Der lange Schatten des Terroristen

Neue Dokumente über den CIA-Mann Posada Carriles bestätigen die Hilfe des US-Geheimdienstes bei dessen Anschlägen gegen Kuba.

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat enger mit dem antikubanischen Terroristen Luis Posada Carriles zusammengearbeitet, als bisher bekannt war. Das geht aus Dokumenten hervor, die unlängst von dem regierungsunabhängigen Nationalen Sicherheitsarchiv mit Sitz in Washington veröffentlicht wurden. Der gebürtige Kubaner ist seit den frühen 1960er Jahren im bewaffneten Kampf gegen die kubanische Regierung aktiv. Sein Fall ist für die USA besonders brisant, weil der heute 81-jährige lange Jahre auch für die CIA arbeitete. Die neuen Dokumente könnten daher Auswirkungen auf ein im Frühjahr 2010 in den USA geplantes Verfahren gegen den Castro-Gegner haben.

Das Forschungsinstitut an der George-Washington-Universität in der US-Hauptstadt hat sich darauf spezialisiert, mit Hilfe des US-amerikanischen Informationsfreiheitsgesetzes Geheimdienstdokumente zu veröffentlichen. Den nun publizierten CIA-Berichten zufolge wurde Posada Carriles schon Mitte 1965 von dem US-Geheimdienst angeworben, um die gewaltbereiten Gruppen des kubanischen Exils auszuspionieren. Im Juli 1966 bat Posada Carriles seinen CIA-Kontaktmann Grover Lythcott um die Erlaubnis, in den Koordinierungskreis von vier Terrorgruppen einzutreten. Es ginge darum, einen gemeinsamen Pool von Geld und Waffen zu bilden, schrieb Posada, der den Decknamen ANCLEVE-15 trug. Zugleich bot er der CIA seine Dienste an: „Ich werde der Gesellschaft (der CIA, d. Red.) alle Informationen liefern, die ich zusammentragen kann.“

Lythcott unterstütze den Antrag des gewaltbereiten Castro-Gegners. Posada Carriles sei „den USA gegenüber loyal“, habe „einen guten Charakter“ und „Sicherheitsbewusstsein“, schrieb der CIA-Kontaktmann seinen Vorgesetzten, um Posada Carriles gar für einen Posten in einer neuen Staatsführung nach dem möglichen Sturz der sozialistischen Regierung in Havanna vorzuschlagen.

Dabei hätte es Lythcott besser wissen können. 1965 bereits war Posada Carriles nach eigenen Angaben an Attentatsplänen gegen kubanische und sowjetische Schiffe im Hafen der mexikanischen Küstenstadt Veracruz beteiligt. Dabei arbeitete er eng mit Jorge Mas Canosa zusammen, der in den 1980er Jahren zum Chef des rechten kubanischen Exils in den USA aufsteigen sollte. Bei den Anschlagsplänen 1965 wurde das gleiche Material benutzt wie bei einem Bombenattentat auf ein kubanisches Zivilflugzeug gut zehn Jahre später. Bei diesem Terrorakt 1976 kamen 73 Menschen ums Leben. „Was mich am meisten erstaunt hat, ist die krasse Fehleinschätzung der CIA“, sagt Peter Kornbluh, Leiter des Kuba-Programms des Nationalen Sicherheitsarchivs. Schließlich gelte Posada Carriles heute als einer der gefährlichsten Terroristen des kubanischen Exils. In den frühen CIA-Berichten werde er jedoch als besonnener und fast friedfertiger Aktivist dargestellt.

Die Aktenfunde könnten sich deswegen auch auf ein Verfahren auswirken, das gegen den ehemaligen CIA-Mann im kommenden März im texanischen El Paso eröffnet werden soll. Dabei muss sich Posada Carriles wegen seiner illegalen Einreise in die USA im Jahr 2005 verantworten ( Fluchthelfer USA). Zudem wird dann seine wahrscheinliche Beteiligung an Bombenanschlägen 2007 in Havanna thematisiert. „Dass diese Taten Teil der Anklageschrift sind, ist das Verdienst des Justizministeriums unter Präsident Barack Obama“, sagte Kornbluh am Dienstag im Gespräch mit Telepolis. Tatsächlich stehen die USA im Fall Posada Carriles unter Druck: Sowohl Kuba als auch Venezuela haben wegen des Bombenanschlags 1976 die Auslieferung des Angeklagten beantragt.