über erneuerbare Energien. Allerdings zeigt sich, dass es praktisch keinerlei Zuwachs in den letzten beiden Jahren mehr gab.

Deshalb wurde das Sonnenland in Europa 2013 auch von Griechenland, Bulgarien und Luxemburg verdrängt. Schon im Vorjahr lagen Deutschland, der Vatikan, Italien, Lichtenstein, Tschechien und Belgien vor Spanien bei der Solarstromerzeugung. Deutschland dürfte in der Kategorie Solarenergie auch weiter führend sein und kam 2014 in der Kategorie Wind auf den sechsten Rang.

Die SolarSuperState-Association fordert von allen Staaten, für einen schnellen Übergang zu sorgen, um den Strom zu 100% über erneuerbare Energiequellen zu decken. "In vielen Staaten könnte die Windenergie den stärksten Beitrag für dieses Ziel leisten", erklären die Schweizer. "Ein effektives Einspeisetarif-Regime ist der weltweit bewährte beste ordnungspolitische Rahmen, um dieses Ziel schnell zu erreichen." Spanien, das einen anderen Weg eingeschlagen hat, habe zuvor gezeigt, "wie ein unbürokratisches Einspeisetarif-System genutzt werden kann", um mit Leichtigkeit auf den zweiten Rang zu gelangen, der von 2008 bis 2014 verteidigt werden konnte.