"Paech war Vorsitzender der Jury des Europäischen Teils des inoffiziellen „Internationalen Tribunals über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien“. Zum Kosovo-Einsatz der NATO unter Beteiligung der Bundeswehr vertrat Paech den Standpunkt des einstimmigen „Richterspruchs“, es habe sich um eine Aggression gegen einen souveränen Staat gehandelt, der gegen Völkerrecht und Verfassung verstoßen habe. Die Folgen des Konflikts im Kosovo sei durch die NATO-Intervention außerdem noch verschlimmert worden. Auch die seiner Meinung nach während der Kriegshandlungen erfolgten Angriffe auf zivile Ziele seien Verbrechen gewesen, die vom Haager Tribunal hätten aufgegriffen werden müssen. Er kritisierte auch den Prozess gegen Milosevic als fragwürdig, etwa weil keine jugoslawischen Richter zugelassen seien und der Angeklagte keinen Zugang zu den Medien habe."
https://de.wikipedia.org/wiki/Norman_Paech#Kosovo-Krieg
"Politik und Medien ist es offensichtlich gelungen, die eigene Verantwortung der Nato für die Eskalation der Beziehungen zwischen ihr und Russland, die schließlich zum Krieg führen musste, aus der Öffentlichkeit zu halten.
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Die Lieferung schwerer Waffen mit einer umfangreichen Ausbildung der Soldaten am Gerät und die offensichtlichen elektronischen Hilfen der USA zur Identifizierung und Eliminierung ausgewählter Opfer und Kriegsmaterial (Schlachtschiffe) überschreitet eindeutig das Neutralitätsgebot im Krieg. Sie lassen sich als kollektive Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 Uno-Charta rechtfertigen, müssen aber dem Uno-Sicherheitsrat gemeldet werden.
Zudem ermöglichen sie Russland, militärisch zu reagieren und die Staaten anzugreifen. Das ist eine äußerst gefährliche Situation, vor der vielfach, aber bisher vergeblich gewarnt wird, weil sie in einen dritten Weltkrieg abgleiten kann. Ihren Plan, auch die Ukraine und Georgien als Protektorate in ihr Nato-Reservat einzugliedern, haben die Staaten nicht aufgegeben."
(aus dem Artikel hier)
Im Falle des Kosovo-Krieges "vergißt" Paech die jahrelange Vorgeschichte der Eroberungskriege der Serben gegen die anderen ehemaligen Teilrepubliken, inklusive der Belagerung von Sarajevo oder dem Massaker von Srebrenica. Die waren ihm offenbar nicht völkerrechtswidrig genug. Nein, die NATO ist der Übeltäter, sie hat keine zehn Jahre nach Beginn der Jugoslawienkriege die Serben ohne UNO-Mandat angegriffen. Das nur durch das Veto der Russen im Sicherheitsrat verhindert wurde, aber was interessiert das einen deutschen "Pazifisten".
Im Fall des Angriffskrieges der Russen auf die Ukraine erinnert der sich dagegen ganz genau an die Vorgeschichte, jedenfalls an die Teile, die die Schuld der Russen relativieren sollen. Die NATO hat die Ukrainer ausgerüstet und ausgebildet, das ist wahr - nachdem Rußland einen Teil der Ukraine annektiert und in zwei weiteren einen unerklärten Zermürbungskrieg gegen die Regierung in Kiev begonnen hatte. Aber klar, es ist immer nur die NATO, die eskaliert, und "irgendwie" muß man die Russen ja auch verstehen, die können ja praktisch gar nicht anders...
Beiden Fällen gemeinsam ist das Argument, daß das Eingreifen der NATO zum Schutz der Opfer der Aggression die Opferzahlen erhöht, weil es dem Aggressor gestattet, "militärisch zu reagieren". Soll das ein völkerrechtliches Argument sein? Wenn ja, ist es kompletter Blödsinn. Und in der Praxis haben weder die Serben noch die Russen irgendeine NATO gebraucht, um ihre Nachbarn anzugreifen. Niemand kann auch nur halbwegs seriös abschätzen, wieviele Opfer der Ukrainekrieg gefordert hätte, wenn Selenskij wie geplant in den ersten Kriegstagen ermordet und durch eine Russenkreatur wie Puschilin ersetzt worden wäre. Die voreilige Gratulation zum Sieg bei RIA Novosti zeigt eindeutig, daß die Russen von Anfang an die gesamte Ukraine erobern wollten. Daran gescheitert sind sie nicht allein durch die NATO, sondern vor allem durch ihre eigene Unfähigkeit, Überheblichkeit und Realitätsverweigerung.
Paechs Vorstellung, daß man in jedem Krieg dem Aggressor einfach nachgeben muß, um die Opferzahlen klein zu halten, macht ihn zu einem typischen "Pazifisten". Daß in so einer Welt das "Gesetz des Dschungels" herrschen und ständig jeder jeden überfallen würde, begreift er nicht. Ebensowenig sieht er, daß der Westen nach dem Überfall der Russen auf die Ukraine seine Position grundlegend revidiert hat und dort tatsächlich die eigenen Prinzipien verteidigt, und zwar nicht nur zum Selbstzweck, sondern weil es absolut unabsehbar ist, wohin es führen würde, wenn man weiter die Augen vor Rußlands größenwahnsinnigem Imperialismus verschließen würde.