Lob für China

Ruandas Staatschef hält nicht viel von westlicher Entwicklungshilfe

Ruandas Präsident Paul Kagame hat im Interview mit dem Handelsblatt sich optimistisch über die Möglichkeiten für Afrika gesprochen, die sich mit dem Aufstieg der Schwellenländer ergeben. Kritik, Afrika drohe seitens China eine neue Form kolonialer Ausbeutung, ließ er nicht gelten. Zum einen könne von einer erneuten Kolonialisierung insofern nicht die Rede sein, als der alte Kolonialismus noch existiere. Zum andern seien vor allem schlechte Regierungen das Problem, die nicht darauf achten, dass Umweltauflagen eingehalten werden und die Abgaben für Rohstoffkonzessionen hoch genug sind. Ansonsten verwies Kagame auf europäische Firmen, die Somalia zu einer Giftmülldeponie gemacht haben.

"Ausbeutung ist kein von China erfundenes Problem. Die Verantwortung tragen schwache Regierungen, die zulassen, dass sich ausländische Firmen oder Regierungen Rohstoffe gegen schlechte Konditionen sichern. Wir haben dies etwa im Kongo gesehen – aber die Verträge wurden dort mit Firmen aus dem Westen geschlossen. Afrikanische Regierungen müssen entschiedener gegen korrupte Beamte vorgehen und ein System installieren, das Knebel- oder Ausbeutungsverträge verhindert."

Der Warenaustausch zwischen China und den afrikanischen Ländern umfasst inzwischen nach einem BBC-Bericht über 100 Milliarden US-Dollar im Jahr. 2007 waren es erst 70 Milliarden US-Dollar gewesen. Seit dem Jahr 2000 ist das bilaterale Handelsvolumen um durchschnittlich rund 30 Prozent per annum gewachsen.

Kagame sieht in diesen wachsenden Handelsbeziehungen und in den Infrastrukturprojekten, die chinesische Firmen in großer Zahl errichten, eher einen Weg für die Entwicklung des Kontinents, als in Entwicklungshilfe, die nicht selten mit ihren kostenlosen Angeboten einheimischen Unternehmen das Leben schwer mache. Kagame: "Im Übrigen würde es Afrika sehr viel mehr helfen, wenn die Industrieländer uns dieselben Handelsrechte gewährten, wie sie das untereinander tun."