Die Klimabewegten sind wohl etwas drauf reingefallen. Auf das jahrelange politische Gerede von der "Zukunft unserer Kinder" und der "nachhaltigen" Politik für die "zukünftigen Generationen".
Wie kommt man sonst dazu, den politischen Paten eines Wirtschaftswachstums, das sich bereits im Hier und Jetzt herzlich wenig um seine schädlichen Folgen für die Lebensumstände, Arbeits- und Umweltbedingungen schert, auf bessere Erfüllung "ihrer Hausaufgaben" verpflichten zu wollen, die sie so gar nicht kennen.
Auch die tatsächlichen klimapolitischen Maßnahmen sind mindestens dem Gesichtspunkt der Wirtschaftsverträglichkeit unterworfen, laufenden Geschäften sollen sie nicht schaden, im Idealfall bescheren neue Technolgien sogar einen profitablen nationalen Vorsprung in der globalen Geschäftskonkurrenz. Darauf sind die schrittweisen Transformationen angelegt, bei denen den Klimafreunden im Kapitalismus meistens nur ein "zu langsam" einfällt.
"Klimapolitische Trägheit", sagen die Aktivisten, die sie dann entsprechend mit aktionsreichem "Druck" "beschleunigen" möchten, als ob das Festkleben an Straßen oder vorsichtige Kartoffelbrei-Würfe auf unsere allerwertesten Kulturgüter das aufmerksame Publikum zur erwünschten Überzeugung beeindrucken müssten. - Im Forum reicht's gerade mal für eine Verurteilung als unbedingt bestrafungswürdige "Klima-Psychose", wobei das allerdings meist auch für sachlichere Erklärungen vorgesehen ist. "Wer nicht für uns ist ..."
Trotz ihrer demokratie-idealistischen Vorstellung, die von allen partikularen Verpflichtungen frei-gewählte Regierungspolitik "beeinflussen" zu können, - so idealistisch waren die FFF von Anfang an dann doch nicht, dass sie meinten, das öffentliche Vortragen ihrer Interessen würde schon genügen um Änderungen in der ignoranten Wachstumspolitik zu erreichen. Deshalb setzten sie zunächst auf das zusätzliche "Druckmittel" des Schulstreiks, um überhaupt erstmal auf sich aufmerksam zu machen. Ein legitimes demokratisches Mittel für die Anliegen einer sonst ignorierten Minderheit, könnte man denken.
Die "berechtigte Sorge" und vor allem die Beauftragung der Politik sich "mehr und schneller" um die Klimarettung zu kümmern wurde kameratauglich von der Politik genutzt - zum freundlichen Shake-Hands mit Greta in den Medien -, andererseits liessen unsere wertebasierten Baumumarmer:innen aus der Politik keine Gelegenheit aus, um auf rechtliche Verstöße gegen Schulpflicht zu verweisen und die medialen Vorbildfiguren des Klimaprotests zu diffamieren.
Bei Drohungen mit rechtlichen Konsequenzen bei fortgesetzten Störungen des Rechtsstaats wurde es meist belassen, weil es sicherlich mit einem politischen Imageverlust verbunden gewesen wäre die Jugendlichen zu inhaftieren.
Die Verstummung der störenden Klimaproteste durch "Corona" war der Politik sicher recht; umso mehr wird die Fortsetzung dieses leicht wachstums-kritischen Aktivismus nun in Bayern als "Gefährdung" eingestuft, zumal die nationalen Prioritäten mehr auf Kriegsunterstützung für die Ukraine und Veränderungen in den Energieabhängigkeiten gelegt werden. Mit der Botschaft "die Wirtschaftsnation hat jetzt wichtigere Probleme" wird das Klima für die Aktivisten ebenfalls rauer (gemacht).
In einem traditionell besonders rechtsgerichteten Bundesland wie Bayern, das sich - Demokratie hin oder her - gerne als Null-Toleranz Hüterin von Recht und Ordnung präsentierte, sich als politische Heimat für die rechtesten Ränder anbietet und immer wieder Image-Probleme mit Diktaturfreunden und rechten Netzwerken zu den Akten legen muss, haben die zukunftsbesorgten Klimaschützer so oder so schlechte Karten. Passende Rechtsmittel werden gemacht, journalistische Fragen nach Legitimität sind so de jure überflüssig.*
Die Aktivisten müssten sich schon in China festkleben, oder in Russland, dann wären sie wenigstens die wahrhaft unterdrückten Minderheitshelden, auch wenn das ihnen und "dem Klima" ebenfalls gar nichts nützen würde.
* Wie ich soeben sehe gibt's dazu einen neueren Artikel von C. Wangerin, nach dem die Rechtslage durch Klage dagegen wieder in der Schwebe hängt.