Du bist berufen - aber warum nur?

Neben der Spur

Wir werden in die Vorschlagkultur hineingezogen. Manchmal würden wir nur gerne wissen warum.

Das waren noch Zeiten, als man sich jede Idee selbst in die Kommandozeile eines Computers hineingepfriemelt hat. Heute macht das die Maschine für uns. Besser gesagt: diverse Algorithmen schlagen uns Inhalte oder Services vor, wenn wir eine bestimmte App aufrufen.

So kann man zum Beispiel sicher sein, dass Google Now zum Beispiel dann aktiv wird, wenn man kurz vor einer Haltestelle erinnert werden könnte: Man sollte jetzt aufstehen und gleich die U-Bahn verlassen. Oder: Aufwachen, dann aufstehen, dann die U-Bahn verlassen. Ein netter Service für Morgenmuffel.

Google Now ist noch einmal aktiv, denn die App schaut sich an, anhand welcher Emailthreads in Gmail man welche Termine mit jemandem ausmachen könnte. Das ist doch schon einmal etwas für Sozialmuffel. Dazu brauchte es früher die Mama, die meinte: Jetzt spiel' doch einfach mal mit dem Nachbarjungen. Gut, er hat Dir vor drei Tagen einen Vorderzahn ausgeschlagen, aber sonst ist der doch nett. Geh mal rüber und klingle.

So etwas machen Computer heute für einen. Und noch viel mehr. Aber man würde gerne manchmal wissen, WARUM sie das tun. Bei Mama war klar, dass die Mutter von dem Balg ihre beste Freundin war, aber warum schlägt mir Google jetzt wirklich ein Meeting vor, und warum bekomme ich zum Beispiel regelmäßig Werbung für Stützstrümpfe in Facebook angezeigt, und nicht meine Mama?

Gut, es ist so, dass sie keinen Account hat, aber für die Auswahl der Werbung hat Facebook sicher noch einen anderen Grund, und den werde ich jetzt erfahren, denn man will hier transparent werden.

Facebook will uns zeigen, was es über unsere Vorlieben und Interessen notiert. Und daraus resultieren nun vielleicht die einen oder anderern Empfehlungen, die man uns vorsetzt. Aber es kommt noch besser: In Zukunft können wir diese unsere Angaben selbst verbessern und korrigieren. Auf der einen Seite werde ich so vielleicht die Stützstrümpfe los. Aber auf der anderen Seite kann ich wilde Dinge damit tun. Ich bin sehr gespannt, was mir der Service dann in Zukunft ausspuckt, wenn ich allen Ernstes behaupte, ich interessiere mich ausschließlich für die Jagd auf Moschusochsen, die Fortbewegung im Entenwatschelgang und habe eigentlich nur Mao Tse Tung und Karl Moik als historische Vorbilder.

Vermutlich ruft Facebook dann meine Muitter an, und die wird mit einem sehr intensiven Blick vor meiner Türe stehen.