Dr.Goebel schrieb am 14.06.2021 09:15:
So der neunte Satz dieses Artikels:
https://diefreiheitsliebe.de/politik/kritik-des-rubikon-in-der-corona-krise/Am Schluss dieses Artikels:
"Florian studierte Anglo-Amerikanische Geschichte, Japanologie und Mittlere und Neue Geschichte an der Universität zu Köln, sowie Internationale Beziehungen an der Sophia Universität Tokio."
...
Da frage ich mich:
Wer ist der Mann, der dies so schreibt? Was qualifiziert ihn zu dieser Aussage?
Offenbar jemand, der das Prinzip Ad Hominem als Trugschluss nicht kennt.
Zudem findet man, wenn man lang genug sucht, zu jedem Thema einen, der das studiert hat, und eine „andere Meinung“ hat als „der Mainstream“.
Das Problem hier ist die Meinungs-Zentrierung der Berichterstattung. Es wird so getan, als gäbe es halt einfach nur verschiedene Meinungen (in der Wissenschaft), die erst mal gleichwertig nebeneinander stehen.
Das ist nicht so. Es geht in der Wissenschaft nicht um Meinungen, es geht um Fakten. Nachprüfbare Fakten. Und zugehörige Theorien, die die nachprüfbaren Fakten prognostizieren können. Und da das dem Laien-Publikum nicht klar ist, schadet diese Präsentation der Wissenschaft als „da hat auch jeder seine Meinung, und wir laden mal den Streeck oder den Wodarg ein, weil die sagen was, was die Laien draußen an den Geräten hören wollen“.
Da fehlt dann einfach die Komponente Realität.
Dem schadet diese Medienpräsenz von allerlei „Experten“, die eigentlich nur da sind, weil sie das sagen, was die Politik hören will. Das ist bei Corona (Streeck als Dauergast) nicht viel anders als bei anderen politischen Themen. Das sind keine Experten im Fachgebiet. Streeck hat gerade seine Professur angefangen, ein Neuling als Professor. Er hat sich vorher mit HIV beschäftigt, offenbar mehr privat als wissenschaftlich, denn viele Studien hat er nicht geschrieben. Seine Aussagen zu SARS-Cov-2 waren größtenteils falsch. Das ist jetzt für einen Neuling nicht überraschend, auch bei einer neuen Krankheit ist es nicht überraschend, dass Fehleinschätzungen passieren (auch Drosten hat am Anfang einige echte Klopper an Fehleinschätzungen gebracht — man fragt sich, ob der nie mit Zhong Nanshan bekannt wurde, und mal mit einem Praktiker, der/dessen Team 2003 mehr als 5000 Patienten mit SARS hatte, darüber geredet hat — und wenn nicht, dann könnte man ihn als SARS-Experten mal fragen, was er so beruflich macht, und warum da Austausch mit anderen SARS-Experten nicht dazugehört. Ich glaube, auch Drosten hat sich erst ab 2020 richtig ernsthaft mit SARS-Viren beschäftigt, vorher war das halt ein absolutes Nischenthema, wo man mit etwas Halbwissen bereits der Superheld ist, weil alle anderen absolut nichts wissen).
Die fehlende Sorgfalt, der nicht vorhandene journalistische Ethos, wie dein Link behauptet, ist nicht das Kernproblem. Das Kernproblem ist, dass Journalismus keine wissenschaftliche Tätigkeit ist. Dass dort gar niemand da ist, der qua Ausbildung weiß, wie Wahrheitsfindung wirklich funktioniert. Und weshalb so ein Relotius auch gar nicht auffällt, wenn er in der Redaktion ist — weil das eher der Normalfall ist.
Der Journalist heute verkauft Klicks, der Mainstream genauso wie der alternative. Deshalb sind die alternativen Medien hier alle in die gleiche Richtung gravitiert, nämlich den trumpesken Stuss, den das Publikum hören wollte.
Das ist insbesondere besonders tragisch, weil gerade am Anfang der Pandemie, als die Polizei Wuhan Li Wenliang einen Maulkorb verpasst hat (an den der sich übrigens nicht gehalten hat — war ja auch Stuss, wenn in den Hauptnachrichten auf CCTV 1 schon ein Bericht von einem neuen SARS-Ausbruch in Wuhan kam, den nur die dummen Polizisten nicht gesehen haben), wurde hier behauptet, mit Demokratie und freier Presse wäre das nicht passiert.
Was dann mit Demokratie und freier Presse passiert, haben wir seither gesehen: diese tyrannischen Expertokraten in China, die erst mal die KP-Führer in Wuhan geschasst und besagten SARS-Veteranen Zhong Nanshan eine Strategie entwerfen lassen haben (also Experten über Partei gestellt hat!), haben das Virus recht schnell unter Kontrolle bekommen, ihre Wirtschaft gerettet, und Pool-Parties ohne Kater gefeiert. Und wir hier taumeln von Welle zu Welle, kriegen alles nur fast auf die Reihe, und das Virus wird hier sich wahrscheinlich dauerhaft einnisten. Weil wir Meinung über Fakten stellen, und Partei über Experten. Weil wir nicht die Experten suchen, die sich wirklich auskennen, sondern die, die das sagen, was uns genehm ist. Millionen Tote als Folge solch höherer Dummheit. Ein Massaker. Das aber niemand „Massaker“ nennt.
Das Massaker ist Systemversagen. Es ist nicht trotz Demokratie und Presse/Meinungsfreiheit passiert, sondern wegen. Es gibt ein paar wenige Demokratien, die glücklicherweise gezeigt haben, dass es auch anders gehen kann.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (19.06.2021 19:05).