znirp44 schrieb am 26.02.2022 07:13:
Nach meinem aus (lange vor 2014) erhaltenen Erzählungen von Ukrainern und Russen fußenden Verständnis ist die Frage ob pro- oder antirussisch für die meisten irrelevant oder max. auf dem Niveau Preußen vs. Bayern oder Piefke vs. Ösi. Und natürlich gibt es immer und überall ein paar extreme Spinner.
Die Frage nach „entweder oder“ stellt sich schon bei viel größerem kulturellen Unterschied für die Betroffenen nicht und ist in deren Kontext oft sogar unverständlich (vgl. z.B. Turkogermane vs. Deutschtürke). Bei so naher Kultur, Sprache und so langer gemeinsamer Geschichte ist es wohl nahezu absurd anzunehmen, dass dies eine Rolle spielen würde. Am ehesten betrifft das wohl die junge Generation, die in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der all das nicht nur negiert wurde, sondern ihnen darüber hinaus ein russisches Feindbild eingetrichtert wurde.
Meiner Erfahrung nach (auch schon ein paar Jahre her) trifft obiges auf die übergroße Masse der in der Ukraine lebenden Bevölkerung zu. Allerdings gab es schon in den 1980er Jahren Elemente, die wir euphimistisch als "ultranational" bezeichnen. Da ich einige von denen, wenn auch nur kurz, kennenlernen durfte, erlaube ich mir diese als rassistisch, antisemitisch und zum Teil naziaffin zu bezeichnen. Das waren nicht nur die üblichen Dumpfbacken, sondern durchaus auch Vertreter der "Intelligenz". Aufgetreten sind sie vor allem im Westteil der Ukraine, aber auch vereinzelt in Kiew. (Übrigens sprachen einige von denen aus Lemberg den Bewohner östlich des Dnepr ab, überhaupt Ukrainer zu sein).