Wir haben offenbar eine Generation Führungskräfte bei EU, NATO (und Bundesregierung), die sich für allmächtig hält und keine Grenzen kennt. Die sich in einer Blase befindet, in der alles erlaubt und alles möglich ist.
Für die Arroganz im Umgang mit Russland in den letzten Monaten, für das selbstherrliche Gehabe der letzten Jahre - #Regimechange, wenn immer irgendwer nicht tat, was EU und NATO wollten - gibt es keinerlei Basis.
Libyien war eine Katastrophe, der Irak, Syrien. Afghanistan eine Kette von Katastrophen (aus NATO-Sicht). Frankreich hat gerade in Mali kapituliert, in deutschen Medien ist zu lesen, das habe "für den Bundeswehreinsatz keine Bedeutung". wtf????
Von der Vehemenz des russischen Angriffs ist man bei der NATO "überrascht, das habe niemand vorhersehen können." Die Bundeswehr bietet Unterstützung an - eine Fregatte und einen Kreuzer, "die man allerdings erst von einem Einsatz im Mittelmeer zurückbeordern müsste." Konnte ja keiner ahnen, dass Russland die Ukraine angreift, und man seine Truppen in Europa brauchen könnte.
Die größte, teuerste Militärmaschinerie in der Geschichte der Menschheit ist hilf- und ratlos, man ist nicht einmal vorbereitet auf die Ereignisse in der Ukraine.
Hat aber die Stirn gehabt, alle Vorschläge Russlands einfach vom Tisch zu wischen.
Der zweite Punkt ist, ist Russland (und China) durchaus akzeptable eigene Interessen haben. Als die USA eine russland-freundliche Regierung in Venezuela "im Vorgarten der USA" aushebeln wollten und dazu mal eben entschieden haben, die demokratisch gewählte Regierung ab zu setzen und eine eigenen Marionette zu installieren, da waren EU und Deutschland sofort dabei und haben geholfen, den russischen Einfluß im "Vorgarten Amerikas" zurück zu drängen.
Das mag nachvollziehbar sein. Aber warum ist es dann so schwer zu verstehen, dass Russland und China ebenfalls Bedenken haben, wenn USA und NATO zu nahe kommen?
Besonders bedauerlich ist, dass es keine Medien (mehr) gibt, die bereit und in der Lage, zwei Schritte zurück zu gehen, und aktuelle Entwicklungen in eine Perspektive zu setzen.
Zu überlegen und zu diskutieren, wie eine Weltarchitektur aussehen könnte, in der man sich gegenseitig wenigstens so weit respektiert, dass sich nicht die Kanonenrohre der Panzer beider Seiten an der Grenze berühren. In der man akzeptiert, dass die andere Seite berechtigte Interessen hat?
In der man akzeptiert, dass es gut ist, wenn die Vetomächte im Sicherheitsrat fast alle Anträge auf militärische Lösungen blockieren?
Eine Welt, in der man sich wenigstens so weit respektiert, dass es selbstverständlich ist, sich an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln, bevor man Panzer in Marsch setzt?
Solange EU und NATO der Ansicht sind, das einzige akzeptable Ergebnis von Verhandlungen mit Russland sei eine bedingungslose Kapitulation Putins, solange hat Putin keine andere Wahl, als den Damen und Herren Generälen und Kommissionspräsidententinnen mit militärischer Gewalt ein wenig Realitätssinn bei zu bringen.