Entkoffeinierter Kaffee stimuliert - zumindest subjektiv

Eine Forschergruppe ist der Wirkung von Koffein und dem Placebo-Effekt auf den Grund gegangen

Eine Forschergruppe ist der stimulierenden Wirkung von Koffein im Zusammenhang mit dem Placebo-Effekt auf den Grund gegangen. Man rekrutierte 60 regelmäßige Kaffeetrinker und gab ihnen entweder frisch aufgebrühten Kaffee mit einem satten Koffeingehalt von 280 mg oder entkoffeinierten Kaffee. Eine halbe Stunden später sollte die gesamte Gruppe Knöpfe zügig und gekonnt drücken. Unklar ist, ob hier bereits besonders gute Knopfdrücker das Experiment irritierten. Abgesehen davon bestand der Trick dieser Untersuchung darin, dass die Wissenschaftler die Freiwilligen bewusst anlogen: Allen Teilnehmern wurde gesagt, sie würden echten, wirkungsvollen Kaffee trinken. Einer Hälfte erzählte man zudem, dass der Kaffee ihren Leistung beeinträchtigen, der anderen Hälfte wiederum, dass er ihre Leistung verbessern würde.

Was passierte? Zum einen schnitten die koffeingetriebenen Teilnehmer in den Tests tatsächlich besser ab. Zum anderen wirkte auch der Placebo-Effekt - allerdings nicht so, wie vielleicht vermutet. Die Placebo-Personen, denen eine nachteilige Wirkung suggeriert wurde, schnitten besser ab als diejenigen, denen Vorteile eingeflüstert worden waren. Vielleicht, weil sie sich besonders anstrengten?

Ein weiteres Schmankerl der Untersuchung ist die Tatsache, dass keiner der entkoffeinierten Teilnehmer bemerkte, dass er oder sie nüchtern blieb. Subjektiv berichteten sie in gleichem Maße von erhöhter Wachsamkeit und guter Stimmung wie die Koffeinierten. Objektiv waren ihre Leistungen allerdings schlechter.

Sollte es zukünftig ausreichen, Morgens ein koffeinfreies Gebräu zu sich zu nehmen, sich vom Chef vorwerfen lassen, dass dieses Konsumverhalten die Arbeitsleistung verschlechtert, um dann richtig durchzustarten? Nein. Der Placebo-Effekt lebt zwar von der Bedeutungserteilung, die sich aus der (auch nonverbalen) Kommunikation mit dem Placebogeber und der inneren Einstellung ergibt. Stimmt diese Einstellung gar nicht mit dem Bedeutungsaufladungsversuch des Chefs oder Arztes überein, so kann der Effekt eines Wirkstoffs überlagert oder gar in das Gegenteil verkehrt werden. 280 mg Koffein wirken aber noch immer besser als eine Mixtur aus Placebo und Obrigkeitseinlauf.