weil den meisten der mutwillig oder fahrlässig aneignenden Mitbürger Sensibilität und vor allem auch Fähigkeit und der Willen zur Selbstkritik fehlen. Es fängt schon damit an "Mama" statt "Mutter" zu sagen, geht weiter bei Konsum von Spaghetti oder Pizza und endet in schlimmeren Fällen mit deutschen Urlaubern die im Frankreichurlaub mit Baskenmütze und Baguette unterm Arm herumlaufen. Es scheint vielen ein deutliches Bedürfnis zu sein, die eigene, deutsche Haut abzustreifen und wenigstens für kurze Zeit in eine neue Identität hineinzuschlüpfen. Ein Identität die unbeschwerter und weniger geschichtsbelastet ist, die aber auch die Gefühle der Opfer dieser kulturellen Aneignung verletzt. Motiv der kulturellen Aneignung ist also oft die Flucht vor der notwendigen Selbstreflexion, der Mangel an Verantwortungsbereitschaft.
Wenn wir die notwendige Zeitenwende schaffen wollen, muss auch gerade beim Thema Selbstoptimierung viel mehr getan werden, notfalls auch mit Zwang. Die Einrichtung von Meldestellen für Akte der kulturellen Aneignung wäre ein guter Anfang, die Institutionalisierung von öffentlicher und regelmäßiger Selbstkritik ein weiterer Baustein für eine bessere Gesellschaft, die weniger schadet, mehr nutzt und vor allem Haltung zeigt.