Ronaldo ist der teuerste Mensch der Welt

Im Sport herrscht die Aufmerksamkeitsökonomie.

Könnte sein, dass er der teuerste Mensch der Welt ist. Die Rede ist nicht von Michael Jackson, der posthum, wie üblich, an Aufmerksamkeit und Wert gewonnen hat, sondern von den portugiesischem Fußballer Cristiano Ronaldo (24 Jahre jung). Der wurde gerade für die Rekordsumme von 94 Millionen Euro von Manchester an Real Madrid verkauft.

So viel zahlt also ein Verein für einen Menschen, von dem er sich natürlich Profit erhofft, also mehr Einnahmen als die Ausgaben, die er für ihn gemacht hat. Der Brasilianer wurde geradezu bilig für 65 Millionen Euro eingekauft. Ronaldo ist ein Star, in einem Land, das in der Wirtschaftskrise versinkt und jetzt schon eine Rekordarbeitslosigkeit von 18 Prozent hat.

Der in kärglichen Verhältnissen aufgewachsene Fußballer liebt den Protz und ist narzisstisch wie Beckham. Das aber scheint anzukommen. Der Erfolg auf dem Spielfeld ist dabei gar nicht primär. Die Aufmerksamkeitsökonomie, die Irrationalität des Marktes, schlägt auch hier zu. Ronaldo freilich glaubt, dass er seine 94 Millionen auch wirklich wert ist. "Große Fußballer" wie er, kosten einfach viel. Und das muss einfach bezahlt werden: "Ich bin glücklich, der teuerste Spieler der Welt zu sein."

Nebeneffekt ist, dass in der globalen Konkurrenz der Vereine derjenige, der am meisten investieren kann, auch die größten Erfolge einfahren kann. Sport ist Geld, Erfolg ist Profit. Da kann man nur hoffen, dass die Menschen allmählich die Lust daran verlieren. Allerdings ist der Sport, ähnlich wie die anderen Branchen des Prominenzmarktes, in der verhärteten Klassengesellschaft eine der wenigen Möglichkeiten, von unten nach oben durchstarten zu können. Möglicherweise mag man die Ronaldos, die modernen Tellerwäscher, auch deswegen so, weil sie die systemstabilisierende Möglichkeit des Erfolgs demonstrieren. Jeder könnte es erreichen, aber – aufgrund der Selektion – nur wenige schaffen die Himmelfahrt. Fragt sich nur, warum diejenigen, die es nicht schaffen können, ausgerechnet die verehren, die es geschafft haben? Ist der Fan Teilhaber des Erfolgs? Oder ist der erfolgreiche Aufsteiger Teil einer Verschwörung, die die Durchlässigkeit der Gesellschaft in den Zeiten bewirbt, in denen die Kluft zwischen Reichen und Armen immer größer wird?