Loser-Rally in den USA

Börsenkurse von Lehman Brothers, Washington Mutual und Indymac schießen in die Höhe.

Der aktuelle Spekulationsboom hat mittlerweile die größten US-Pleiten des vergangenen Jahres erreicht. So verfünffachte vergangene Woche zuerst Lehman Brothers seinen Aktienkurs und wenig später folgten Washington Mutual und IndyMac, allesamt wichtige Finanzinstitute, die vergangenes Jahr Bankrott erklären mussten. Dementsprechend übersteigen bei diesen nun unter staatlicher Verwaltung stehenden Ex-Unternehmen die Schulden bei weitem das Vermögen, so dass für die Aktionäre nach der Abwicklung des Konkursverfahrens eigentlich nichts übrig bleiben sollte.

Nur wenn es bei den verbliebenen Assets nach der Pleite hohe Wertzuwächse gegeben hätte, könnte der innere Wert dieser Aktien noch positiv werden. Das ist bei Lehman sicherlich nicht der Fall, da die wertvollen Teile billig von Barclays und Nomura übernommen wurden und fast nur die Schulden bei der börsennotierten Holding verblieben sind. Dennoch wird an der Börse offenbar darauf spekuliert, dass doch noch etwas zu holen sein könnte, was gelinde gesagt eine sehr gewagte Spekulation sein dürfte.

Zwar handelt es sich bei diesen Unternehmen trotz der Kursavancen noch immer um Penny-Stocks die unter einem Dollar notieren. Erstaunlich ist aber wie Lehmann, die das ganze Jahr über kaum gehandelt wurde und bis Ende August um die 5 Cent gekostet hatte, am 28. August plötzlich zu steigen begann und am 1. September in der Spitze auf immerhin 32 Cent kletterte Diese Woche notierte Lehman noch immer mit um die 15 Cent., hatte vor zwei Jahren allerdings noch 150 Dollar gekostet.

Ebenfalls stark angestiegen sind in den letzten Wochen auch die Kurse der letzten Sommer verstaatlichten Hypothekenagenturen Fannie Mae and Freddie Mac sowie des am Tag nach der Lehman-Pleite von der Regierung geretteten Versicherers AIG, was ein wenig an eine Beobachtung von Charles Kindelberger gemahnen sollte. Denn für den Ökonomen und Experten für Finanzmarktkrisen ist es ein untrügliches Anzeichen für das nahende Ende eines spekulativen Börsenbooms, wenn die Spekulation auf die minderwertigsten Spekulationsgüter übergreift. Und um Lehman dürfte es letzte Woche jedenfalls wilde Spekulationen gegeben haben, immerhin wurden am stärksten Handelstag mehr als 100 Millionen Aktien gehandelt.