It's the pictures, stupid!

Neben der Spur

Da ist man so stolz auf seine Freundesliste auf Facebook, und dann belehrt einen eine gute Freundin eines besseren

Also, nur falls jemand Facebook noch nicht kennt, denn das kommt ja aus Amerika. Das ist so eine Website, auf der man erst einmal gar nichts sieht, ausser man teilt ihr den eigenen Namen mit und holt sich einen Account. Und wenn man dann darin noch nach anderen sucht, die das auch gemacht haben, die man vielleicht sogar noch kennt, dann kann man in diesem Facebook schon eine Menge tolle Sachen erfahren. Zum Beispiel, wann sich die Tante das letzte Mal so richtig hat vollaufen lassen - wenn sie es auch in Facebook zugibt. Oder dass es jetzt Babys mit AC/DC Babystrampler gibt. Richtig, Werbung gibt es auch in diesem Facebook, vereinzelt. Aber im Vordergrund stehen natürlich die eigenen Freunde. 

Das macht glücklich, verhindert Vereinsamung (wenn man denn Freunde hat) und lässt den Hamster- und Sammlerreflex aufkommen. Wer mehr Freunde in Facebook sammelt, der ist auch mehr ABER HALLO. Soweit, so gut.

Und dann sass neulich Irene beim Kaffee am Tisch und wischte meinen obigen Einleitungsbeschrieb mit einer abfälligen Handbewegung beiseite. Das mit diesem Facebook sei ja ganz nett, aber viel spannender sei es doch, Menschen mit den gleichen Interessen zu finden. Die man ja am Anfang auch gar nicht kennen müsse. Was helfe es denn, wenn man alle Tanten in Facebook aufliste, aber keine interessiere sich für AC/DC?

Das gab mir zu denken.

Und die Lösung, die Irene präsentierte, auch. Pinterest sei das einzig Wahre. Da könne man viele neue Menschen anhand von Fotos oder Videos finden, die die eigenen Interessen - also zum Beispiel knochenharte Babykleidung für australische Rocker - teilten. Und sie lächelte charmant, trank ein wenig Kaffee und war zufrieden.

Ich nicht. Was mache ich jetzt mit meinem Facebook-Gedödel. Dachte ich, bis ich dann auf Friendsheet.com stiess. Sobald ich mich hier mit meinem Facebook-Account anmelde, sieht alles sehr nach Pinterest aus. Nur eben mit den Fotos meiner Facebook-Freunde.

Und was soll ich sagen: Jetzt weiss ich zwar, dass Thomas gerade in einem Bus unterwegs war und wie es darin aussah. Aber ich weiss auch, dass sich meine Freunde für Dinge interessieren, die mir schon vor dem Eintritt des digitalen Netzzeitalters suspekt waren. Ich muss noch einmal mit Irene reden.