Kreditkartenskandal erfasst ganz Europa (Update)

Weitere Betrugsfälle werden bekannt und Banken in ganz Europa tauschen Kreditkarten aus.

Der Skandal um das mutmaßliche Datenleck bei einem spanischen Zahlungsdienstleister ( Datenklau bei Kreditkarten) weitet sich auf ganz Europa aus. Schon im Oktober hatte das Kreditkartenunternehmen Visa die Banken informiert, dass es ein Leck bei einem Zahlungsabwickler in Spanien gegeben habe. Details gibt Visa dazu nicht bekannt. Mastercard hatte dagegen davon gesprochen, bei einem Händler seien Kontodaten "in den Besitz nicht autorisierter Personen" gelangt.

Es wird vermutet, dass ein Abrechnungsserver gehackt wurde oder die Daten von Mitarbeitern weitergegeben wurden. Die spanische Polizei ermittelt. Inzwischen wurde vermutet, das Leck könnte beim größten Dienstleister für Kreditkartentransaktionen, Sermepa, aufgetreten sein. Auf Anfrage von Telepolis wies Sermepa dies nun als haltlose Spekulationen zurück. Rosa Ovejero, Direktorin für Kommunikation, erklärte: "Wir können ausschließen, dass es zu einem Datenverlust in unserem System gekommen ist." Die Simulationen und Prüfungen hätten zu einem eindeutigen Ergebnis geführt. Ovejero schloss einen Datenklau durch einen Hackerangriff ebenso aus wie die Möglichkeit, dass ein Mitarbeiter Daten kopiert haben könnte. Das hätte Sermepa festgestellt. Sie verwies noch einmal darauf, dass die Firma "die anspruchsvollsten Sicherheitsstandards beim Datenmanagement und bei Karten erfüllt".

Betrugsfälle werden inzwischen offenbar auch aus Österreich und der Schweiz bekannt, berichtet die spanische Wirtschaftszeitung Expansion. Sie war eine der wenigen Zeitungen, die früh in Spanien über den Vorfall berichtete. Insgesamt wird in Spanien weiter wenig berichtet und allseits so getan, als sei man nicht betroffen. Auch in Großbritannien, Finnland und Schweden werden derzeit schon Kreditkarten ausgewechselt, die in Spanien genutzt wurden. Entwarnung wird weiter auch nicht für Kunden gegeben, die gar nicht in Spanien Urlaub gemacht haben, weil teilweise auch Einkäufe in Deutschland oder anderen Ländern über spanische Dienstleister abgewickelt werden.

Wie erwartet, tauchen weitere belegte Fälle auf. So berichtet die Süddeutsche Zeitung über Missbrauchsfälle bei der Postbank, die von dieser inzwischen bestätigt wurden. Es handele sich jedoch nur "um ein geringes Maß" und die Karten seien bereits gesperrt und ausgetauscht worden. Doch wenn der Austausch sogar schon vorgenommen wurde, bedeutet das, dass man schon länger von Betrugsfällen wusste. Die Banken und der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) sprechen allerdings weiter von "Prävention", weil angeblich keine Betrugsfälle bekannt seien.

Inzwischen wurden auch Fälle bestätigt, die in das Schema der Betrüger passen, die auch die Kreditkartendaten des Schreibers dieser Zeilen benutzt haben. Heute agenda-wie-kreditkartennutzer-opfer-moderner-bankraeuber-werden/50039297.html?page=3: berichtet die Financial Times Deutschland, ihr lägen Kreditkartenabrechnungen vor, die illegale Abbuchungen belegen. "Stets ist der Ablauf identisch: gleiche Zeit, gleicher Ort. An zwei Tagen Anfang Oktober, in mehreren Städten der USA." Dabei ist klar, dass die Betrüger international agieren, schließlich wurde das gleiche Schema auch in London angewendet, allerdings nur an einem Tag.

Die Kunden sind allseits über die Kommunikation der Banken empört, weil nur das eingeräumt wird, was gar nicht mehr zu verschweigen geht. So hatten ja schon in den letzten Wochen viele Banken die Kreditkarten der Kunden massiv getauscht, aber den Vorgang verschleiert. In den Anschreiben bekamen viele Kunden nicht einmal einen Warnhinweis, sondern es wurde beispielsweise von "zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen" gesprochen, hieß es zum Beispiel lapidar in einem Schreiben der DKB.