Afghanischer Fünfjahresplan

Macht Karsai dem Westen berechtigte Hoffnung oder erzählt er nur, was alle hören wollen?

Afghanische Reaktionen kommen in der Berichterstattung westlicher Medien über die Amtsantrittsfeierlichkeiten Präsident Karsais so gut wie gar nicht vor, die geladenen Gäste aus dem Land sind bloße Staffage. Die erste Reihe zählt und das sind die Außenminister aus den westlichen Staaten. Wie die gestrige Amtsantrittsfeier des auf sehr umstrittene Weise gewählten und mit viel westlichem Pfusch bestätigten Präsidenten Karsai aus der Perspektive des Westens aussah, wird in einem Artikel der Londoner Times in meisterhafter Lakonie wiedergegeben: "Der afghanische Staatsführer erzählte den ausländischen Amtsträgern, die ihn besuchten, das, was sie hören wollten."

Karsai schwor stärker gegen die Korruption vorzugehen - Hillary Clinton dürfte an dieser Stelle schwer mit dem kopf genickt haben - und Karsai stellte einen Zeitplan für die Sicherheitspolitik vor mit zwei zitierfähigen Marken zum Mitschreiben: Innerhalb von drei Jahren sollen afghanische Sicherheitskräfte "militärische Operationen in vielen unsicheren Gebieten des Landes mit eigener Leitung und Mannschaft durchführen - mit Unterstützung durch die internationalen Kräfte. "In den nächsten fünf Jahren" würden die afghanischen Streitkräfte nach Worten Karsais dazu fähig sein die Führung zu übernehmen, wenn es um Sicherheit und Stabilität im ganzen Land geht.

Für die Times ein gutes Stichwort für einen Titel: "Hamid Karzai: foreign troops out of Afghanistan in five years". Für den neuen deutschen Außenminister Westerwelle, der eine schwere Panzerweste anziehen musste, war es eine "Rede mit den richtigen Schwerpunkten, die unsere Erwartungen erfüllt". Schon zuvor hatte es, wie gut informierte Kreise berichten, "recht konkret in der Delegation des deutschen Außenministers" geheißen, dass eine "Übernahmeverantwortung für Afghanistan" in fünf Jahren möglich sein solle. Bis 2013 will Westerwelle eine "klare Perspektive für den Abzug der derzeit 4500 deutschen Soldaten":

"Wir wollen in Afghanistan nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag bleiben, auf ewig und drei Tage."

So bleibt zumindest eine bemerkenswerte Beobachtung: Verteidigungsminister und Außenminister können wie aus einem Mund sprechen (siehe Der Verteidigungsminister hält die "Sankt-Nimmerleins-Haltung" für politisch nicht mehr tragbar).