Al-Jazeera will Mordvideos nicht zeigen

Der TV-Sender soll im Besitz von Filmaufnahmen sein, die der Attentäter von Toulouse bei seinen tödlichen Anschlägen angefertigt hat

Mit der Frage, ob der Sender die Filmaufnahmen möglicherweise veröffentlichen würde, spannte der TV-Sender aus Katar heute die Öffentlichkeit nicht nur in Frankreich auf die Folter. Aufmerksamkeit war garantiert. In Frankreich ist bekanntlich Wahlkampf, also sprachen die Kandidaten bereitwillig ins vorgehaltene Mikro, um auch diese Gelegenheit nicht auszulassen, sich moralisch tadellos zu präsentieren: Sarkozy forderte sicherheitshalber alle Medien generell dazu auf, das Video nicht zu zeigen, und François Hollande drohte mit rechtlichen Schritten gegen al-Jazeera in Frankreich, falls man in Katar den falschen Entschluss fasse.

Gestern abend hatte die französische Tageszeitung Le Parisien berichtet, dass der französischen Al-Jazeera-Niederlassung in Paris ein USB-Stick mit den berüchtigten Filmaufnahmen des mehrfachen Attentäters von Toulouse zugestellt worden war. Das Päckchen soll nach Angaben der Zeitung den Poststempel von vergangenen Mittwoch tragen, dem Tag, an dem die Belagerung der Wohnung Muhamed M.s begonnen hatte. Dass Muhamed M. das Päckchen abgesandt haben soll, gilt als eher unwahrscheinlich. Die Fragen nach dem Absender schließen sich an jene an, die vermuten, dass der von der Polizei erschossene Mörder doch Helfer hatte, gemeint ist damit nicht nur dessen Bruder.

Ob Al-Qaida für diese Fragen die richtige Adresse ist, bleibt jedoch auch ungewiss, obschon dem Päckchen ein Bekennerschreiben al-Qaidas beigelegt sein soll. Allerdings mit orthografischen Fehlern und falsch konjugierten Verben, was man, wie dies die Meldung von Le Monde anklingen lässt, irgendwie als nicht recht vereinbar mit der Autorschaft der echten al-Qaida versteht.

Am morgen hatte der Chef des französischen Al-Jazeera-Büros, Zied Tarrouche, etwas überraschend angekündigt, dass sich die Sender-Verantwortlichen in Katar zusammensetzen würden, um darüber zu beraten, ob die Filmaufnahmen veröffentlicht würden, womit er, wie eingangs dargestellt, sämtlichen Politikern die Gelegenheit gab, zu betonen, wie selbstverständlich ein Nein in der Frage ist. Zumal, wie Tarrouche schilderte, auf dem Video Schreie der Opfer, die tödlichen Schüsse und religiöse Musik und Vorträge zu sehen und zu hören sind - Dschihadisten-Propaganda, die die Opfer verhöhnt.

Dass das offizielle Nein des Senders zur Veröffentlichung erst am Nachmittag in die Öffentlichkeit kam, gehört auch zur Aufmerksamkeitspolitik.