Dem Herzschlag vertrauen

Biofeedback verbessert Entscheidungen

Forscher der Universität München haben eigenen Angaben zufolge zum ersten Mal nachweisen können, dass die Selbstbeobachtung des Herzschlages zu besseren Entscheidungen führt. Die Wissenschaftler Natalie S. Werner, Katharina Jung, Stefan Duschek und Rainer Schandry haben ihre Ergebnisse im Fachmagazin Psychophysiology veröffentlicht.

In einem Versuchsaufbau ließen sie 50 Probanden den "Iowa Gambling Task" spielen. Bei diesem Test sehen die Testpersonen auf einem Monitor vor sich vier Kartenstapel, von denen sie nacheinander Karten ziehen sollen. Jede Karte enthält eine Geldgutschrift, aber manchmal zusätzlich auch einen mehr oder minder empfindlichen Minusbetrag. Ziel des Spiels ist es, so viel Geld wie zu gewinnen. Die Karten zweier Stapel (beispielsweise A und B) werfen hohe Gewinne ab, während bei den Karten der anderen Stapel der Profit geringer ausfällt. Dafür sind in A und B die möglichen Verluste wesentlich höher als in C und D. Auf lange Sicht ist es also günstiger, sich von den Stapeln C und D zu bedienen. Die meisten Spieler erkennen nach vierzig bis fünfzig Durchgängen das System und halten sich danach an Stapel C und D.

Die Münchner Forscher hatten im Vorwege des Versuchs an ein EKG angeschlossen und die Spieler und Spielerinnen gebeten ihre Herzschläge in einem bestimmten Zeitraum zu zählen. Die Gruppe wurde daraufhin in Probanden aufgeteilt, die eine gute bzw. eine schlechte Einschätzung ablieferten. Spieler mit einer guten Einschätzung schnitten im IGT signifikant besser ab. Schon diese simple Form des Biofeedback kann also helfen besseren Entscheidungen zu treffen. Die Wissenschaftler nehmen an, dass sich diese Ergebnisse auf Alltagssituationen übertragen lassen.

Der IGT wurde ursprünglich von Antonio Damasio und Antoine Bechara entwickelt, allerdings nicht, um Gewinnstrategien zu überprüfen, sondern um Körperreaktionen zu testen. ( Hier eine Version vom Iowa Gambling Task, Achtung, downloadbares Java-Programm.) Die Messung des Hautwiderstands zeigt nämlich überraschenderweise bereits nach zehn bis zwanzig Versuchen eine Reaktion beim Ziehen von einem „schlechten“ Stapel – lange bevor den Spielern bewusst wird, dass hier die Verliererkarter liegen. Seither wird darüber diskutiert, welche Rolle Körperreaktionen wie die bekannten schwitzigen Hände in Stresssituationen spielen. Denn in gewisser Hinsicht scheinen die Hände früher als der Kopf zu wissen, welche Entscheidung die richtige ist. Personen, die in der Lage sind, auf ihre Körpersignale zu achten, könnten also im Vorteil sein. Anders ausgedrückt: Sie spüren, wann sie nervös sind und können dieses Gefühl in ihre Entscheidung miteinfließen lassen.