Geplagte britische Jugend überladen von Zukunftsangst

Beinahe die Hälfte der 18- bis 24Jährigen plagen regelmäßig Geldsorgen, ein Drittel hat Angst um den Arbeitsplatz

Eine Umfrage der nationalen britischen Wohlfahrtsorganisation Rethink, die sich um Hilfeleistungen bei und Prävention von Geisteskrankheiten kümmert, offeriert einen neuen Anglizismus für Gegenwartsdiagnostiker: "anxiety overload". Die Überlastung mit Angst und Sorge sei unter den jungen Erwachsenen in Großbritannien ein beunruhigend weit verbreitetes Phänomen, so das Fazit einer Studie, die Rethink beim Unfrageinstitut YouGov in Auftrag gegeben hat.

An der Onlinebefragung Ende August nahmen 2051 repräsentativ ausgewählte Erwachsene teil, 246 unter ihnen waren 18 bis 24 Jahre alt. Zwei Drittel der letzteren Gruppe gaben an, dass sie sich mindestens einmal pro Woche gestresst fühlen oder Angst haben. Beinahe die Hälfte der 18- bis 24Jährigen (45%) plagen Geldsorgen; ein Drittel (33%) fühlten sich von Sorgen über den Arbeitsplatz belastet und 29 Prozent beklagten Druck in der Schule bzw. an der Universität. Besonders betroffen sind nach dieser Untersuchung junge Frauen, von denen ein Drittel beinahe jeden Tag oder sogar täglich mit Ängsten und Stress zu kämpfen haben. Die Männern zwischen 18 bis 24 Jahre haben sich demnach eine dickere Haut zugelegt. Nur ungefähr jeder zehnte findet der Zukunftsangst und dem Stress ausgesetzt. Während ein Drittel angab, dass die Angst-und Stressgefühle nicht nach außen mitgeteilt werden, sucht die Mehrheit, fast die Hälfte, Hilfe beim Partner oder bei Freunden.

Tatsächlich gründet die Angst der jungen Studenten bzw. der Hochschulangänger durchaus auf realistischen Einschätzungen. Der Stellenmarkt für Akademiker ist in diesem Sommer in Großbritannien stark eingebrochen (siehe Schlechte Aussichten für britische Hochschulabgänger): Fast in allen Branchen werden weniger Stellen angeboten. Gegenüber 2008 gingen die Angebote um fast 30 Prozent zurück. Laut einem Bericht der Tageszeitung Times vom Juli dieses Jahres, zeichnete sich ab, dass etwa die Hälfte der arbeitsuchenden Hochschulabgänger erst einmal keinen Job finden würde. Hinzu komme, dass der Jahrgang 2009 mit dem "größten Schuldenberg" die Universitäten verlasse. Die Studenten mussten im Vergleich zu ihren Vorgänger-Jahrgängen höhere Studienkredite aufnehmen, nachdem die Studiengebühren erhöht wurden.

Auf der aktuellen UN-Human-Development-Index-Tabelle, die wieder einmal Norwegen als Land mit der höchsten Lebensqualität ausweist (Kriterien sind Lebenserwartung, Bildungszugang und Lesefähigkeit und Lebenstandard), rangiert Großbritannien auf Platz 21 - einen Rang vor Deutschland. Doch arbeitet die Liste mit Werten (Bruttoinlandsprodukt pro Kopf) aus dem Jahr 2007. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise wurden nicht berücksichtigt (Island steht auf Platz 3 und Irland auf Platz 5).