Energie: Weniger Kohle, mehr Treibhausgase

Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Deckung des Strombedarfs bei einem Drittel. Erneut Stromexport-Rekord. Mineralöl- und Erdgasverbrauch legen zu

Der Energieverbrauch ist in Deutschland im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Das geht aus einer von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) vorgelegten Bilanz hervor. Demnach legte der Verbrauch von Strom und Kraftstoffen aller Art um 1,6 Prozent zu. Die Statistiker führen das auf die kältere Witterung, das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sowie auf das um einen Schalttag längere Jahr zurück.

Erfreulich ist der Rückgang des Kohleverbrauchs. Allerdings sind die Kohlendioxid-Emissionen dennoch gestiegen. Der zusätzliche Verbrauch von Erdgas (+10,2 Prozent) und Mineralölprodukten (+1,8 Prozent) habe die Abnahme bei der Kohle mehr als wett gemacht. Entsprechend sind die energiebedingten CO2-Emissionenn nach ersten Schätzungen um 0,9 Prozent gestiegen, heißt es bei der AGEB.

Die Zunahme des Verbrauchs an Mineralölprodukten geht vor allem auf den verstärkten Absatz von Dieselkraftstoffen zurück, der um 4,5 Prozent zulegte. Der Absatz von Heizöl ging hingegen trotz der kälteren Witterung um drei Prozent zurück. Mit anderen Worten: Die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors nehmen weiter zu.

Ein Drittel Erneuerbare

Werfen wir einen Blick auf den Stromsektor: Der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Bruttostromerzeugung betrug 2016 29,5 Prozent, ein halbes Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus einer Aufstellung der AGEB für den Elektrizitätssektor hervorgeht. Der Anteil der Braunkohle betrug 23,1 Prozent (-0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr), der der Steinkohle 17 Prozent (-1,2 Prozentpunkte) und der der Atomkraft 13,1 Prozent (-1,1 Prozentpunkte). Gaskraftwerke haben ihren Anteil an der Stromerzeugung hingegen gegenüber 2015 um 2,5 Prozentpunkte erhöht und trugen nunmehr 12,1 Prozent zur Bruttostromproduktion bei.

Aber die Größe Bruttostromverbrauch ist nur bedingt aussagekräftig. Denn zum einen verbrauchen Atom- und Kohlekraftwerke einen nicht kleinen Anteil ihres Stroms selbst. Bei den Gaskraftwerken sind es nach Angaben des Fraunhofer Instituts für Solar Energiesysteme ISE 3,4 Prozent, bei den AKW 5,5 Prozent, bei den Braunkohlekraftwerken 7,1 und bei den Steinkohlekraftwerken gar 8,3 Prozent. Zusammen dürfte das 2016 einen Eigenverbrauch der besagten Kraftwerke von rund 26 Milliarden Kilowattstunden ergeben haben.

Zum anderen exportiert Deutschland nach wie vor in großem Umfang Strom. 2016 wurden nach AGEB Angaben netto 55,5 Milliarden Kilowattstunden Strom exportiert. Das ist erneut ein neuer Jahresrekord und auch etwas mehr als die kürzlich auf Telepolis zitierten vorläufigen Werte (siehe Erneuerbare liefern rund ein Drittel der Nettostromerzeugung).

Zieht man nun den Nettoexport und den Eigenverbrauch von der Menge des produzierten Stromes ab, so ergibt sich der Netto-Inlandsstromverbrauch zu rund 567 Milliarden Kilowattstunden. Setzt man den Beitrag der erneuerbaren Energieträger dazu ins Verhältnis, so ergibt sich Folgendes: Sonne, Wind & Co. haben übers Jahr gerechnet ein gutes Drittel des heimischen Strombedarfs abgedeckt und die Atomkraftwerke (Nettoproduktion rund 80 Milliarden Kilowattstunden) liefen hauptsächlich für den Stromexport.