EU setzt auf "grüne" Arbeitsplätze

So ändern sich die Zeiten. Vor 10 Jahren träumte man vom Übergang in die Informationsgesellschaft, jetzt ist es die "wissensbasierten Wirtschaft mit geringem CO2-Ausstoß".

Die EU setzt, zumindest rhetorisch, auf die Klimaveränderung. Man gibt sich als Pionier, will die 2-Grad-Grenze einhalten und hat sich freiwillig verpflichtet, um als leuchtendes Vorbild aufzutreten, die CO2-Emissionen um 20 Prozent gegenüber den Werten von 1990 bis 2020 zu reduzieren. Wenn die anderen Industrieländer mitmachen, will man auf 30 Prozent gehen. Bis 2050 sollen es dann 80-95 Prozent werden. Aber davor gibt es Kopenhagen, und das soll ein Meilenstein mit einem verbindlichen Abkommen werden, das vermutlich aber nicht zustande kommen wird.

Die EU setzt nicht nur wegen der Stabilisierung des irdischen Klimas auf die Reduktion des Treibhausgasemissionen, sondern auch als eine Art Konjunkturprogramm und zur Sicherung des Standorts. Das um so mehr, als durch die Finanz- und nachfolgende Wirtschaftskrise die seit 2000 neu geschaffenen Arbeitsplätze nach einer Mitteilung der EU-Kommission praktisch wieder ausgelöscht wurden. Man erinnert sich, in den Zeiten des Booms vor dem Dotcom-Crash wollte man bis 2010 gar die Armut in der EU eliminieren. So steht es um die 10-Jahres-Pläne und die politische Planung. Von der Informationsgesellschaft, von der man damals noch vollmundig träumte, ist nicht mehr die Rede.

Vier Millionen Arbeitsplätze gingen in der EU verloren – und es wären noch viel mehr, so brüstet man sich, wenn die die EU-Mitgliedsländer nicht mit Maßnahmen wie den Konjunkturprogrammen oder der Förderung der Kurzarbeit gegengesteuert hätten. Das seien aber nur kurzfristige Maßnahmen, viel versprechend sei, für die Beschäftigungspolitik "den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in den Mittelpunkt" zu stellen. Der "Übergang zu einer wettbewerbsfähigen, wissensbasierten Wirtschaft mit geringem CO2-Ausstoß" sei gerade jetzt "zu einer dringenden Priorität geworden", heißt es in dem Bericht Beschäftigung in Europa 2009.

In dem Bericht geht es einerseits um die Dynamik des europäischen Arbeitsmarktes, die bereits recht hoch ist. 22 Prozent der Arbeitnehmer wechseln in jedem Jahr ihren Job, 25 Prozent sogar in Großbritannien, Dänemark, Finnland und Spanien. "Flexibler" sind Frauen und natürlich auch junge Menschen. Aber was so flexibel und dynamisch aussieht, ist zumindest auch harte Realität. Die Hälfte aller Arbeitnehmer, die ihren Job verloren hat, blieb länger als ein Jahr arbeitslos. Es geht eben schneller raus als rein. Besonders betrifft die Arbeitslosigkeit die junge Generation, die Jugendarbeitslosigkeit ist auf einem Höchststand. Das ist für die Zukunftsfähigkeit nicht gut. Je besser die Menschen ausgebildet sind, desto weniger und desto kürzer sind sie arbeitslos. Es sei festzustellen, dass "die Langzeitarbeitslosigkeit infolge strenger Rechtsvorschriften zum Schutz der Beschäftigung langfristig tendenziell steigt und bei Förderung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sinkt".

Grüne Arbeitsplätze würden zwar bislang kaum die Verluste an Arbeitsplätzen kompensieren, zudem werden nicht alle Arbeitsplätze hier dauerhaft sein und erst einmal profitieren vor allem hochqualifizierte Arbeitskräfte vom "Übergang zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit geringem CO2-Ausstoß". "Die Einführung neuer „grüner“ Technologien stärkt also die Nachfrage nach entsprechenden Qualifikationen, während andere Qualifikationen nicht mehr gefragt sind", so der Bericht, der beruhigend fortfährt. "Mit der Marktreife neuer Technologien dürften aber auch minderqualifizierte Arbeitnehmer in der Lage sein, diese Arbeitsplätze einzunehmen – sofern sie eine entsprechende Ausbildung erhalten." Bis 2020 könnten im Bereich der erneuerbaren Energien 2,3-2,8 Millionen neuer Arbeitsplätze entstehen, während freilich gleichzeitig fast ebenso viele verloren gehen. Ab 2020 sollen dann die meisten Arbeitsplatzzuwächse im grünen Bereich erfolgen. Wichtig seien hier klare Zielsetzungen in der Klimapolitik. Erst einmal werden aber trotz aller Aussicht auf grüne Arbeitsplätze die Arbeitslosenzahlen wachsen.