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Avatar von serendipity (1)
  • serendipity (1)

989 Beiträge seit 24.09.2019

Für das deutsche Lithium-Interesse war der Putsch ein Total-Reinfall,

...deshalb ist die im Artikel geäußerte Vorstellung, die deutsche Regierung habe aus Interesse an bolivischem Lithium den Putsch gegen Morales begrüßt, seltsam.
Vermutlich hat sie sich mal wieder den USA gebeugt, jedenfalls konnte sie wegen dem bolivischen Lithium definitiv nicht froh darüber sein.

Es war nämlich genau umgekehrt:
Altmaier & Co hatten gerade mit der Morales-Regierung den deutschen Exklusiv-Zugriff auf das mit Abstand größte bolivische Lithiumvorkommen, den Uyuni-See, über die deutsche Firma ACI Systems fix und fertig ausgehandelt, ein Riesensatz für die deutsche E-Autoindustrie.
Morales hatte Wert darauf gelegt, dass Bolivien bei diesem Joint Venture nicht nur Rohstofflieferant, sondern auch an der Wertschöpfungskette beteiligt wäre, und in Bolivien damit geworben.

Einige der späteren Putschisten jedoch organisierten Protestbewegungen (Umwelt, Identity,...) gegen das deutsch-bolivische Projekt, und beschuldigten Morales, die Interessen der Einheimischen an die Deutschen zu verraten, sodass Morales dort Rückhalt in der indigenen Bevölkerung verlor (s. Proteste in Petosi).
Mit dem Rücken zur Wand stornierte Morales das Projekt kurzfristig, um den Putschisten Wind aus den Segeln zu nehmen, doch ein paar Tage später musste er dennoch fliehen.

Die Putsch-Regierung ernannte sofort Juan Carlos Zuleta, den größten Feind des deutsch-bolivischen Projekts, zum Leiter der bolivischen Lithiumgesellschaft und setzten damit einen Schlussstrich unter die deutschen Lithium-Ambitionen in Bolivien.

Es kann also nicht sein, dass die deutsche Regierung wegen ihrem Lithium-Interesse froh über den Putsch gewesen wäre.
Merke: Man sollte nicht immer alles unhinterfragt glauben, was in Artikeln des "Referenzmediums" Telepolis suggeriert wird.

PS:
Allerdings hat die Konrad-Adenauer-Stiftung den Putsch über ihre Filiale in Bolivien tatsächlich unterstützt mit der Begründung, transatlantische Beziehungen an Trump vorbei in Südamerika pflegen zu müssen.
Den Verlust des deutschen Lithium-Zugriffs hat die KAS dann ganz trocken als ungeplanten "Kollateralschaden" bezeichnet, diesen Eintrag aber später von ihrer Webseite gelöscht - kam wohl nicht so gut bei der deutschen Industrie an.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.03.2021 14:41).

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    • emil14

    mehr als 1000 Beiträge seit 24.05.2014

    Tatsache ist, daß die Bundesregierung umgehend den Putsch begrüßt hat

    Antwort auf Für das deutsche Lithium-Interesse war der Putsch ein Total-Reinfall, von serendipity (1).

    serendipity (1) schrieb am 09.03.2021 13:55:

    ...deshalb ist die im Artikel geäußerte Vorstellung, die deutsche Regierung habe aus Interesse an bolivischem Lithium den Putsch gegen Morales begrüßt, seltsam.
    Vermutlich hat sie sich mal wieder den USA gebeugt, jedenfalls konnte sie wegen dem bolivischen Lithium definitiv nicht froh darüber sein.

    Es war nämlich genau umgekehrt:
    Altmaier & Co hatten gerade mit der Morales-Regierung den deutschen Exklusiv-Zugriff auf das mit Abstand größte bolivische Lithiumvorkommen, den Uyuni-See, über die deutsche Firma ACI Systems fix und fertig ausgehandelt, ein Riesensatz für die deutsche E-Autoindustrie.
    Morales hatte Wert darauf gelegt, dass Bolivien bei diesem Joint Venture nicht nur Rohstofflieferant, sondern auch an der Wertschöpfungskette beteiligt wäre, und in Bolivien damit geworben.

    Einige der späteren Putschisten jedoch organisierten Protestbewegungen (Umwelt, Identity,...) gegen das deutsch-bolivische Projekt, und beschuldigten Morales, die Interessen der Einheimischen an die Deutschen zu verraten, sodass Morales dort Rückhalt in der indigenen Bevölkerung verlor (s. Proteste in Petosi).
    Mit dem Rücken zur Wand stornierte Morales das Projekt kurzfristig, um den Putschisten Wind aus den Segeln zu nehmen, doch ein paar Tage später musste er dennoch fliehen.

    Die Putsch-Regierung ernannte sofort Juan Carlos Zuleta, den größten Feind des deutsch-bolivischen Projekts, zum Leiter der bolivischen Lithiumgesellschaft und setzten damit einen Schlussstrich unter die deutschen Lithium-Ambitionen in Bolivien.

    Es kann also nicht sein, dass die deutsche Regierung wegen ihrem Lithium-Interesse froh über den Putsch gewesen wäre.
    Merke: Man sollte nicht immer alles unhinterfragt glauben, was in Artikeln des "Referenzmediums" Telepolis suggeriert wird.

    PS:
    Allerdings hat die Konrad-Adenauer-Stiftung den Putsch über ihre Filiale in Bolivien tatsächlich unterstützt mit der Begründung, transatlantische Beziehungen an Trump vorbei in Südamerika pflegen zu müssen.
    Den Verlust des deutschen Lithium-Zugriffs hat die KAS dann ganz trocken als ungeplanten "Kollateralschaden" bezeichnet, diesen Eintrag aber später von ihrer Webseite gelöscht - kam wohl nicht so gut bei der deutschen Industrie an.

    Danke für die ausführliche und bei Altmaier & Co + ACI Systems nachlesbare Geschichte.
    Allerdings war die Beratung der Deutschen Ingenieure wertfrei, d.h. ein bestimmter (deutscher) Verwerter war NICHT präjudiziert und Bolivien in der Verarbeitungskette voll mit einbezogen.
    Daher wohl die Putschisten unterstützende Haltung der Bundesregierung und Teilen der Grünen bzw. Linken.

    Auch die Bundesregierung sowie Teile der Opposition hatten sich im vergangenen Jahr offen auf die Seite der bolivianischen Putschisten geschlagen. Unmittelbar nach Morales' Sturz behauptete Regierungssprecher Steffen Seibert, dieser sei ein "wichtiger Schritt hin zu einer friedlichen Lösung". Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, erklärte, "das Militär" habe "die richtige Entscheidung getroffen, sich auf die Seite der Demonstrierenden zu stellen"

    https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8102/

    Allerdings konnte man davon ausgehen, dass geradie die Wertarbeit der Deutschen Berater ein Grundvertrauen von Morales für deutsche Firmen gestärkt hatte.
    Was sich wohl bei dem Nachfolger Luis Arce so schnell nicht wieder herstellen lässt.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.03.2021 16:05).

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    • serendipity (1)

    989 Beiträge seit 24.09.2019

    Tja, als US-Vasall hat man solche Pflichten

    Antwort auf Tatsache ist, daß die Bundesregierung umgehend den Putsch begrüßt hat von emil14.

    .... und dazu gehört nun mal die obligatorische Lobpreisung oder zumindest formale Zustimmung, wenn der Hegemon sich ein wehrloses Land zu krallen versucht.

    Damit möchte ich nichts entschuldigen, was die deutsche Regierung tat und tut, denn das ist ja immer wieder abscheulich.
    Aber zwischen der verbalen "Anerkennung" der "Interimsregierung" Boliviens (wie zuvor des "Interimspräsidenten" Venezuelas) einerseits und andererseits einer vorherigen substantiellen Putsch-Unterstützung in Bolivien durch die deutsche Regierung sehe ich einen Unterschied.
    Die prompte "Anerkennung" könnte aus Gehorsam zu den USA als nötig erachtet worden sein, zumal die deutsche Regierung zu diesem Zeitpunkt am bolivischen Putsch, der seit Jahren in den USA vorbereitet worden war (s. Ausbildung von Führungskräften des Militärs und der Polizei Boliviens in den USA), nichts mehr hätte ändern können.

    Ich denke, wenn die deutsche Regierung den Putsch in Bolivien tatsächlich substantiell gefördert hätte, d. h. wenn sie planmäßig wesentlich zu seinem späteren Gelingen beigetragen hätte (wie beim Maidan in Kiew), dann macht ihre gleichzeitige elaborierte Förderung des Lithium-Projekts mit Morales keinen Sinn, denn es war ja bekannt, dass die Putschisten das Joint Venture mit Deutschland absägen wollten.
    Auch der Lithium-Papst und Putsch-Unterstützer Zuleta hatte aus seiner Feindschaft zum deutschen Projekt ja kein Geheimnis gemacht, sondern seine Ablehnung stets auch auf Englisch getwittert, damit sie dem Ausland nicht entginge.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.03.2021 17:20).

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    • Pharo Smalltalker

    506 Beiträge seit 07.03.2021

    Antwort auf Für das deutsche Lithium-Interesse war der Putsch ein Total-Reinfall, von serendipity (1).

    Ja, so war das. Mit ein Grund, warum ich mit Briten und Amis nix mehr zu tun haben will. Ich kaufe auch deren Produkte deswegen nicht mehr.

    Diese Geldfresser haben einfach keinerlei Hemmungen, insbesondere sogar relativ gut funktionierende "sozialistische" Staaten (ist deren Land, können die doch frei entscheiden, welche Regierungsform die haben wollen!) zu destabilisieren oder gar umzustürzen, ausländische Politiker zu korrumpieren. Ziel ist es, der US/UK Geldelite Zugang zu den Ressourcen dIeser Staaten zu verschaffen, und das - völlig hemmungslos - mit allen Mitteln. Siehe aktuell Venezuela. Die sitzen auf Ölreserven im Wert von aktuell 18 Billionen Dollar, 300 Mrd. Barrel, an das die ran wollen. Und die werden immer dreister, diese Geldsäcke!

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  • Avatar von VernunftIstKeineHexerei
    • VernunftIstKeineHexerei

    mehr als 1000 Beiträge seit 27.04.2016

    Antwort auf Tatsache ist, daß die Bundesregierung umgehend den Putsch begrüßt hat von emil14.

    Du siehst zu schwarz (pun intended):

    https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/lithium-abbau-in-bolivien-hoffnung-fuer-aci-systems-aus-zimmern-100.html

    Bin aber zugegeben nicht auf einem aktuellen Stand.

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    • Emma Peel

    mehr als 1000 Beiträge seit 21.03.2016

    Antwort auf Re: Für das deutsche Lithium-Interesse war der Putsch ein Total-Reinfall, von Pharo Smalltalker.

    Pharo Smalltalker schrieb am 10.03.2021 15:34:

    Ja, so war das. Mit ein Grund, warum ich mit Briten und Amis nix mehr zu tun haben will. Ich kaufe auch deren Produkte deswegen nicht mehr.

    Diese Geldfresser haben einfach keinerlei Hemmungen, insbesondere sogar relativ gut funktionierende "sozialistische" Staaten (ist deren Land, können die doch frei entscheiden, welche Regierungsform die haben wollen!) zu destabilisieren oder gar umzustürzen, ausländische Politiker zu korrumpieren. Ziel ist es, der US/UK Geldelite Zugang zu den Ressourcen dIeser Staaten zu verschaffen, und das - völlig hemmungslos - mit allen Mitteln. Siehe aktuell Venezuela. Die sitzen auf Ölreserven im Wert von aktuell 18 Billionen Dollar, 300 Mrd. Barrel, an das die ran wollen. Und die werden immer dreister, diese Geldsäcke!

    Es gab mal so einen kurzen Moment im Irakkrieg, da wurde mir genau dies klar. Da verkündeten die Nachrichten morgens, dass die Amerikaner und Briten die Aufhebung des UN-Verkaufsembargos für irakisches Öl gefordert hatten. Russen, Deutsche, Franzosen und Chinesen votieren dagegen.

    Und da dachte ich, war das vor einem halben oder einem viertel Jahr nicht genau umgekehrt. Briten und US-Amerikaner waren für das Embargo und die Deutschen insbesondere der Deutsche UN-Mitarbeiter, aber auch andere forderten die Möglichkeit für den Irak wieder Einnahmen zu erzielen. Da starben hunderttausende irakische Kinder. Madleine Albright hat sich ja dazu bekannt.

    Aber das waren nur ein oder zwei Tage dann waren Franzosen und Deutsche wieder auf Linie. Es ging also nur ums Öl.

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