Portugal besteht Anleihe-Test

Die Renditen sind am Primärmarkt für Staatsanleihen am Mittwoch sogar weiter gesunken, bei kurzfristigen Anleihen profitiert Portugal von der Geldschwemme der EZB

Der Ausgang war angesichts der Entwicklungen der letzten Tage offen, doch die Versteigerung portugiesischer Staatsanleihen am Mittwoch hat Lissabon eine gewisse Erleichterung verschafft. Dem Land ist es gelungen, Staatsanleihen in einer Höhe von 1,5 Milliarden Euro loszuschlagen. Die Renditen für die Papiere mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten gingen sogar zurück, obwohl die Zinsen für Staatsanleihen des Landes mit zwei bis zehn Jahren zuletzt am Sekundärmarkt regelrecht explodiert sind.

Gegen diesen Trend wurden sogar weiter sinkende Renditen verzeichnet. Musste Lissabon vor zwei Wochen für Dreimonatsläufer noch eine durchschnittliche Rendite in einer Höhe von 4,35 Prozent bieten, lag sie nun noch bei 4,07 Prozent. Etwas weniger sanken auch die Renditen für Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten. Hier fiel die durchschnittliche Rendite von 4,74 Prozent auf 4,46 Prozent. Es hat sich also gezeigt, dass sich Portugal mit kurzfristigen Anleihen noch zum Teil an den Kapitalmärkten refinanzieren kann. Es bleibt also eine leise Hoffnung, dass das Land 2013 wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren kann.

Diese Hoffnung war in den letzten Tagen immer weiter geschwunden. Die Anleger zogen sich, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes Mitte Januar auf Ramschstatus gesenkt hatte, fluchtartig aus den Anleihen zurück. Am Primärmarkt wurden Papiere mit Laufzeiten über fünf Jahre sogar mit Renditen über 22 Prozent gehandelt, für zweijährige Papiere wurden gut 20,5 Prozent fällig und zehnjährige Anleihen stiegen auf über 17 Prozent. Die Versteigerung am Mittwoch wirkte sich aber auch dämpfend am Sekundärmarkt aus, wenn auch nur leicht. Es besteht die Angst, dass auch Portugal wie Griechenland über die Nothilfe von 78 Milliarden Euro hinaus weitere Milliarden braucht.

Bei kurzfristigen Anleihen profitiert aber auch Portugal weiterhin von der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB). Die hatte im Dezember mit einer halbe Billion Euro den Geldmarkt geflutet. Die Banken suchen für das günstige Geld weiterhin nach Anlagemöglichkeiten. Ein Teil wurde auch wieder gewinnbringend in längerfristigen spanischen und italienischen Anleihen angelegt. Die Zinsen für beide Länder sind deshalb vor allem für Spanien merklich gesunken, weshalb das Land wieder aufatmen kann.

Weniger deutlich ist die Tendenz für Italien. Auch Rom konnte am Montag Anleihen für gut 5,5 Milliarden Euro versteigern. Für die Zehnjahresläufer musste das Land einen durchschnittlichen Zins von 6,08 Prozent bieten. Zum Jahresende war die Rendite für zehnjährige Anleihen auf fast sieben Prozent gestiegen. An dieser Marke mussten Griechenland, Irland und Portugal Nothilfe beantragen. Entwarnung kann deshalb für Italien noch nicht gegeben werden. Denn für das mit zwei Billionen hoch verschuldete Land ist dieser Zinssatz noch immer zu hoch.

Bei einer Staatsverschuldung, die Ende 2011 bei etwa 120 Prozent des Sozialprodukts BIP gelegen haben dürfte, belasten so hohe Zinsen viele Jahre den Haushalt und erschweren die Sanierung zusätzlich. Alle Zinsen über 5% hält auch die italienische Notenbank für langfristig nicht tragbar.

Deutschland hat am Mittwoch ebenfalls zehnjährige Staatsanleihen versteigert - und hier wird der Unterschied zu Italien sehr deutlich. Berlin nahm gut vier Milliarden Euro ein und die Rendite lag mit durchschnittlich 1,82 Prozent noch niedriger als bei der letzten vergleichbaren Auktion, als 1,93 Prozent geboten werden müssten.