Nach dem Kursfeuerwerk kehrt Ernüchterung ein

Für Spanien lief eine Anleiheauktion glimpflich ab, obwohl das Land erneut Rekordzinsen zahlen musste

Nachdem am Mittwoch die Notenbanken in den USA, Europa, Japan, Großbritannien, Kanada und der Schweiz die Geldmärkte geflutet hatten, löste das an den Börsen regelrechte Kursfeuerwerke aus. Doch am Tag danach machte sich, wie nach ähnlichen Aktionen zuvor, wieder Ernüchterung breit. Von Kursgewinnen im Bereich von fünf Prozent wie am Vortag war am Donnerstag keine Rede mehr. Die Kurse rutschen wieder alle wieder ins Minus, wenn auch gemäßigt. Der Frankfurter Leitindex DAX zum Beispiel schloss mit einem Abschlag von 0,87%.

Das kann nicht nur als Gewinnmitnahme nach den hohen Gewinnen am Vortag gewertet werden, denn die Rezessionsängste werden größer. Nun ist auch klar, dass in China das bisher starke Wachstum schwächelt. Erstmals seit drei Jahren ist Chinas Industrie im November nicht mehr gewachsen. Zudem ist auf den Börsenparkett allen klar, dass die massive Intervention der Zentralbanken eher ein schrilles Warnsignal ist. Es hat gezeigt, dass das Bankensystem in einer schweren Schieflage ist. Denn eine solche konzertierte Intervention gab es nur im Rahmen der schweren Verwerfungen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 oder nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im März.

Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hat vor dem Europaparlament die Hoffnungen gedämpft, dass die EZB nun die zentrale Rolle zur Bekämpfung der Euro-Krise einnehmen wird. Draghi hat die Forderungen zurückgewiesen, dass die umstrittenen Ankäufe von Staatsanleihen bedrohter Länder massiv ausgeweitet werden sollen. Diese Aufkäufe am Sekundärmarkt seien "vorläufig" und begrenzt, betonte er. "Manche sagen, die EZB müsse mehr tun, andere, sie solle weniger tun." Es gebe aber einen EU-Vertrag, an den sich die Zentralbank halten und innerhalb ihres Mandats handeln müsse, und dies sei die Preisstabilität zu sichern.

"Es geht nicht darum, Regierungen zu subventionieren", sagte Draghi. Er warnte, die nicht auf Dauer angelegten unkonventionellen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise seien begrenzt. Schließlich hat die EZB schon für mehr als 200 Milliarden Euro Staatsanleihen in ihre Bücher genommen. "Die Regierungen müssen - einzeln und gemeinschaftlich - ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Finanzmärkten wiederherstellen", forderte er. Damit drängte er vor dem EU-Gipfel am 8. und 9. Dezember die Politik, eine definitive Lösung für die Euro-Krise zu finden. Schon am Mittwoch hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn darauf hingewiesen, wie gefährlich die Lage geworden ist. Nach Meinung von Rehn läuft die Uhr ab: "Jetzt beginnen zehn kritische Tage, in denen wir die Antwort auf die Schuldenkrise in der EU zum Abschluss bringen und beschließen müssen."

Dass die Lage sich weiter zuspitzt, zeigte auch eine spanische Anleiheauktion am Donnerstag. Trotz der Interventionen der Notenbanken, sind die Refinanzierungskosten für Spanien auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Das Land musste für die Versteigerung von Staatsanleihen mit vier- und fünfjähriger Laufzeit erneut Rekordzinsen bieten. Für die vierjährigen Papiere lag die durchschnittliche Rendite bei 5,19 Prozent und für die fünfjährigen bei 5,28 Prozent. Am 3. November musste das Land für die Fünfjahresläufer ebenfalls einen Rekordzins bieten, der lag damals aber bei knapp 4,9 Prozent.

Trotz allem ist die Auktion für Spanien glimpflich verlaufen. Spanien ist beruhigt, dass die Nachfrage fast drei Mal so hoch war wie die angebotenen Anleihen mit einer Gesamtsumme von 3,75 Milliarden Euro. Das wirkte sich auch darauf aus, dass die Rendite nicht wie allgemein erwartet worden war, auf etwa sechs Prozent steigen würde. Für diese pessimistische Einschätzung hatte neben den Problemen im Land auch gesorgt, dass Italien, das ebenfalls als Absturzkandidat gilt, am Dienstag für dreijährige Staatsanleihen sogar eine Rendite von 7,9 Prozent bieten musste. Damit lag die sogar 60 Prozent höher als noch vor einem Monat.

Derart hohe Zinsen sind für das Land nicht bezahlbar. Auch Griechenland, Irland und Portugal mussten schon bei Renditen von etwa sieben Prozent Nothilfe beantragen, obwohl Irland und Portugal deutlich geringere Staatsschulden als Italien haben. Der Schuldenmeister hat fast 2 Billionen Euro Schulden. Mit fast 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steht Italien direkt hinter Griechenland auf Platz 2.

Etwas entspannt hat sich dagegen die Lage für Frankreich, denn die Refinanzierungskosten des Landes gingen am Donnerstag sogar leicht zurück. Bei einer Versteigerung von Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten konnte Paris 4,3 Milliarden Euro einnehmen. Für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit lag die durchschnittliche Rendite bei 3,18 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Auktion waren es noch 3,22 Prozent. Am Sekundärmarkt wurden zehnjährige Papier zum Teil schon für vier Prozent gehandelt, nachdem die Ratingagentur Moody's dem Land gedroht hatte, ihm das Top-Rating "AAA" zu entziehen.