Gorleben wird Referenzstandort

Andere Endlagerstandorte sollen sich daran messen

Nächsten Mittwoch soll mit dem Standortauswahlgesetz die Entscheidung fallen, ob die Bauarbeiten am geplanten Endlagerstandort Gorleben gestoppt werden. Das Salzbergwerk soll aber nicht ganz aufgegeben werden. Vielmehr soll weiter ein so genannter "Offenhaltungsbetrieb" stattfinden.

Gorleben ist als Endlager also keineswegs schon Geschichte. Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Vorschlags nähren aktuell auch die Pläne Röttgens das eigentlich zuständige Bundesamt für Strahlenschutz durch ein willfähriges "Bundesinstitut für Endlagerung" zu ersetzen.

Das Moratorium ist erst einmal nur als Geste der Beschwichtigung an die SPD/Grün regierten Bundesländer gedacht. Sie hatten kritisiert, dass trotz der angekündigten ergebnisoffenen bundesweiten Suche nach sichereren Standorten für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll, trotzdem weiter an Gorleben gebaut wurde.

Nach den aktuellen Plänen sollen nun bundesweit potenzielle Standorte, auch in Fest- und Tongesteinen, gesucht werden und ihre Eignung dann mit den Eigenschaften von Gorleben verglichen werden. Offen sind auch ganz grundsätzliche Fragen, ob ein Endlager dauerhaft zugänglich oder nach Einlagerung verschlossen werden soll.

Vor Ort in Gorleben ist man sehr skeptisch, Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz in Lüchow-Dannenberg gibt zu bedenken, dass schon öfters Moratorien angekündigt worden sind, aber dennoch seit 30 Jahren an Gorleben gebaut wird und bisher 1,6 Milliarden Euro in die Erkundung und den Endlagerbau investiert worden sind.

Ob das die Befürworter eines Endlagers in Gorleben einfach so aufgeben ist fraglich. Denn schließlich war Gorleben immer auch als bequeme Lösung gedacht, den radioaktiven Müll "aus den Augen, aus dem Sinn", in die dünnbesiedelte Region an der damaligen Zonenegrenze, zu schaffen.