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  • unbekannter Benutzer

mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.2007

Man muss aufpassen, nicht einer Kampagne privater Zeitungsverlage aufzusitzen

Besagte Verlage haben nämlich das allergrößte Interesse, hier einen Konkurrenten kleinzumachen. Man könnte einerseits natürlich neoliberal argumentieren und darauf beharren, dass öffentlich-rechtliche Institutionen keinen Rundfunk anbieten sollen und wir das komplett den Privaten überlassen.

ABER: Andererseits ist so ein ÖRR im Grundsatz schon wichtig. Von der Idee her ist er für alle da und wird von der Allgemeinheit finanziert. Hier GIBT es Gremien wie Rundfunkräte und Publikumsbeiräte. Das lässt sich bei privaten Medien nicht behaupten. Da kann sich ein Multimilliardär ein Medium (z.B. Zeitung) kaufen, und diese muss am Ende im seinen Sinne berichten. Man könnte erwidern, dass eine Zeitung nicht gekauft wird, wenn zu großer Stuss drin steht. Allerdings gibt es ja durchaus subtile Möglichkeiten, die Message unterzubringen oder zu Framen usw., oder eine Zeitung querzusubventionieren und sie damit in den Markt zu drücken. Ich finde, politische Berichterstattung ist zu wichtig als dass man sie allein den Kräften des Marktes überlassen könnte. Märkte neigen zur Akkkumulation von Ressourcen...

Von daher ist es wichtig, eine öffentlich-rechtliche Säule im Mediensystem zu haben. Gerade weil die Gesellschaft immer pluraler wird und die Lebensstile immer unterschiedlicher, wird es für dieses System aber auch immer schwieriger werden, eine Berichterstattung zu leisten, die von allen Konsumenten gleichermaßen gut gefunden wird. Ich denke das bringt die Entwicklung in Medien und Gesellschaft einfach mit sich und könnte sich sogar noch weiter verschärfen. Irgendeine Tatsache wird in einer Weise eingeordnet, die einer Gruppe von Nutzern missfällt.

Leider kommt man wohl nicht komplett ohne Einordnungen und in den Kontext-Stellen aus. "Baerbock fliegt in das Land xy und redet mit dem Präsidenten" wäre wahrscheinlich eine neutrale Nachricht, auf die sich alle einigen können. Für einen außenpolitischen Nicht-Experten sollte man allerdings noch hinzufügen: warum Land xy, wie tickt der Präsident und seine Regierung, was will Beabock da, wie hat sie sich angestellt, und was hat sie erreicht? Und schon läuft man in Gefahr, dass irgendwer damit nicht einverstanden ist. Sei es, weil der den Präsidenten anders sieht o. ä....

Die Konstruktion des ÖRR und die gesellschaftliche Entwicklung bringt das einfach so mit sich. Man sollte sich einfach von dem Anspruch verabschieden, dass die Berichterstattung dort jederzeit 100% konform mit den eigenen Ansichten ist. Auch ich rege mich öfters über den ein oder anderen Beitrag auf. Trotzdem nutze ich gern auch die Mediathek und habe auch ein paar Podcasts der ARD abonniert, bei denen ich mich über neue/andere Sichtweisen freue oder darüber nachdenke. Ich muss sie mir ja nicht zu eigen machen. Über ÖRR schimpfen und ihn nutzen: Geht Beides. Ich sehe das nicht so absolut. ;-)

Wir sollten uns bemühen, dass dieser Teil der Medienlandschaft erhalten bleibt. Die ganze harte Kritik, die zum Teil in Diskreditierung übergeht, muss man sich jedenfalls sehr genau anschauen. Teilweise ist sie sicher berechtigt. Teilweise sind persönliche Befindlichkeiten zu einzelnen Beiträgen im Spiel. Und einige Multimillionäre mit Medienbeteiligungen träumen sicher auch davon, mit dem ÖRR eine wichtige Stimme aus der Diskussion zu nehmen. So dass sie mit ihren Medienerzeugnissen ganz allein die Debatte in Deutschland in ihrem Sinne bestimmen können. Das scheint IMHO immer dann durch, wenn grundsätzlich die Systemfrage gestellt oder ein Großteil der Finanzierung in Frage gestellt wird.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (14.03.2024 19:09).

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  1. - unbekannter Benutzer -20 Man muss aufpassen, nicht einer Kampagne privater Zeitungsverlage aufzusitzen
    1. hrwe   Re: Man muss aufpassen, nicht einer Kampagne privater Zeitungsverlage aufzusitze
    2. unbekannter Benutzer   Re: Man muss aufpassen, nicht einer Kampagne privater Zeitungsverlage aufzusitze
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