Erneut Guerillaterror in Athen

Ein terroristisch motivierter Anschlag auf Polizisten erschüttert Griechenland und überschattete die Feiern zum Nationalfeiertag.

Zur Begrüßung der neuen sozialistischen PASOK-Regierung und rechtzeitig zum Beginn der kälteren Jahreszeiten beginnt parallel zu Wien auch in Athen wieder ein heißer Winter. Relativ friedliche Besetzungen von Bildungseinrichtungen gehören seit Jahren zur griechischen Tradition. Folgerichtig wird in Hellas von allen Beteiligten eine höhere Eskalationsstufe gewählt. Immer wieder werden Sprengladungen gefunden oder Terrorverdächtige mitsamt ihren Waffenlagern festgenommen.

Pünktlich zur Nacht vor dem Nationalfeiertag am 28. Oktober griffen bisher unbekannte Täter die Polizeistation des Athener Vororts Agia Paraskevi während des Schichtwechsels an. Sechs Polizisten wurden durch Schüsse aus Sturmgewehren vom Typ Kalashnikov verletzt. Die Polizeidirektion Athen berichtet 100 gefundenen Projektilhülsen. Die Gegend um den Tatort ist in einem Umkreis von 300 m zum Sperrgebiet erklärt worden.

Zwei der zum Teil noch in der Ausbildung stehenden Beamten, eine 23-jährige Wachpolizistin und ein 22-jähriger Kollege werden aufgrund lebensgefährlicher Verletzungen in Athener Hospitälern behandelt. Der Anschlag wird einer der neueren Terrororganisationen, entweder dem “ Revolutionärem Kampf oder der Revolutionärssekte, zugeschrieben.

Allerdings schließen jüngste Expertenstatements und Medienberichte nicht aus, dass es sich bei den Angreifern um eine neue Terrororganisation handeln könnte. Tragisch und schockierend wirkt auf große Teile der Bevölkerung die Tatsache, dass die beiden schwer verletzten Terroropfer für 500 Euro Ausbildungsentschädigung ihren Wachdienst versahen.

Der Minister für den Schutz des Bürgers Michalis Chryssohoidis, erst seit gut zwei Wochen im Amt, reagierte mit einem unerwarteten, mutigen Deeskalationsversuch auf den Anschlag. Er möchte, so teilte er am Donnerstag mit, die Polizeistationen in Zukunft ohne Wachdienst belassen. Darüber hinaus sollen bestehende Waffenlager aus den Polizeistationen entfernt werden. Der Bürger solle die Polizeistationen als Dienstleistungszentren und nicht als schwer bewachte Kasernen identifizieren.

Regierungschef Georgios Papandrou besetze das neu geschaffene Ministerium mit Chryssohoidis, da dieser maßgeblich an der Zerschlagung der Terrororganisation 17. November beteiligt war. Dem erfahrenen Chryssohoidis werden ein immenser Arbeitseifer und ein Hang zu innovativen Ideen nachgesagt.

Bereits in den ersten Tagen hat der frische Minister auf Fehlentscheidungen der Polizeiführung mit Entlassungen reagiert. Angesichts des 6. Dezembers, dem nahenden Jahrestags der Erschießung eines Schülers durch Polizeibeamte und des drohenden Wiederauflammens der letztjährigen Unruhen, hat der oberste Bürgerschützer bereits angekündigt, dass er dies zu verhindern wisse. Drei Aktivisten der autonomen Szene, denen vor allem Raubüberfälle vorgeworfen werden, wurden bereits öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Dem Tippgeber winkt ein Kopfgeld von 600.000 Euro.

Unter „ferner liefen“ berichten griechische Medien über einen tätlichen Angriff autonomer Jugendlicher auf den prominenten Rechtsanwalt Alexis Kougias. Der schillernde Advokat ( Ein Rechtsanwalt sieht rot – oder rosa?) hatte vor Monaten medienwirksam die Verteidigung eines an den Todesschüssen gegen den Schüler beteiligten Beamten übernommen.