MarGei schrieb am 03.03.2023 15:00:
Wenn man wirklich Frieden in der Ukraine wollte, würde man parallel zur westlichen Bewaffnung auch massivst politischen Druck auf Russland und deren Freunde ausüben um zu einen Verhandlungsfrieden zu kommen, das beinhaltet aber auch zugeständnisse von beiden seiten.
DAS ist mal eine der hier seltenen Einstellungen, die ich als halbwegs neutral anerkennen kann, da Sie beide Seiten in die Pflicht nehmen, auch wenn Sie dabei einige wichtige Fakten einfach beiseite schieben.
Auf welcher Seite ich persönlich stehe, ist unschwer zu erkennen. Dabei sehe ich die Ukrainer keineswegs nur als 'Heilige'. Natürlich hatten sie damals, als sie sich dazu entschlossen Teil der EU werden zu wollen, Fehler gemacht, die ihnen nun auf die Füße gefallen sind. Einer war, sich nicht mit der Frage zu beschäftigen, wie die 17% ethnischen Russen in der Bevölkerung auf diesen Wandel reagieren werden.
Hätte Juschtenko nach seiner Wahl nicht einfach naiv nur das Wahlergebnis als mehrheitlichen Wunsch für einen Beitritt in die EU angenommen, sondern mit Umfragen etwas genauer in die Bvölkerung getastet, lägen heute belastbare Zahlen vor, wie die russischstämmigen, in der Ukraine geborenen und lebenden Russen einen solchen Beitritt beurteilen. Diese Ergebnisse könnte man mit denen der späteren Scheinreferenden vergleichen.
Andererseits war diese Situation für die Ukraine genauso neu, wie für uns die Corona-Pandemie. Keiner wusste anfangs, welche Maßnahmen nötig sind und welche unsinnig. In gleicher Weise tastete sich die Ukraine langsam vor in einer Gefahrensituation, derer sie sich sehr wohl bewusst war, jedoch nicht wissen konnte, wie genau sich das 'Putin-Virus' entwickeln würde. Da in jeder Situation die richtige Maßnahme zu treffen, ist nahezu unmöglich.
Vermutlich ging man davon aus, der Seitenwechsel würde sich genauso friedlich vollziehen wie der von Estland und Lettland, die beide ja auch eine direkte Grenze zu Russland haben. Wenn das damals kein Problem war - und ist - wieso sollte so etwas plötzlich zu einem Problem werden?