Das BKA sucht den Besten der Besten der Besten

Außer Kontrolle

Das Bundeskriminalamt will die Entwicklung der Software für die Onlinedurchsuchung bzw. die Quellen-TKÜ selbst übernehmen und sucht dafür... tja, was eigentlich?

Brainstorming, also das gemeinsame In-den-Raum-Werfen von Ideen und Schlagwörtern, kann durchaus eine sinnvolle Sache sein, wenn danach eine Nachbearbeitung erfolgt. Etliche Stellenanzeigen jedoch erwecken den Anschein, sie wären das Produkt eben jenes Brainstorming. Nachdem jeder seine Idealvorstellung von sich gegeben hat, wird eben diese als Stellenanzeige veröffentlicht als wäre "Wünsch dir was", nicht jedoch die Suche nach einem tatsächlich existierenden Kandidaten angesagt. Diese Unart hat für alle Beteiligten Nachteile, ist jedoch allem Anschein nach weit verbreitet.

Die Nachteile liegen tatsächlich auf der Hand. Wenn die Stellenanzeige sich auf die bekannte eierlegende Wollmilchsau bezieht, fallen Bewerber, die nicht nach der Methode "erstmal die Hälfte wegkürzen" vorgehen, durchs Raster, wobei dem Bewerbersuchenden dann Chancen entgehen. Zeitgleich entgehen auch den Bewerbern Chancen, denn oft genug wären sie geeignet gewesen, wurden jedoch durch das Konvolut an Anforderungen so abgeschreckt, dass sie eben keinen Versuch starten. Wird dies gerne noch mit dem Pseudoargument "Dann bewerben sich eben nur selbstsichere Menschen" abgetan, so stellt die Praxis insbesondere die Personalabteilung vor das Problem, dass sich eine Vielzahl der eingehenden Bewerbungen schlichtweg als ungeeignet entpuppt, was sowohl finanzielle, zeitliche und personelle Ressourcen vergeudet. Wenn der wichtigste Aspekt an fünfter Stelle steht, dann sehen viele diesen logischerweise als nicht so wichtig an - dass auch das Schreiben einer Stellenanzeige Sorgfalt erfordert, hat sich leider noch nicht herumgesprochen.

Programmieren, Projektleitung, Marktbeobachtung... was darf es denn sein?

Nachdem das Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland bereits mitgeteilt hatte, es verfüge über eine Software zur Onlinedurchsuchung, die leicht zur Software für die Quellen-TKÜ modifiziert werden könnte, überrascht es, dass erst jetzt auch entsprechendes Personal gesucht wird. Wer hat bisher die entsprechende Programmierung der Software übernommen und warum ist die vorliegende Version offensichtlich nicht mehr geeignet?

Die Stellenanzeige bezieht sich allem Anschein nach auf das von Bundesinnenminister Friedrich angekündigte Kompetenzzentrum, doch stellt sich die Frage, wen das BKA nun eigentlich sucht? Einen Programmierer? Einen Netzwerktechniker? Einen Projektleiter?

Für ein monatliches Salär in Höhe von rund 3.000 Euro brutto monatlich (Entgeltgruppe 13 TVöD) sind sowohl die Qualifikationsliste als auch die Liste der Aufgaben stattlich.

• Abgeschlossenes Hochschulstudium (Diplom bzw. Magister oder Master) der technischen Fachrichtungen Informatik, Physik, Mathematik oder vergleichbarer technischer Fachrichtungen
• Mehrjährige Berufserfahrung in der Softwareentwicklung
• Erfahrung in der Planung und Leitung von Softwareprojekten
• Fundierte Kenntnisse von Netzwerktechnologien, -topologien und -protokollen (vor allem im Internet verwendete Protokolle)
• Gute Kenntnisse im Bereich der Sicherheit von Computer-Netzwerken (Netzwerksicherheit)
• Fundierte Kenntnisse in C++ oder einer vergleichbaren Programmiersprache
• Bereitschaft ggf. weitere Sprachen zu erlernen
• Sehr gute Kenntnisse in der systemnahen Programmierung unter Windows (wünschenswert sind auch Kenntnisse in der systemnahen Programmierung unter anderen Betriebssystemen und in der Treiberprogrammierung)
• Kenntnisse in der Programmierung sicherer Software
• Sehr gute Kenntnisse in der Netzwerkprogrammierung
• Erfahrung in der objektorientierten Softwareentwicklung/Programmierung
• Sehr gute Kenntnisse in der Sicherheitsarchitektur von Windows (andere Betriebssysteme wünschenswert)
• Gute Kenntnisse von Software-Modellierungsstandards und Tool-Umgebungen (z. B. UML)
• Gute Kenntnisse im Bereich der Programmtests/Softwaretests (Erfahrungen wünschenswert)

Gesucht wird also kein reiner Programmierer, sondern auch ein Experte im Bereich Sicherheit, Netzwerke usw. Doch damit nicht genug, der Experte soll weiterhin auch die technischen und rechtlichen (!) Entwicklungen im Bereich der Informationstechnik im Blick haben, übergeordnete Stellen beraten, beim Informationsaustausch auf nationaler und internationaler Ebene in Bezug auf Unternehmen und Diensstellen mitwirken und nicht zuletzt den Markt beobachten, was kommerzielle Anbieter von ähnlicher Software angeht.

Ob das BKA wirklich hofft, für die nicht gerade üppige Vergütung tatsächlich einen "Besten der Besten der Besten" zu finden, der all diese Qualifikationen erfüllt? Das ist eher unwahrscheinlich, insofern ist diese Anzeige eines der Beispiele dafür, wie eine Stellenanzeige nicht aussehen sollte. Die vollmundig angekündigte Entwicklung der Überwachungssoftware dürfte sich damit doch noch ein wenig verzögern.