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  • Ignoramus-et-Ignorabimus

mehr als 1000 Beiträge seit 07.11.2017

Peak China

ob und wann die PRC Taiwan militärisch eingliedern will ist in der Tat eine Frage, die keiner wirklich beantworten kann. Sicher ist allerdings, dass die PRC die Vereinigung mit Taiwan als Staatsziel mit aufgenommen hat, und dabei Gewalt als Mittel nicht ausschliesst.

Allerdings gibt es dafür keinen kommunizierten Zeitrahmen, und die Vorhersagen bis wann das passieren könnte, richten sich mehr oder minder nach symbolischen Daten, etwa das 100-jährige Bestehen der PRC im Jahre 2049 o.ä.

Will man die Vereinigung auf friedlichem Wege erreichen, dann ist der Zeitrahmen bis 2049 durchaus nicht zu kurz, auch wenn die Symbolik auf Seiten Taiwans eher wenig Strahlkraft haben dürfte. Wie überhaupt die Neigungen in Taiwan zur Vereinigung mit der PRC von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung auf dem Festland abhängen werden. Niemand in Taiwan will unter der Kontrolle der CPC leben, auch nicht die KMT. Und das Modell der einen Nation mit 2 Systemen hat Xi's Politik gegenüber Hongkong nachhaltig diskreditiert.

Ebenfalls von Bedeutung ist die wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik. Es muss der CPC gelingen das Wohlstandsversprechen gegenüber der Bevölkerung einzulössen, um den eigenen Machterhalt zu sichern, aber auch um Stabilität zu erhalten. Wie schnell eine Situation selbst in einer hochkontrollierten Gesellschaft wie der Chinesischen kippen kann, haben die Proteste gegen Zero-Covid gezeigt. Eine wirtschaftlich angeschlagene, instabile PRC ist für Taiwan aber ebensowenig attraktiv.

Und die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik ist keineswegs als Erfolgsgeschichte in Stein gemeisselt. Die demographischen Entwicklung mit dem 4-2-1 Problem, sowie eine anhaltende Krise des Wachstumstreibers Infrastruktur und Immobilien könnten dazu führen, dass der PRC die günstigen Arbeitskräfte ausgehen, bevor in der Breite die Wertschöfpfung der Wirtschaft hoch genug ist, breiten Wohlstand zu generieren. Chine gets old, before it gets rich ist die griffige Formel für das Problem.

Es sind dann auch wohl diese Zweifel an der zukünftigen Entwicklung der PRC, und Zweifel an der Fähigkeit der CPC diese Probleme zu lösen, die Befürchtungen schüren, dass die Führung der PRC die gewaltsame Vereinigung mit Taiwan als Option ziehen könnte, bevor die Auswirkungen der Entwicklungsprobleme allzu deutlich zu Tage treten, oder auch einfach nur um von ihnen abzulenken, und die Bevölkerung bei der Stange zu halten.

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  • Avatar von marenghi
    • marenghi

    mehr als 1000 Beiträge seit 03.12.2020

    Antwort auf Peak China von Ignoramus-et-Ignorabimus.

    Aber auch bei einer guten wirtschaftl. Entwicklung könnte es sein, dass China Taiwan mit Gewalt zwingen muss:

    Wir würden uns ja auch nicht einer diktatorischen Schweiz unterwerfen wollen, nur weil dort der Wohlstand größer ist als bei uns.

    Bei dem Wohlstand Taiwans ist der Wille zur Demokratie und Menschenrechten schon größer als das Schielen auf noch mehr Wohlstand (was gar nicht gesagt ist, dass es den geben würde bei einer Vereinigung mit China).

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    • Ignoramus-et-Ignorabimus

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.11.2017

    Antwort auf Re: Peak China von marenghi.

    marenghi schrieb am 17.04.2023 12:52:

    Aber auch bei einer guten wirtschaftl. Entwicklung könnte es sein, dass China Taiwan mit Gewalt zwingen muss:

    ja, es ist ja auch durchaus so, dass diese One-China Idee in Taiwan auf dem eher absteigenden Ast ist. Getragen wurde die ja über viele Jahrzehnte von den Kadern der KMT, die vom Festland kamen. Die sind aber weggestorben, und es entwickelt sich sowas wie eine Gesamt-Taiwanesische Gesellschaft, für die One-China keine grosse Rolle mehr spielt, oder für einen Teil eben eine Art Folklore ist.

    Andererseits darf man aber auch den Chinesischen Pragmatismus nicht unterschätzen. Im Grunde können die Taiwanesen ja sehr gut mit dem Status Quo leben, und auch die wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Festland sind hoch. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man sich in Sachen Vereinigung da irgendwann auf eine Art Formelkompromiss einigt, der im Grunde alles beim alten lässt, dem Kind aber einen neuen Namen gibt.

    So etwas wurde ja auch schon in den 90ern mit dem Formelkompromiss zu One-China zwischen der KMT und der PRC versucht. Da hatte man sich prinzipiell auf das Konzept geeinigt, aber offen gelassen unter welcher Führung. Damit konnten dann beide Seiten leben.

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    • marenghi

    mehr als 1000 Beiträge seit 03.12.2020

    Antwort auf Re: Peak China von Ignoramus-et-Ignorabimus.

    Das klingt gut. Hoffen wir, dass es so kommt, und dass europ. Verantwortliche das Ihrige tun, um die Chancen daraauf zu verbessern.

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  • Avatar von J.Creutzfeld
    • J.Creutzfeld

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    Antwort auf Re: Peak China von Ignoramus-et-Ignorabimus.

    Ignoramus-et-Ignorabimus schrieb am 17.04.23 13:25:

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man sich in Sachen Vereinigung da irgendwann auf eine Art Formelkompromiss einigt, der im Grunde alles beim alten lässt, dem Kind aber einen neuen Namen gibt.

    Nö ich schätze, das hat China mit Hongkong gerade richtig vergeigt. Wieviel ein Versprechen auf relative Unabhängigkeit wert ist, weiß jetzt jeder.

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