Osmosekraftwerk geht ans Netz

Weiterer erneuerbarer Energieträger wird nutzbar.

Die fast 30 Jahre alte Idee Osmose zur Energiegewinnung einzusetzen geht in die Praxiserprobung, wenn heute in Tofte bei Oslo das erste Osmosekraftwerk eröffnet wird. Der Prototyp wird nur 3-4 Kilowatt liefern, hat aber bereits alle Elemente die auch spätere große Osmosekraftwerke ausmachen sollen. Das Kraftwerk steht an der Einmündung eines Baches ins Meer. Eine halbdurchlässige Membran, die kein Salz durchlässt, trennt das Süß- und das Salzwasser voneinander. Durch den Potentialunterschied wird das Süßwasser durch die Membran hindurch in das Salzwasser gezogen. Das Volumen des Mischwassers nimmt zu und Druck bis zu 25 bar baut sich auf. Das entspricht einem Wasserfall von 250 Metern Höhe.

Das Osmosekraftwerk kann so rund um die Uhr emissionsfrei Strom liefern. Global rechnet man mit einem Potenzial von 1600 bis 1700 Terawattstunden. Statkraft, der norwegische Betreiber der Anlage, geht, nur für Norwegen, von möglichen 12 Terawattstunden aus, das entspricht 10 % des Stromverbrauchs im Land. Allerdings sind die Bedingungen in Norwegen auch besonders gut. Es steht nicht nur ausreichend Süßwasser, sondern das auch in ausreichender Sauberkeit zur Verfügung. Trotzdem muss selbst hier das Flußwasser erst gereinigt werden, bevor es in die Membranmodule strömt.

Die Folien wurden in Institut für Polymerforschung Gkss in Geesthacht bei Hamburg entwickelt. Sie sind 0,1 Mikrometer dünn und bestehen aus mehreren Schichten auf einem Trägergewebe, das die dünnen Folien vor dem Zerreissen schützt. Herkömmliche Osmosemembranen, wie sie in Meerwasserentsalzungsanlagen eingesetzt werden, sind für die Energiegewinnung nicht brauchbar, da der Wasserfluss durch die Membran umgekehrt proportional zur Dicke ausfällt und die robusten aber dicken Folien so nur 0,2 Watt elektrische Leistung pro Quadratmeter bringen. Die neuen Folien liegen im Moment dagegen schon bei 3 Watt. Die Wirtschaftlichkeitsgrenze soll bei 5 Watt liegen, damit Osmosekraftwerke mit der kostengünstigen Windkraft konkurrieren können.