Britische Finanzmarktaufsicht legt Banken an die Leine

Als erste Aufsichtsbehörde hat die "Financial Services Authority" (FSA) am Montag die neuen, strengeren Regeln für britische Banken vorgestellt.

Zwar sollen die neuen Vorschriften nur graduell und in Abhängigkeit von den Entwicklungen an den Finanzmärkten umgesetzt werden, aber schon jetzt sehen die Geldmanager der Londoner City dadurch ihre Vormachtstellung im internationalen Finanzsystem gefährdet.

Die Änderungen, die auch für alle Filialen und Töchter ausländischer Banken gelten, konzentrieren sich auf die kurzfristige Zahlungsfähigkeit der Institute: So müssen die Banken ihre Bestände an soliden Staatsanleihen (sowie von supranationalen Organisationen) mittelfristig von derzeit rund 280 Mrd. Pfund auf rund 900 Mrd. steigern. Diese müssen künftig nicht nur im Notfall, sondern auch routinemäßig in Liquidität umgesetzt werden, wobei der Bedarf an notenbankfähigen Sicherheiten zudem dadurch erhöht wird, dass die Banken künftig verpflichtet werden, die Liquiditätsfazilitäten der Notenbank auch im Tagesgeschäft regelmäßig zu beanspruchen. Dadurch soll sicher gestellt werden, dass deren Beanspruchung keine Stigmatisierung bewirkt. Die Höhe des Sicherheitspolsters soll nun in Abhängigkeit vom Geschäftsmodell und dem internen Risikomanagement individuell festgelegt werden, wobei die Gestaltung des Portfolios sich nicht an Renditeüberlegungen orientieren darf, sondern an den bestehenden Verbindlichkeiten.

Dementsprechend wird von einer Bank mit vor allem in Pfund Sterling denominierten Verbindlichkeiten erwartet, das Sicherheitspolster vor allem in britischen Gilts zu halten, was auch den künftigen Absatz der momentan gerade ausufernden britischen Staatsschulden sicherstellen dürfte. Denn insgesamt würden die Banken ihren Bestand an Staatsanleihen schon 2010 um 110 Mrd. Pfund erhöhen müssen, was ihren Gewinn aber nur um 2,2 Mrd. Pfund schmälern sollte, wie die FSA vorrechnet.

Außerdem müssen die Banken ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Finanzmarkt-Finanzierungen deutlich verringern, wobei für das kommende Jahr insgesamt eine Reduktion um 20 Prozent erwartet wird. Dazu kommen formale Änderungen wie eine weitere Verschärfung der Berichtspflichten, unter anderem was die Zusammensetzung der vergebenen Kredite angeht und die stärkere Beachtung noch nicht gezogener Kreditversprechungen

Die FSA geht davon aus, die internationale Wettbewerbsposition der City dadurch zu stärken, was vermutlich dringend notwendig ist. Immerhin hat die Insel mit 9,17 Billionen Dollar die zweithöchste Auslandsverschuldung der Welt und mit zuletzt rund 45 Mrd. USD Leistungsbilanzdefizit einen stetigen Finanzierungsbedarf an den internationalen Finanzmärkten. Das ist nicht nur ein sicheres Rezept für eine Pfundkrise, sondern dürfte dann auch das Bankensystem noch einigem Stress aussetzen. Ob britische Staatsanleihen in einem solchen Ernstfall aber ein brauchbares Sicherheitspolster darstellen, wird sich erst noch herausstellen müssen.