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Re: Realpolitik vs Wunschdenken.

Bill Hicks schrieb am 17.03.2024 19:43:

Die aktuelle Situation ist doch so, dass die Ukraine nur in dieser misslichen Lage ist, weil außer Deutschland eigentlich kaum noch einer ernsthaft Material liefert. Dennoch kommen die Russen kaum vorran und die Verluste sind erschreckend.

Die Lieferungen gehen doch nicht nur von D aus. Aber D soll ja wieder "Führungsrolle" übernehmen. Das halte ich angesichts der aktuellen Situation für fatal.

Ich kenne die Ukrainer nicht gut genug um zu wissen, wie Land und Leute ticken. Vielleicht wollen sie Schluss machen mit dem Blutvergießen. Wieviele der Ukrainer sind geflohen, wieviele wollen zurück? Hat die Ukraine denn überhaupt eine Chance aus Sicht der Ukrainer? Solche Fragen stellen sich mir. Wenn am Ende nämlich alle, die Frieden wollen, längst geflohen sind oder aufgegeben haben, dann bleibt nicht mehr viel übrig außer den "ideologisch aufgeladenen Patrioten". Und die drehen den Krieg nicht mehr, Frieden wollen sie aber auch nicht.
Also ... wer ist übrig, dem was an der Ukraine als Nation, als Staat und als Gesellschaft liegt? Der möge doch vortreten und Verhandlungen führen.

Das wissen die Russen sicher auch. Also könnte ich mir folgendes Szenario vorstellen:
Nach der Wahl tritt Trump in direkte Verhandlungen mit Putin. Dabei einigt man sich auf einen Sonderstatus der Ukraine außerhalb der EU und NATO und außerhalb Russlands.
Die Russen ziehen ab und Blauhelme überwachen einen Friedensprozess, als Gegenleistung verspricht Trump, das man Russland nicht weiter über den Umweg der Ukraine wie in Afghanistan für die nächsten 20 Jahre ausbluten lässt... vielleicht macht man es aber auch so wie mit dem Saarland und Elsass-Lothringen: nach x Jahren wird nochmal über die Staatsangehörigkeit per Referendum abgestimmt.

Hier wird es kompliziert. Trump meinte mal, er könnte den Ukraine-Krieg in 24 Stunden beenden. Wie meinte er das? Man kann das in zwei Richtungen interpretieren: er kann den beiten Kriegsparteien etwas anbieten, den Krieg zu beenden - oder er wird mit seinen Atomwaffen drohen. Dann haben wir aber ein Problem.

Allerdings glaube ich auch, dass es OHNE die USA keine erfolgreiche (den Krieg beendende) Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau geben wird. Die Wahl wird also gewissermaßen "kriegsentscheidend" sein. Mit Biden wird das teure Engagement im Ukraine-Krieg verbunden: wenn er wiedergewählt werden will, muss er glaubhaft versichern, dass er die USA völlig rausnehmen möchte aus dem Konflikt. Wenn Trump gewählt werden will, muss er eigentlich nur drauf setzen, dass Biden genau das nicht gelingt. In der Bringschuld ist der aktuelle Präsident, nicht dessen Herausforderer.

Zunächst sind Europaparlamentswahlen. Da dürfte die Stimmung schon deutlich gekippt sein, was Brüssel es schwer machen wird, weiter auf Kriegskurs zu bleiben. In Frankreich will Macron Truppen bereitmachen, dabei sind drei von vier Franzosen gegen einen solchen Schritt. In Deutschland redet man davon, das Land in fünf Jahren kriegstauglich zu machen. Die Aussetzung der Wehrpflicht könnte in diesem Zusammenhang zurückgenommen werden. Zudem asoziieren viele Menschen mit dem Krieg vor allen Dingen Wirtschaftsniedergang und persönliche Wohlstandsverluste. Das mag Egoismus sein, oder auch nur der Selbsterhaltungstrieb: wenn es heute schon schlecht geht, wo stehen wir dann morgen?
Zustimmung gewinnt man anders. Und so dürfte es im Europaparlament sich als erstes zeigen, ob die Europäer eine Fortsetzung des Enagegements wünschen oder Friedensverhandlungen sehen wollen.

Und dann kommt eben erst die USA. Da wird es spannend. Wenn Biden gewinnen sollte und bis dahin das Engagement im Ukraine-Krieg nicht zurückgefahren wurde, muss er liefern wie angedeutet. Trump dagegen muss nichts dergleichen. Er kann auf Zeit spielen: bis zur Wahl ist er ja kein Präsident und wenn er Präsident wird, fallen ihm vielleicht die Früchte der verzweifelten Versuche seines Vorgängers, die Wahl noch zu retten, in den Schoß.

Wenn da keine Leben dran hingen, ist es interessant zu beobachten, wie so die westliche Politiklandschaft sich im Lichte einer Krise so verändert. Das wird mal im Geschichtsbuch landen.

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  1. - unbekannter Benutzer 67 Realpolitik vs Wunschdenken.
    1. Bill Hicks -20 Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
      1. Pearphidae -60 Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
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          1. Pearphidae -40 Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
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              1. Pearphidae   Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
      2. unbekannter Benutzer 40 Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
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        1. unbekannter Benutzer   Re: Nope
      4. Muellman   Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
        1. meckerpott   Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
    2. meckerpott   Re: Realpolitik vs Wunschdenken.
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