Nordostpassage offen

Zwei Frachter aus Bremen durchfahren erstmalig den arktischen Ozean vom Pazifik Richtung Atlantik

Weltpremiere. Zwei Frachter der Bremer Reederei Beluga haben am Mittwoch letzter Woche erstmals die Nordostpassage bezwungen, wie die Reederei berichtet. Die MS „Beluga Fraternity“ und MS „Beluga Foresight“ haben schwere Kraftwerkselemente aus dem südkoreanischen Usan ins nordwestsibirische Yamburg an der Mündung des Obs transportiert. Der Hafen liegt in der Nähe eines der größten Erdgasvorkommens Russlands auf Yamal Halbinsel. Das Kraftwerk soll allerdings flussaufwärts im Landesinneren in Surgut errichtet werden. Der Rest der Ladung soll in Rotterdam gelöscht werden.

Die Nordostpassage hat sich in den letzten Jahren zum ersten Mal geöffnet. Die Reederei bemühte sich im vergangenen Jahr vergeblich um eine Genehmigung der Behörden in Moskau für die Fahrt durch die russischen Hoheitsgewässer. Ganz ungefährlich war die Fahrt nicht. Auf dem letzten Teilstück bildeten die beiden Frachter mit zwei Eisbrechern einen Konvoi. Kleine Eisberge, Eisfelder und Eisbrocken mussten umfahren werden. Beluga Shipping kündigte für 2010 weitere Fahrten durch die Nordostpassage an – dann voraussichtlich schon mit neuen Spezial-Schiffen der Beluga P-Klasse, die ab Herbst dieses Jahres in Dienst gestellt werden.

Mark Serreze, Direktor des National Snow and Ice Data Center weist darauf hin, dass die Öffnung der Nordostpassage ein Ergebnis des Klimawandels ist. Das Eis auf dem arktischen Ozean zieht sich im Sommer regelmäßig zurück, allerdings seit Menschengedenken noch nie soweit, wie in den vergangenen Jahren. In diesem Jahr wird die Ausdehnung vermutlich den drittniedrigsten Wert seit dem Beginn der Satellitenmessungen 1979 erreichen.