Sarkozy für eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten

Frankreich: Ein umstrittener Expertenbericht plädiert für die Verlängerung der Laufzeiten weit über 2050 hinaus und empfiehlt den Bau von weiteren EPR-Reaktoren

Frankreich müsse sich jedes Schließen eines Atomkraftwerks verbieten - außer wenn dies aus Sicherheitsgründen von der Atomaufsichtsbehörde nahegelegt würde - der optimale Weg des Landes, was Energiefragen betrifft, führe über die Laufzeitverlängerung der bereits existierenden Atomkraftwerke, fordert der Bericht einer französischen Expertenkommission.

Die Laufzeiten der Atomkraftwerke sollten so lange verlängert werden, wie es die Atomsicherheitsbehörde erlaubt. Darüberhinaus empfiehlt die Kommission "Energies 2050" den Bau einer kleinen Zahl von EPR-Druckwasserreaktoren. Davon sollten in den nächsten zwei Jahren mindestens zwei gebaut werden. Um den künftigen Ausbau Erneuerbarer zu begleiten, wird die Entwicklung der vierten Generation AKWs empfohlen.

Die von der Regierung eingesetzte Kommission stellte sich der Frage, wie die Energieversorgung in Frankreich im Jahr 2050 aussehen könnte. Zu diesem Datum würden, wie der Fernsehsenders TV 1 berichtet, sämtliche Reaktoren des französischen "Nuklearparks" die Grenze von 40 Jahre Laufzeit überschritten haben. Die Verlängerung über die 40 Jahre hinaus bis zu 60 Jahren sei das kostengünstigste Szenario, folgerte die Kommission.

Der zuständige Minister Eric Besson, dem der Bericht heute vorgelegt wird, hat indessen bereits am Wochenende angekündigt, dass der noch amtierende Präsident Nicolas Sarkozy sich dazu entschlossen habe, die Betreiber der Atomkraftwerke dazu aufzufordern, Vorbereitungen für eine Verlängerung über die 40 Jahre hinaus zu treffen. Ein früheres Abschalten bezeichnete der Minister als "Verschwendung".

Greenpeace dürfte vom Ergebnis der Energiekommission "Energies 2050" ebensowenig überrascht sein wie Minister Besson. Zwar war die Umweltschutzorganisation ebenso wie andere NGOs zur Teilnahme an der Kommission eingeladen, die Organisationen lehnten aber ab. Greenpeace begründete den Schritt damit, dass die Kommission nur "ein neues PR-Werkzeug der Nuklearindustrie" sei.