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mehr als 1000 Beiträge seit 14.06.2016

Vielleicht mal die gesellschaftlichen Erwartungen zurückschrauben

Kein Wunder, dass sich die Pflegekräfte überfordert fühlen. Auf den Pflegekräften lasten unerträgliche gesellschaftliche Erwartungen, und es sind vor allem diese realitätsfernen gesellschaftlichen Erwartungen, durch die die Pflegekräfte reihenweise in den Burnout getrieben werden.

Es ist menschenverachtend, dass die Gesellschaft von bestimmten Berufsgruppen Selbstaufopferung einfordert, um irgendwelchen realitätsfernen Idealen gerecht zu werden.

Jeder scheint zu glauben, er oder sie habe ein Recht darauf, jederzeit Zugang zu allen wünschenswerten medizinischen Behandlungen zu erhalten, die dann notfalls von Ärzten und Pflegekräften unter Missachtung ihrer eigenen Gesundheit geliefert werden müssen.

Die Gesellschaft sollte einfach mal ihre völlig unrealistische Erwartungshaltung korrigieren. Die Menschenwürde ist unantastbar, aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen. Kein Mensch sollte ein Recht darauf haben, unzumutbare Erwartungen an andere zu stellen, um die Wahrscheinlichkeit seines eigenen Überlebens zu maximieren.

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    • Fictology

    mehr als 1000 Beiträge seit 27.12.2010

    Antwort auf Vielleicht mal die gesellschaftlichen Erwartungen zurückschrauben von Populist.

    Du scheinst es für zwingend zu halten, dass Pflegekräfte sich bei der Arbeit für die Gesundheit Anderer opfern müssen.

    Wenn man etwas zurückdrehen sollte, wäre das eher die Abwärtsspirale, die bewusst in Gang gesetzt und nun überdreht wurde.

    Zu Arbeitsbedingungen, wie sie vor wenigen Jahrzehnten noch selbstverständlich waren, wäre es mittelfristig völlig unproblematisch, wieder Personal zu finden.
    Die Leute wollen eben nicht täglich in den Krieg ziehen und die Situation hat sich inzwischen soweit herumgesprochen, dass Nachwuchs ausbleibt.

    Dass man seine Krankheiten behandeln lassen will, ist nichts Böses, dafür gibt es das Gesundheitssystem. Menschenopfer sind dazu nicht nötig.

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    mehr als 1000 Beiträge seit 14.06.2016

    Nicht erwarten, dass Pflegekräfte unzureichende Rahmenbedingungen kompensieren

    Antwort auf Re: Vielleicht mal die gesellschaftlichen Erwartungen zurückschrauben von Fictology.

    Fictology schrieb am 06.04.2021 19:59:

    Du scheinst es für zwingend zu halten, dass Pflegekräfte sich bei der Arbeit für die Gesundheit Anderer opfern müssen.

    Du wechselst das Thema.

    Meine Frage ist: Darf die Gesellschaft erwarten, dass Pflegekräfte unzureichende Rahmenbedingungen kompensieren?

    Und meine Antwort ist: Nein, die Gesellschaft darf nicht erwarten, dass Pflegekräfte unzureichende Rahmenbedingungen kompensieren.

    Wenn man etwas zurückdrehen sollte, wäre das eher die Abwärtsspirale, die bewusst in Gang gesetzt und nun überdreht wurde.

    Sehe ich anders als Du. Es wurde nichts bewusst in Gang gesetzt. Es gab eine Kostenexplosion verursacht durch eine unaufhörliche Ausweitung des Leistungsumfangs. Zunächst hat man darauf jahrzehntelang mit fortlaufender Erhöhung der Versicherungsbeiträge reagiert, bis man diesbezüglich in den 1990er Jahren an Akzeptanzgrenzen stieß. Dann hat man versucht, die Produktivität zu steigern. An das eigentliche Problem der unaufhörlichen Ausweitung des Leistungsumfangs hat man sich bis heute nicht herangetraut.

    Dass man seine Krankheiten behandeln lassen will, ist nichts Böses, dafür gibt es das Gesundheitssystem. Menschenopfer sind dazu nicht nötig.

    Das System hat Grenzen. Jeder weiß das. Niemand darf erwarten, dass die Grenzen des Systems auf Kosten der Pflegekräfte oder anderer Menschen kompensiert werden. Es gibt kein Recht auf grenzenlose Gesunheitsfürsorge geben. Die Menschen sollten sich generell wieder an den Gedanken gewöhnen, dass auch der Schutz von Leben und Gesundheit Grenzen hat.

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