Aufrüstung in Lateinamerika

Venezuela kauft wegen der Einrichtung von US-Basen in Kolumbien in Russland Panzer und Luftabwehrraketen ein.

Nun zeigen sich alle überrascht und besorgt, dass Venezuela sich angesichts der Einrichtung von sieben US-Militärbasen in Kolumbien aufrüstet. So bedrohten die Waffenkäufe von Venezuela nach Ansicht des US-Außenministeriums die Stabilität in ganz Lateinamerika. "Wir fürchten ein Wettrüsten in der Region", sagte US-Außenamtssprecher Ian Kelly in Washington, weil die Regierung unter Hugo Chávez ein deutlich größeres Arsenal aufbaue als andere Länder in Südamerika.

Die Regierung in Caracas hat bestätigt, dass man von Russland 92 Panzer vom Typ T-72, mehrere Luftabwehrraketensysteme sowie Mehrfach-Raketenwerfer Smerch kaufen werde. Präsident Hugo Chávez erklärte: "Dank der Unterstützung des russischen Präsidenten (Dmitri Medwedew) und des Premierministers (Wladimir Putin) wurde der Kauf von Waffen möglich, um unsere Abwehrfähigkeit zu erhöhen." Zur Finanzierung werde Russland seinem Land 2,2 Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) leihen. Er betonte, die Waffen seien rein für die Verteidigung seines Landes bestimmt, das seit dem Angriff von Kolumbien auf ecuadorianischem Territorium mit dem Nachbar im Clinch liegt. Er hatte immer wieder davor gewarnt, dass die Kriegsgefahr in der Region steige, wenn Kolumbien den USA die Nutzung von weiteren sieben Militärstützpunkten gewähre.

Die kolumbianische Regierung unter Álvaro Uribe, der derzeit erneut eine Verfassungsänderung vorantreibt, um sich im Präsidentenamt zu verewigen, führt zum Teil auch absurdeste Vorwürfe gegen Chávez an. Ständig behauptet Kolumbien, ohne Beweise vorzulegen, Venezuela und Ecuador unterstützen die FARC-Rebellen in Kolumbien. Tatsächlich müssen wohl im Rahmen der tatsächlichen oder angeblichen Bekämpfung der Guerilla sowohl Ecuador als auch Venezuela damit rechnen, erneut Opfer bewaffneter Übergriffe durch Kolumbien zu werden. Dass Kolumbien die USA über die Militärbasen noch klarer ins eigene Boot setzt, verheißt nichts Gutes in diese Richtung.

Venezuela geht es darum, über die Luftabwehrraketen möglichen Militärschlägen vorzubeugen. "Die Realität hat uns die Risiken und Bedrohungen aufgezeigt und wir sind uns bewusst über sie geworden. Mit den neuen Raketen, wird es zum Beispiel sehr schwierig werden, dass ausländische Flugzeuge uns bombardieren, falls das jemandem einfallen sollte", sagte Chávez. Er erklärte, Venezuela werde niemanden angreifen. Tatsächlich sind in dem Dschungelgelände dazu die Panzer ungeeignet und die Luftabwehrraketen eignen sich dazu gleich gar nicht.

Fünf russische Energiekonzerne werden sich im Gegenzug an der Erschließung des Ölfelds "Junin 6" beteiligen. Sie hätten dafür schon knapp 700 Millionen Euro bezahlt, um sich an der Ausbeutung zu beteiligen. Das Gebiet im Bereich des Orinoko-Flusses gilt als eines der möglicherweise größten künftigen Fördergebiete für Erdöl. Geplant ist ein Joint Venture, an dem die russischen Firmen zu 40 % und die Venezolaner 60 % halten sollen.