Sakralgebäude zu verkaufen

Nach ungezählten christlichen Kirchen ist jetzt auch das sizilianische Anwesen von Aleister Crowley zu haben

Aleister Crowley, der bei einer Erhebung der BBC im Jahr 2002 immerhin Platz 37 in der Liste der beliebtesten Briten aller Zeiten belegen konnte, hatte zwischen 1920 und 1923 das Anwesen Santa Barbara im sizilianischen Cefalú angemietet, um dort sein "Collegium ad Spiritum Sanctum" zu betreiben und diverse Scholaren in der Anbetung der Sonne, in Yoga und in praktischer Sexualmagie zu unterrichten.

1923 geriet der verwegene Exzentriker jedoch in einen Konflikt mit der Regierung Mussolinis. Grund dafür, so erinnert sich zumindest Crowley selbst in seinen „Confessions“, war ein gewagter Auftritt des Magiers als Duce, in dessen Rahmen er den versammelten Faschisten eine leidenschaftliche Predigt zum Thema „Freiheit des Individuums“ gehalten haben will.

Im April 1923 wurde jedenfalls Crowleys Hab und Gut beschlagnahmt, der Magus selbst wurde aus Italien verbannt. Nun ist das seitdem als Spukhaus gefürchtete Gehöft im Angebot einer Immobilienfirma aufgetaucht. Die Bilder auf der Angebotsseite legen nahe, dass die „Bestie in Menschengestalt“ einigen Sinn für lauschige Plätze und schöne Aussicht besaß.

Der Preis von Euro 850 000 für eine derart heruntergekommene Hütte scheint auf den ersten Blick recht hoch angesetzt. Die Vermarktung als „Abbazia di Thelema“ zeigt jedoch, dass der Makler durchaus weiß, womit er hier Handel treibt. Es wird ihm also auch klar sein, dass die Möglichkeit besteht, dass Jimmy Page (ehemaliger Besitzer von Crowleys Haus „Boleskine“ am Ufer von Loch Ness und Unmengen weiterer Besitztümer der späteren Pop-Ikone) auf die Ruine bietet – für den wäre die Summe wiederum ein Taschengeld. Objektiv betrachtet wäre der Led Zep-Mastermind wohl der optimale Käufer: Er würde weder die historische Stätte abreißen lassen noch die auf den Innenwänden angefertigten Originalwandgemälde von Crowley übermalen lassen.

Falls der eine oder andere Leser ebenfalls den Kauf des Objekts ins Auge fassen sollte, besteht hier Gelegenheit, einigen deutschen Okkult-Touristen und amerikanischen Sensationsjournalisten über die Schulter zu sehen, um einige Blicke in das verrufene Haus werfen zu können.

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Aleister Crowley (1904)