so sehr ich auch den Ansatz begrüße, seinen Verstand einzusetzen, das Ergebnis, dass uns Herr Kisin präsentiert, ist ein einziges Zeugnis des Scheiterns dieses Bemühens.
Das fängt mit einer Gleichsetzung von in Geld gemessenem Wirtschaftswachstum mit "Wohlstand" an. Als wäre nicht gerade am Beispiel Russlands bekannt, dass es dort extrem reiche Menschen gibt, die sich Fußballklubs, Privatjets und gigantische Yachten leisten. Das kommt natürlich nicht nur in Russland vor, das gibt es auch in Indien, Lateinamerika usw..
Die Schlußfolgerung, die Wirtschaftsleistung müsse wachsen um Innentoiletten zu bauen - und so unweigerlich mehr CO2 Ausstoß produzieren - ist aus zwei Gründen verkehrt.
1. eine wachsende Wirtschaft führt gar nicht zwingend dazu, dass das verdiente Geld gleichermaßen allen Bürgern zugute kommt. Umgekehrt, die private Bereicherung basiert auf der Armut derjenigen, die diesen Reichtum produzieren. Anders gesagt, man könnte reichlich Innentoiletten bauen, wenn man auf die eine oder Yacht verzichten würde - ohne das ein einziges weiteres CO2 Molekül dafür notwendig wäre.
2. CO2 wird ja vorzugsweise bei der Verbrennung fossiler Energieträger freigesetzt. Dieselbe Energiemenge (die es für die Produktion von Toiletten braucht), lässt sich mit mehr oder weniger CO2 Ausstoß herstellen - es hängt von der verwendeten Technologie der Energieerzeugung ab. Aktuell wird ja deutlich mehr CO2 in D ausgestoßen, ohne dass deswegen ein einziges KW mehr Energie erzeugt wird. Wer aus politischen Gründen Braunkohle statt russischem Erdgas verfeuert, produziert mehr CO2, aber nicht mehr Energie.
Das Argument, "man" könne es den armen Menschen in Lateinamerika, Afrika oder Asien nicht verwehren einen ähnlich hohen Lebensstandard zu genießen, wie "wir" hierzulande, ist an Ignoranz kaum zu überbieten. Man kann, und macht das seit Anbeginn der Menschheit. Es ist nämlich gar keine Entscheidung, die "wir" hier treffen. Es gibt kein "wir" und die jungen Leute sind es garantiert nicht, die über die Produktion und die Verteilung des Reichtums entscheiden,