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  • KinzUndHunz

249 Beiträge seit 10.07.2018

Vom westlichen Umgang

Ich praktiziere seit ca.12 Jahren immer wieder gerne Achtsamkeitsmeditation, und ich tue dies auf eine sehr einfache und persönliche Weise nach einem Einführungsbuch mit Anleitungen, das ich irgendwo in einem Antiquariat aus Neugier mitgenommen habe. Die Grundprinzipen scheinen, soweit ich das sehe, in Buddhismus, Zen und Daoismus weitgehend die selben zu sein.

Der Autor spricht in seinem Artikel ein Thema an, das mich seither immer wieder beschäftigt: das Problem einer rein kompensatorischen Verwendung dieser Praktiken, die nur zum Ziel hat, in einem Alltag, der diesen Prinzipien diametral entgegensteht, wieder besser zu "funktionieren". Im Extremfall wird daraus ein lukratives Achtsamkeits- Business, das gestressten, burnoutgefährdeten Managern für teures Geld Wochenendseminare in ausgedienten Klöstern verkauft, damit sie mal für eine kurze Zeit normal (oder "sich sebst") sein können. Anstatt zu einer gesünderen Lebensweise zu führen, wird Meditation dazu verwendet, die "falsche" Lebensweise eines planmässig ungesunden Alltags besser zu ertragen - und zementiert diesen dadurch erst recht. Und das ist das Gegenteil von dem, was meines Erachtens ihr Sinn wäre.

Einen gewissen Konflikt von Achtsamkeitspraktiken und Alltag scheint es schon immer gegeben zu haben. Darauf deutet hin, dass Zen, Vipassana etc. seit jeher tendenziell in abgeschiedenen Gemeinschaften gepfegt wurden.

Der Gegensatz von Achtsamkeitspraxis und Alltag ist in einer modernen, von Uhren, Zeitplänen und Terminen dominierten Welt sicher noch grösser als in den früheren, (Reis-) bäuerlichen Gesellschaften, in denen sie ursprünglich entstanden. Dennoch, eine rein kompensatorische Verwendung, die den praktischen Alltag nicht berührt und verändert, verfehlt für mich im Endeffekt den Sinn und bringt die Gefahr mit sich, nur den Raubbau an sich selbst und anderen zu optimieren.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (22.08.2021 13:20).

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  • Avatar von Stephan Schleim
    • Stephan Schleim

    mehr als 1000 Beiträge seit 27.01.2005

    Natur vs. (Stress-) Kultur

    Antwort auf Vom westlichen Umgang von KinzUndHunz.

    Besser hätte man es auf einer (Bildschirm-) Seite kaum zusammenfassen können.

    In der früheren Gesellschaftsform, die Sie ansprechen, lebte man mehr mit den Zyklen der Natur. Da hatte man, je nach den Umständen, vielleicht auch Sorgen (Krankheiten, Hungersnöte), doch wohl eher nicht unseren Dauerstress (Termine, Leistung, Selbstoptimierung).

    Heute haben wir im Vergleich zu früher unglaublich viele technologische und medizinische Neuerungen; es scheint aber so, als hätten wir immer noch nicht gelernt, diese vor allem zum Wohle der Menschen einzusetzen.

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  • Avatar von blu_frisbee
    • blu_frisbee

    mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.2002

    Re: Kroneberg Buddha in der City

    Antwort auf Vom westlichen Umgang von KinzUndHunz.

    Kroneberg Buddha in der City
    https://www.beck-shop.de/kroneberg-buddha-city/product/16583005

    Die erste Version Buddha, Berlin Wilmersdorf enthielt im Anhang noch wichtige Lehrreden.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Janwillem_van_de_Wetering#Zen-Buddhismus

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (22.08.2021 19:25).

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  • Avatar von blu_frisbee
    • blu_frisbee

    mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.2002

    Re: Das stimmt so nicht

    Antwort auf Natur vs. (Stress-) Kultur von Stephan Schleim.

    Stephan Schleim schrieb am 22.08.2021 13:19:

    Besser hätte man es auf einer (Bildschirm-) Seite kaum zusammenfassen können.

    In der früheren Gesellschaftsform, die Sie ansprechen, lebte man mehr mit den Zyklen der Natur. Da hatte man, je nach den Umständen, vielleicht auch Sorgen (Krankheiten, Hungersnöte), doch wohl eher nicht unseren Dauerstress (Termine, Leistung, Selbstoptimierung).

    Das stimmt so nicht.
    Buddha lebte in der Achsenzeit des größeren soziologischen Umbruchs mit Entwicklung von Königreichen, Beamten, Soldaten, Kriegen, Fernhandel, Geldwesen, Städten,
    also mehr individuellen Optionen und die Frage ob es die richtigen sind.
    Sein Zielpublikum waren die gebildeten städtischen Schichten.

    Es mag nur von Heute aus so erscheinen als wäre das Leben damals idyllisch gewesen.
    Der vorherrschende Brahmanismus war explizit eine Dorfreligion (extra rurem nulla salus) und hatte keine Antworten auf das moderne Leben.

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  • Avatar von SoShy
    • SoShy

    mehr als 1000 Beiträge seit 01.09.2018

    Re: Vom westlichen Umgang +++

    Antwort auf Vom westlichen Umgang von KinzUndHunz.

    +++ Sehr schön, Danke.

    Einen gewissen Konflikt von Achtsamkeitspraktiken und Alltag scheint es schon immer gegeben zu haben. Darauf deutet hin, dass Zen, Vipassana etc. seit jeher tendenziell in abgeschiedenen Gemeinschaften gepfegt wurden.

    Der Gegensatz von Achtsamkeitspraxis und Alltag ist in einer modernen, von Uhren, Zeitplänen und Terminen dominierten Welt sicher noch grösser als in den früheren, (Reis-) bäuerlichen Gesellschaften, in denen sie ursprünglich entstanden. Dennoch, eine rein kompensatorische Verwendung, die den praktischen Alltag nicht berührt und verändert, verfehlt für mich im Endeffekt den Sinn und bringt die Gefahr mit sich, nur den Raubbau an sich selbst und anderen zu optimieren.

    Genau das hätte ich auch angesprochen hätte ich etwas kritisieren wollen.

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  • Avatar von flusskiesel
    • flusskiesel

    19 Beiträge seit 07.07.2019

    Antwort auf Vom westlichen Umgang von KinzUndHunz.

    Das passt gut zu dem im Artikel benutzten Bild mit der Badewanne:

    Rein kompensatorische Meditation, Achtsamkeit usw. kann das Problem ja auch verschlimmern, da der gestresste Mensch dadurch abgehalten wird, etwas an seiner Situation zu verbessern oder sich wenigstens Hilfe zu holen.

    Als jemand, der Burnout und Depression ganz gut kennt, weiß ich leider zu gut, wovon ich schreibe ...

    PS: Natürlich sind Meditation und Achtsamkeit genau wie Sport noch wesentliche weniger schlechte Kompensatoren als z.B. Drogenmissbrauch.

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