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Avatar von Naturzucker
  • Naturzucker

mehr als 1000 Beiträge seit 06.03.2012

Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend

Keine Frage, Mietwucher ist zu verurteilen. Und Wohnraum darf kein Spekulationsobjekt sein. Auch ok.

Aber wer meint, er könne unabhängig von der Ausstattung und dem Zustand von Wohnraum die Preise diktieren, der hat den Bezug zur Realität verloren.

Die Realität sieht nun einmal so aus, dass Herstellungs- und Instandhaltungskosten von Wohnraum Jahr für Jahr deutlich stärker steigen als die zusammengelogene Teuerungsrate. Rein zufällig liegt der Baukostenpreisindex viel näher an der Inflationsrate, die sich durch das Wachstum der Geldmenge - Wachstum des BIP definiert. In der Praxis steigen die Baukosten Jahr für Jahr nun einmal im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich. In einem früheren Beitrag (müsste ich mal raussuchen) hatte ich dargelegt, dass die Mieten im Mittel in den letzten Jahrzehnten nicht stärker gestiegen sind als der Baukostenpreisindex. Die Netto-Löhne sind aber zurückgeblieben.

Ein weiterer Preistreiber sind die Nebenkosten, die ja gerade zum Jahresanfang durch die EInführung der CO2 Abgabe einmal mehr drastisch verteuert wurden.

Und dann kommt die künstliche Verknappung des Angebots dazu, hervorgerufen durch eine von der Politik betriebene bzw. befeuerte Zentralisierung von Infrastruktur und Arbeitsplätzen. Sowie durch die Aufgabe des sozialen Wohnungsbaus und die Verschleuderung von staatlichem Wohneigentum. Und nicht zuletzt durch einen politisch gewollten Zuzug von Millionen von Neubürgern.

Kurzum, die jetzige Situation ist eine Folge politischer Fehlentscheidungen verschiedener Parteien. Da kann, angefangen von SPD über Grüne und FDP bis hin zu CDU und CSU sich niemand rausreden. Auch nicht die Linke.

Der Versuch, die Kosten der Fehler der Politik einzig den Vermietern zuzuschieben, war rein populistisch motiviert. Und ist erwartungsgemäß vor dem Bundesverfassungsgericht nun gescheitert.

Sässen in Berlin keine Traumtänzer an der Regierung, dann hätte ihnen das von vorne herein klar sein müssen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.04.2021 08:12).

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  • Avatar von so_ist_es
    • so_ist_es

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.2005

    Das Problem ist die ungleiche Vermögensverteilung

    Antwort auf Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend von Naturzucker.

    Und das rare und dadurch teure Bauland hat es nicht verbessert.

    Wenn sich mehr Leute Bauland oder zu renovierende Häuser oder Wohnungen kaufen könnte, wäre das Problem gar nicht da.

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  • Avatar von Henko
    • Henko

    mehr als 1000 Beiträge seit 24.03.2013

    Antwort auf Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend von Naturzucker.

    Und Wohnraum darf kein Spekulationsobjekt sein. Auch ok.

    Warum nicht? Kann zwar temporär nicht gut wirken, sorgt aber mittelfristig für eine massive Steigerung des Angebotes, da viel in Neubau investiert wurde und dieses Angebot ja früher oder später, auch von Spekulaten, verwertet werden muss.

    Vollkommen kontrakproduktiv ist dagegen natürlich eine künstliche Vorschrift über die Mietpreise, was jede Investor bzgl. Neubau und Modernisierung abhält.

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  • Avatar von Rimaan
    • Rimaan

    69 Beiträge seit 07.06.2020

    Antwort auf Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend von Naturzucker.

    Gut dann macht mann die Miete doch einfach von den Unterhaltskosten der Miete abhaengig, mit gewissen abschreibungen fuer Investitionen in die Wohnung. Dann ist es nicht mehr die totale Willkuer wie jetzt.

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  • Avatar von DJ Holzbank
    • DJ Holzbank

    mehr als 1000 Beiträge seit 03.09.2011

    Re:

    Antwort auf Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend von Naturzucker.

    Naturzucker schrieb am 17.04.2021 08:11:

    Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend
    Keine Frage, Mietwucher ist zu verurteilen. Und Wohnraum darf kein Spekulationsobjekt sein. Auch ok.

    Aber wer meint, er könne unabhängig von der Ausstattung und dem Zustand von Wohnraum die Preise diktieren, der hat den Bezug zur Realität verloren.

    Die Realität sieht nun einmal so aus, dass Herstellungs- und Instandhaltungskosten von Wohnraum Jahr für Jahr deutlich stärker steigen als die zusammengelogene Teuerungsrate.
    und weiteres blah bla blah

    Ich wohne seit 20 Jahren in einem privaten Mietshaus im östlichen Teil der Berliner Innenstadt.
    Von "Instandhaltungen" habe ich in diesen Jahren nichts mitbekommen, außer einem ausgetauschten Stück Fallrohr irgendwann 2013.
    Zwischen 2001 und 2011 ist die Miete - selbstverständlich die Kaltmiete; die Nebenkosten ändern sich ja ohnehin jedes Jahr - einmal erhöht worden. 2011 gab's einen Eigentümerwechsel und die Mietpreisbremse, die bis dahin galt, weil das Haus in einem Sanierungsgebiet lag (die Vermieter bekamen vom Senat billige Kredite zur Sanierung und durften deshalb für eine zeitlang die Mieten nicht so kräftig erhöhen), lief aus.
    Seitdem 3 Mieterhöhungen, von denen eine per Gericht durchgesetzt wurde, weil ich der Erhöhung nicht zustimmen wollte.
    Wie's weitergeht kann ich mir denken und ziehe deshalb demnächst weg aus Berlin.

    Und Sie überlegen sich mal besser, wer hier "den Bezug zur Realität" verloren hat.

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  • Avatar von DasWoelfchen
    • DasWoelfchen

    mehr als 1000 Beiträge seit 21.01.2003

    Antwort auf Das Rechtsverständnis mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch erschreckend von Naturzucker.

    Naturzucker schrieb am 17.04.2021 08:11:

    Keine Frage, Mietwucher ist zu verurteilen. Und Wohnraum darf kein Spekulationsobjekt sein. Auch ok.

    Aber wer meint, er könne unabhängig von der Ausstattung und dem Zustand von Wohnraum die Preise diktieren, der hat den Bezug zur Realität verloren.

    Die Realität sieht nun einmal so aus, dass Herstellungs- und Instandhaltungskosten von Wohnraum Jahr für Jahr deutlich stärker steigen als die zusammengelogene Teuerungsrate. Rein zufällig liegt der Baukostenpreisindex viel näher an der Inflationsrate, die sich durch das Wachstum der Geldmenge - Wachstum des BIP definiert. In der Praxis steigen die Baukosten Jahr für Jahr nun einmal im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich.

    So weit so gut analysiert - aber was lässt sich aus dieser richtigen Beobachtung schließen?
    Hier bist Du mit deiner Ursachenanalyse meiner Meinung nach stehen geblieben, statt den entscheidenden letzten Schritt noch mit zugehen:
    Die Geldmengenvermehrung durch die EZB seit der Bankenkrise führt zu einer verstärkten Nachfrage nach rentablen Anlagemöglichkeiten bei den Nutznießern dieser Geldvermehrung. Das führt zu einem ungeahnten Höhenflug an den Börsen, aber auch zur allseits bekannten Flucht in Sachwerte - z.B. in die als Betongold titulierten Immobilien.

    Diese verstärkte Nachfrage führt zu stark steigenden Preisen bei Baugrundstücken aber auch bei den Kosten für den Neu- und Umbau.
    Im Zuge dieser Nachfrageschwemme kommt es zu verschiedenen Seiteneffekten:
    1. es werden Mietwohnungen in Eigentumswohnungen verwandelt, was zu ener Verknappung des Angebots an (günstigen) Mietwohnungen führt;
    2. es werden günstige Mietwohnungen in Altbauten von Grund auf saniert mit dem Ziel deutlich höhere Mieten zu realisieren;
    3. es werden neue Wohnungen gebaut, für die aufgrund der höheren Baukosten nun auch deutlich höhere Mieten verlangt werden;
    4. in dieser Gemengelage aus steigenden Mieten ziehen natürlich die etablierten Besitzer von Mietshäusern bei den Mieten mit, ohne eine der oberen Maßnahmen durchgeführt zu haben, da ja die ortsübliche Vergleichsmiete ganz ohne ihr Zutun steigt - sie sind da einfach Mitläufer;

    Dies alles geschieht auf einem Markt, in dem die Nettoeinkommen der Mieter nicht annähernd mitgewachsen sind. Das aber bedeutet, dass die geforderten Mieten nicht marktgerecht sind und von daher etliche der getätigten Investitionen sich gar nicht oder nicht in der geplanten Zeit amortisieren lassen. Wir haben es also mit einer ganz klassischen Immobilienblase wie schon 2008/2009 zu tun.

    Sobald die Mieten auf breiter Front jegliches Maß des von den Mietern bezahlbare überschreiten (für die unteren Einkommen ist dies ja bereits seit längerem der Fall), bricht der Markt für Mietwohnungen in einem overshoot-and-collapse Szenario zusammen. Das wird unweigerlich zu Kreditausfällen und zu erheblichen Schwierigkeiten bei den Kreditgebern, den Geldinstituten, führen, da die grundlegenden Probleme, die bei der Bankenkrise zu Tage getreten sind, ja gerade nicht im Nachgang behoben wurden.

    Die stark steigenden Mieten sind also die bisher vermisste verstärkte Inflation durch die Hintertür als Ergebnis der expansiven Geldpolitik der EZB, die in Folge eine erneute Bankenrettung wahrscheinlich macht.

    Den Rest der Betrachtung überlasse ich mal deiner Phantasie.

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  • Avatar von mitwirker
    • mitwirker

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.02.2013

    Antwort auf Re: von DJ Holzbank.

    Lass mich raten die Miete war durch die verbotenen Erhöhungen sehr günstig?

    Wenn die Mieterhöhung durch das Gericht bestätigt wurde, war sie noch unter dem Mietspiegel. Das mag man doof finden, aber damit ist sie immer noch erschwinglich.

    Wenn keine absoluten Zahlen gegeben werden kann ich das nicht berurteilen.

    Das Finanzamt meckert übrigens wenn die Wohnung zu günstig vermietet wird.

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