Seit 1990, der Wiedervereinigung, kann man die veränderte Rolle der Gewerkschaften deutlich erkennen. Mit den runden Tischen für Arbeit, hat man sich auf defensives Besitzstand wahren für die noch festangestellten Kollegen beschränkt, und eine Kapitalkonforme "Solidarität" organisiert. Damit war es nur ein kleiner Schritt zu H4 und Armutsrenten, und dieselbe Logik wird seit 1990 wieder und wieder zur Anwendung gebracht.
Die Kunst daran ist, einige Kapitalisten-Mythen im Grundsatz nicht anzugreifen, quasi zu bestätigen, aber diverse Ausnahmen, wenn es denn dem Kapital nützt, nicht zu thematisieren und anzugreifen.
1. Mär - Wenn wir alle ordentlich anpacken, gehts allen besser. - Ist ja im Prinzip auch nicht verkehrt, in einem bestimmten Setting, nur gilt das eben nicht immer. In einer Überproduktionskrise, die den Konsum-Kapitalismus in Schwierigkeiten bringt, schafft das genau das Gegenteil. Es gibt schon zu viel Zeugs, gemessen an der Kaufkraft der Nachfrager, und die Zeugs-Produzenten, also Arbeiter senken freiwillig nochmal ihre Kaufkraft durch Lohnverzicht - das ist eine Abwärtsspirale.
2. Mär - Subventionen sind allgemein finanzierte Hilfen, um Innovationen und Arbeitsplatzsicherheit zu produzieren. Das kann ja gelegentlich sogar mal so gewesen sein, nur kombiniert mit weiter bestehender freier Verfügung von Kapital, also ohne klare Vorgaben, was mit dem Eigenkapital und den Subventionen gemacht werden soll, lädt es zur Gewinnmaximierung und leistungslosen Mitnahme-Effekten ein, und schafft damit mittel- und langfristig genau das Gegenteil. Wenn man von kapitalistisch orientierten Unternehmungen, in einem kapitalistisch orientierten System, den Druck weg nimmt, nach kapitalistischen Prinzipien zu arbeiten und sich zu finanzieren, indem man immer höhere Anteile ihres Umsatzes subventioniert, verliert man den einzigen Vorzug, den diese kapitalistische System jemals hatte, Innovation und Effizienzsteigerung. Und damit schädigt man natürlich seinen eigenen Standort, seine Produktivität, und das auch noch durch hohe Kosten für die Allgemeinheit - einen größeren Unsinn kann es kaum geben.
Fiel mir so auf die schnelle zum Thema ein. Natürlich gibts ne Menge weiterer Aspekte - aber frei nach Adorno, es kann nichts richtiges im falschen geben. Wenn man versucht mit einem im Grunde egoistischem, unsolidarischem Prinzip, solidarisch und sozial zu sein, wird am Ende immer Perverses bei raus kommen. Die soziale Marktwirtschaft, oder der Rheinische Kapitalismus, hat das Jahrzehnte versucht, indem er die Wirtschaft, und damit das Gesellschaftswesen 3-geteilt hat. 1/3 Staatlich organisierte Grundversorgung, 1/3 Genossenschaft, und 1/3 Privatwirtschaft. Ob das so auf Dauer weiter hätte funktionieren können, ohne Eigentum-Maximal-Begrenzung, ist fraglich. Aber eins ist klar, bis in die frühen 80er hat das ganz passabel auch für die Mehrheit im Westen funktioniert. Aber im heutigen, globalen Setting wäre das schon sehr fraglich. Aber ein hardcore Kapitalismus für den kleinen Mann, und KMUs, die jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen, während man für global aktive Aktien-Konzerne, Banken, Hedgefonds, etc. einen subventionierten Schutzschirm nach dem anderen errichtet, wird weder der Innovationskraft noch der langfristigen Sicherheit und Überleben der großen Mehrheit sichern helfen, wenn der Hauptzweck dieser ganzen Aktionen, weiterhin die unbegrenzte Maximierung von Privateigentum einiger weniger bleibt.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.06.2021 16:13).