Antwort auf Re: Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von andimar.
???
Der nächste Absatz lautet doch:
Dabei beginnt diese Entwicklung bereits hier im eigenen Land, wenn Deutschland und die Welt nur noch aus Berlin zu bestehen scheint und auch alle politischen Ideen sich auf die Umsetzbarkeit in der Hauptstadt reduzieren, den Rest abseits der Ballungsräume völlig ausblendend.
Aber Sachsen sind ja alle Nazis, auf dem Land herrscht automatisch Bildungsarmut und nur Berlin kann hipp und sexy... wobei dies dann immer mehr auch zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, wenn aufgrund dessen die Infrastruktur dort immer weiter vernachlässigt wird zugunsten des Bundeshauptmolochs.
Womit ich genau diesen Aspekt doch aufzuzeigen versuche.
Nun habe ich diesen bias in meinem täglichen Leben, sowohl (arbeitsbedingt) Stadtmensch (seit 1999 Köln, Berlin, Frankfurt/M.) als auch, vermehrt in den letzten Jahren wieder, Landkind, im ehem. Zonenrandgebiet (West) geboren und aufgewachsen - tiefste niedersächsische Provinz, wo ich den endgültigen Verfall der letzten Reste an Infrastruktur und Lebensanreiz miterlebt habe und nun sehen kann, wie die kläglichen Versuche der Wiederbelebung der vergreisten Dörfer zum Scheitern verurteilt sind, weil der politische Wille sich einzig auf die großen Städte und primär Berlin bezieht.
Es gäbe so viele Ideen, das Landleben (wieder) attraktiv zu machen, auch außerhalb der Speckgürtel, die jedoch fast immer daran kranken, dass es vor Ort kaum noch Arbeit jenseits des Dienstleistungssektors gibt, der aber naturgemäß an den dort inzwischen nach Wegfall ganzer Industriezweige (zuletzt v.a. Bunt- und Edelmetallchemie und -hüttenwesen) ausgestorbenen Branchen parasitiert. Wer selbst kein Einkommen mehr hat, kann sich auch keine Dienstleistungen mehr leisten, ergo zerfällt die lokale Wirtschaft immer mehr und die Gegend "stirbt aus". Übrig bleiben die Rentner, die noch die letzten Reste Dienstleistung bezahlen können, welche sich dann aber auch auf diese ausrichtet, was wieder die Jüngeren abschreckt und vertreibt. Dann will sich aber auch kein Wirtschaftsunternehmen mehr dort ansiedeln, wo es keine Arbeitskräfte und keinen potenten Absatzmarkt mehr gibt. Dazu die abgebaute und verfallende Infrastruktur, die einen vom restlichen Markt abschneiden würde...
Gelänge es, diesen Widrigkeiten zum Trotz, in der Fläche wieder in großem Stil produktive Arbeitsplätze zu schaffen, würde auch das Land wieder aufblühen können und eine durchaus attraktive Alternative zum städtischen Grau (Grün wird ja geopfert zwecks Wohnraumbedarfs - was sich so aber auch umkehren ließe - win/win für Stadt und Land) bieten.
All dies interessiert aber den Journalismus hierzulande genausowenig wie die reale Situation der Amerikaner außerhalb von NYC, LA, Washington etc...