Eine deutsche Kämpfernatur, wie es sie viel zu selten gibt

Außer Kontrolle

Nach all der Politikerschelte wird es Zeit, ab und an auch mal jemanden lobend zu erwähnen. Jemanden, der sich allen Widrigkeiten zum Trotze für die Armen und Alten einsetzt

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Seit Jahren wird sie gescholten und missverstanden, missgünstige Menschen nannten sie "Zensursula", weil sie sich um die armen Kinder kümmerte, deren Nacktfotos zu Milliardenerträgen im Kinderpornographiebusiness führten. Unempathische, nörgelnde Leute wollten für ihre Ansichten, die auf gesundem Menschenverstand fußten, tatsächlich auch noch Quellen und Belege haben, und unfähige Politiker machten am Schluss all ihre Arbeit zunichte, indem das von ihr mit so viel Kampfeslust durchgesetzte Zugangserschwerungsgesetz zuerst nicht angewandt und schlussendlich sogar zurückgenommen wurde.

Doch Ursula von der Leyen wäre nicht Ursula von der Leyen, würde sie sich von solchen Rückschlägen einschüchtern lassen. Von der Familienministerin zur Arbeitsministerin hat sie sich gewissenhaft und dank ihres Fachwissens hochgearbeitet und seit ihrem Arbeitsantritt im Arbeitsministerium zeigt sie erneut, dass es unter Deutschlands Politikerinnen auch jene gibt, die nicht nur voller Elan an ihre Arbeit gehen, sondern auch Hintergrundwissen und den Sinn für Details ihr eigen nennen.

Was andere nicht zu sagen wagen, Ursula von der Leyen wagt es. So weiß sie, im Gegensatz zu anderen, dass Selbständige zu träge sind, ihr gemachtes Nest in der Selbständigkeit zu verlassen, sich zudem noch in ignoranter Art und Weise nicht einmal für ihre Altersabsicherung interessieren. Und mehr noch – Ursula von der Leyen greift durch. Eine Absicherung wird, geht es nach ihr, nunmehr gesetzlich vorgeschrieben. Und wer sie sich nicht leisten kann, dem empfiehlt die strategisch und logisch denkende Politikerin, sich auf offene Stellen zu bewerben, von denen es ja genug gibt.

Doch damit nicht genug, die Altersarmut macht der Politikerin ebenso zu schaffen und auch hierfür hat sie bereits ein Konzept ausgearbeitet, das es ermöglicht, per Zuschussrente im Alter nicht am ALG-II-Tropf zu enden. Das Prinzip dabei ist einfach: Wer sich während der Zeit vor der Rente nicht nur stets bemüht, erwerbstätig zu sein, sondern auch noch zusätzlich vorsorgt, der erhält später mehr als jemand, der nicht vorsorgt. Dies, so Frau von der Leyen folgerichtig, führt dazu, dass Menschen wieder erkennen, dass Erwerbstätigkeit sich eben lohnt - und da es so viele freie Stellen gibt, muss man sich eben einfach auf sie bewerben. Und was passiert? Es kommen sofort wieder die ewig Gestrigen daher, die meinen, die Zahlen würden nicht stimmen, die kritisieren, dass nur wenige profitieren würden und dergleichen mehr. Lediglich die Piratenpartei steht Frau von der Leyen zur Seite und meint, dass die Zuschussrente dem Bedingungslosen Grundeinkommen entgegen käme.

Dabei ist es so offensichtlich, dass die Zuschussrente eine Verbesserung für viele sein wird, ist sie doch lediglich an wenige, leicht zu erfüllende Bedingungen geknüpft. 40-45 Jahre der Erwerbsbiographie müssen sogenannte Versicherungsjahre sein, davon mindestens 30-35 aus Pflichtbeitragsjahren für Erwerbstätigkeit sowie Beitrags- und Berücksichtigungszeiten für Kindererziehung und Pflege. Ab 2019 muss noch nachgewiesen werden, dass eine betriebliche oder private Rentenvorsorge seit mindestens 5, ansteigend auf 35 Jahre bestand. Dann muss noch, wie bei ALG II, der Bedarf nachgewiesen werden - und schon gibt es die Zuschussrente. So einfach, so praktisch, doch das sehen die Dauernörgler anders.

Es ist erfreulich, dass sich Frau von der Leyen nicht ihren Schneid hat abkaufen lassen und weiterhin, allen Widrigkeiten zum Trotz, an ihren guten Ideen festhält. "Diesen Kampf stehe ich durch" kommentiert die Ministerin die unsachliche und unbegründete Kritik. Ursula von der Leyen bleibt weiterhin also jene kämpferische, fachlich versierte Ministerin, die wir so schätzen, die sich von all den Knüppeln, die man ihr zwischen die Beine wirft, nicht von einer einmal angedachten Idee abbringen lässt. Weiter so!