Lateinamerika soll eine vom "Dollar befreite Zone" werden

Die ALBA-Länder wollen eine eigene Währung einführen.

Dass Hugo Chávez den USA den Hinterhof streitig macht, ist nicht neu. Doch nun wurde auf dem außerordentlichen Treffen der ALBA-Länder diskutiert, eine vom Dollar befreite Zone zu schaffen und eine Gemeinschaftswährung für die Bündnisstaaten plus Ecuador. Da nun sogar Russland die Mitgliedschaft in der "Bolivarianischen Alternative für die Amerikas" erwägt, bekommt das Bündnis ohnehin eine ganz neue Dimension und Dynamik, das sich als Alternative zum neoliberalen US-Freihandelsprojekt ALCA versteht.

Die Einheitswährung war ein zentrales Thema des Treffens, das am Mittwoch in Caracas stattfand, um über die Auswirkungen und Lösungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu sprechen, zu dem neben den sechs Mitgliedern, Venezuela, Kuba, Bolivien, Nicaragua, Honduras und Dominica auch der Präsident Ecuadors Rafael Correa als Sondergast geladen war. Denn er hatte die Idee kürzlich auf dem Iberoamerikagipfel in El Salvador in die Diskussion geworfen. Die //abi.bo/index.php?i=noticias_texto_paleta&j=20081126202732&l=200811260007_Los_presidentes_de_los_pa%C3%ADses_del_ALBA_en_la_foto_oficial_de_la_Cumbre_(ABN_/_ABI: ersten Schritte zu der Einheitswährung "Sucre" wurde nun auf den Weg gebracht, um in Zukunft auf den Dollar als Zahlungsmittel verzichten zu können.

Damit will man sich vor Währungsschwankungen des Dollars unabhängig zu machen, womit auch die Macht der USA weiter eingeschränkt wird. "Es reicht mit dem Freihandel", sagte der Gastgeben Hugo Chávez, denn niemand könne Lateinamerika eine eigene Währung verbieten. Es ist auch ein weiterer Schritt, um sich aus der Umklammerung von IWF und Weltbank zu befreien, die mit ihrer Kreditvergabe den Ländern ihr neoliberales Modell aufzuzwingen versuchten.. Deshalb soll ein eigener regionaler Währungsfonds geschaffen werden, um Staaten der Region bei Finanzierungsproblemen unterstützen zu können. Venezuela sagte dafür 500 Millionen US-Dollar zu. Insgesamt soll ein "von wirkungslosen globalen Finanzinstitutionen und vom Monopol des Dollars befreiter Raum geschaffen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Ganz nach dem Vorbild des Euros, soll der Sucre zunächst als virtuelle Währung eingeführt werden. Während Chávez und der Wirtschaftswissenschaftler Correa ihn möglichst schnell einführen wollten, sorgten die übrigen ALBA-Mitglieder dafür, zunächst in einer Kommission die technischen Details festzuklopfen. Es darf vermutet werden, dass der Sucre an den Euro gebunden werden könnte. Schließlich war es kein Zufall, dass Correa den Vorschlag das auf dem Treffen mit Spanien machte. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, gab es ohnehin in Kuba einst Pläne, den illegalen Dollar durch eine legalen Euro zu ersetzen.

Sucre steht für "Sistema Unitario de Compensación Regional" (Einheitliches Regionales Ausgleichssystem) und der Name ist kein Zufall, denn auch mit ihm wird der Ideengeber geehrt. Denn das war der Name der Währung Ecuadors bis zu Dollarisierung, die nach dem Freiheitskämpfer Antonio José Sucre benannt war. Kandidaten für die Einführung der neuen Währung sind auch Brasilien und Argentinien, die ohnehin schon beschlossen haben, beim Handel zwischen den beiden Ländern auf den Dollar zu verzichten, was allerdings noch nicht in die Tat umgesetzt wurde. Der Vorschlag wird auf dem nächsten Treffen, zwischen ALBA und dem wachsenden Bündnis Petrocaribe, im Dezember weiter diskutiert, das wahrscheinlich am 14. Dezember ebenfalls in der Hauptstadt Venezuelas stattfinden soll. Der Sucre könnte bei der kleinen ALBA-Schwester unter den 18 Mitgliedern neue Anhänger finden.