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mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.2014

Es gab mal eine Neutralität im Journalismus

Um möglichst objektiv und wirklichkeitsnah berichten zu können, bedarf es halt einer Unvoreingenommenheit und der Fähigkeit zum Paradigmenwechsel. Beides jedoch ist dem "modernen" Journalismus allem Anschein nach völlig abhanden gekommen.

Ein Peter Scholl-Latour konnte relativ sachlich und neutral aus aller Welt berichten, weil er ohne die ideologischen Scheuklappen und ohne den Absolutheitsanspruch des "westlichen Wertekanons" auf die Menschen zuging. Ansonsten hätte er wohl 1973 die Gefangenschaft beim Vietcong nicht überlebt und wäre später weder in Russland willkommen gewesen, noch hätten die "Despoten" auch nur ein Wort mit ihm gewechselt.
Ähnliches kann man auch über eine Gabriele Krone-Schmalz oder gar einen Gerd Ruge sagen, die unvoreingenommen auf die Menschen in Russland, auch abseits der Eliten und Politszene, eingehen konnte und wollte, dabei auch die Sichtweise des Gegenübers einnehmend. Wird heute jedoch schon als zu "feindnah" eingestuft und damit abgewertet. Man darf sich nicht mit dem "politischen Gegner", auch wenn es der unbeteiligte Zivilist ist, der von den politischen Ränkespielen nichts mitbekommt, gemein machen...
Auch einen Dieter Kronzucker möchte ich in diese Riege aufnehmen, als einen der letzten "Reporter", die nicht aus dem bequemen Korrespondentenstudio oder gar einem anderen Land berichtet haben, sondern noch selbst vor Ort waren. Heute undenkbar, wo man sich ja durch seine eigene stets als Monstranz vor sich her zu tragende Tugendhaftigkeit und vehemente Vertretung der "eigenen" Werte auch selbst zur Zielscheibe machen würde, mit der im Zweifel niemand reden will, was man selbst ja auch gar nicht möchte, und die im schlimmsten Fall als der Feind wahrgenommen wird, den man selbst im Gegenüber dargestellt sehen will.

Anstatt sich erstmal anzuhören, was der "Böse" überhaupt zu sagen hat, darf man ihm heutzutage "keine Bühne bieten". Hat man vlt. Angst, dass der etwas sagen könnte, was das eigene Weltbild, oder aber die eigene Stellung, ins Wanken bringt?! Nicht mal das Recht auf die eigene Verteidigung wird ihm eingeräumt....
Ein Interview mit al-Assad, wie es Scholl-Latour geführt hat, wäre heute genauso undenkbar, wie ein neutrales Interview mit Putin oder gar Kim Jong Un. Eigentlich traurig, was aus einem Journalismus von Weltformat geworden ist.

Ich selbst habe auf Reisen immer wieder erlebt, dass das Bild, das uns medial über ein Land und seine Bevölkerung vermittelt wird, angefangen bei den USA bis hin zu den Nachbarn in Mittel- und Osteuropa (Russland fehlt mir noch, ebenso wie Nordkorea), nur in Ausnahmefällen, und dann auch fast ausschließlich in den großen Metropolen, etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat. Manchmal kommt es mir vor, als würden die Berichterstatter nie aus den Großstädten rauskommen und nicht wahrnehmen können oder wollen, dass das Leben in der weiten Fläche zumeist ganz anders aussieht, als im Mikrokosmos der Städte. Da werden dann eher Geschichten im Stile eines Karl May verbreitet von Dingen, die man selbst nicht gesehen hat und wo vieles einzig der Fantasie und den Vorurteilen des Reporters entspringt.
Ist halt auch einfacher, wenn man behaupten kann, dass die "Abgehängten" auf dem Land immer "rednecks" sind, Trump treu ergeben und so bibelfest, dass sie jeden Sonntag einen Schwarzen lynchen.... oder dass in Russland jeder entweder Oligarch oder bettelarm ist, noch im Sowjetstil sein Leben fristet und zu Putin oder Stalin betet.

Dabei beginnt diese Entwicklung bereits hier im eigenen Land, wenn Deutschland und die Welt nur noch aus Berlin zu bestehen scheint und auch alle politischen Ideen sich auf die Umsetzbarkeit in der Hauptstadt reduzieren, den Rest abseits der Ballungsräume völlig ausblendend.
Aber Sachsen sind ja alle Nazis, auf dem Land herrscht automatisch Bildungsarmut und nur Berlin kann hipp und sexy... wobei dies dann immer mehr auch zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, wenn aufgrund dessen die Infrastruktur dort immer weiter vernachlässigt wird zugunsten des Bundeshauptmolochs.

Mein Grundsatz ist, sich stets offen mit allen Menschen zu unterhalten, zu diskutieren und auch die Meinung des Gegenübers als gleichwertig anzuerkennen. Statt Kontaktvermeidung und "mit denen spricht man nicht", wie es in der neuen Pressewelt gelebt wird, zählen für mich erstmal nur Argumente, egal von welcher Seite. Höflichkeit in der Diskussion ist für mich nicht nur "gute Kinderstube", sondern für eine fruchtbare und konstruktive Unterhaltung unerlässlich.

Leider erlebe ich gerade hier auf tp immer mehr, dass nur noch niedergebrüllt, ad hominem diffamiert, beleidigt und derailt wird, dass selbst auf Nachfrage nach Gegenargumenten nur ein "lebst du unterm Stein", "Google hilft", "alles schon zigtausendmal widerlegt" kommt, aber eben keine konkrete Gegenrede, kein Verweis, wo denn die Argumente und die zigtausendfache Diskussion zu finden sind und überhaupt kein Wille, auch nur im Ansatz das Gegenüber als gleichberechtigt in seiner Meinung anzuerkennen.

Schwer zu ertragen wird es für mich, wenn dann die grundsätzlich humorbefreite und zu übertragenem Denken und Sinnerfassen (man weiß dort scheinbar nicht um die Bedeutung von "cum grano salis") scheinbar unfähige Forenmoderation noch den Pöblern und Threadzerstörern beispringt, gar "Spurenbeseitigung" betreibt, wenn diese dann mal argumentativ widerlegt werden (selten, da kaum "eigene" threads mit konkreten Aussagen aufgemacht werden), bzw. ihnen ihre Verstöße gegen Forenregeln und z.T. auch Gesetze nachgewiesen werden. Da ist dann schnell mal ein ganzer Faden gelöscht, auch ohne Begründung oder mit einer solchen, die keinerlei Nachvollziehbarkeit zulässt, und nicht der Provokateur wird gesperrt, sondern der, der ihn vorgeführt und/oder widerlegt hat. Wenn das keine Parteilichkeit ist, was dann?!

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (12.06.2021 23:13).

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  • Avatar von Eiger Nordwand
    • Eiger Nordwand

    mehr als 1000 Beiträge seit 10.11.2018

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    Ein sehr bemerkenswerter Beitrag von Dir, zolle meine Hochachtung vor Deiner ganzen Mühe, es gibt dazu nichts hinzuzufügen.

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  • Avatar von alterweissermann (1)
    • alterweissermann (1)

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.06.2019

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    Unterschrieben.

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  • Avatar von stony246
    • stony246

    mehr als 1000 Beiträge seit 11.06.2002

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    cheche_fra schrieb am 13.06.21 00:31:

    Um möglichst objektiv und wirklichkeitsnah berichten zu können, bedarf es halt einer Unvoreingenommenheit und der Fähigkeit zum Paradigmenwechsel. Beides jedoch ist dem "modernen" Journalismus allem Anschein nach völlig abhanden gekommen.

    Ein Peter Scholl-Latour konnte relativ sachlich und neutral aus aller Welt berichten, weil er ohne die ideologischen Scheuklappen und ohne den Absolutheitsanspruch des "westlichen Wertekanons" auf die Menschen zuging. Ansonsten hätte er wohl 1973 die Gefangenschaft beim Vietcong nicht überlebt und wäre später weder in Russland willkommen gewesen, noch hätten die "Despoten" auch nur ein Wort mit ihm gewechselt.
    Ähnliches kann man auch über eine Gabriele Krone-Schmalz oder gar einen Gerd Ruge sagen, die unvoreingenommen auf die Menschen in Russland, auch abseits der Eliten und Politszene, eingehen konnte und wollte, dabei auch die Sichtweise des Gegenübers einnehmend. Wird heute jedoch schon als zu "feindnah" eingestuft und damit abgewertet. Man darf sich nicht mit dem "politischen Gegner", auch wenn es der unbeteiligte Zivilist ist, der von den politischen Ränkespielen nichts mitbekommt, gemein machen...
    Auch einen Dieter Kronzucker möchte ich in diese Riege aufnehmen, als einen der letzten "Reporter", die nicht aus dem bequemen Korrespondentenstudio oder gar einem anderen Land berichtet haben, sondern noch selbst vor Ort waren. Heute undenkbar, wo man sich ja durch seine eigene stets als Monstranz vor sich her zu tragende Tugendhaftigkeit und vehemente Vertretung der "eigenen" Werte auch selbst zur Zielscheibe machen würde, mit der im Zweifel niemand reden will, was man selbst ja auch gar nicht möchte, und die im schlimmsten Fall als der Feind wahrgenommen wird, den man selbst im Gegenüber dargestellt sehen will.

    Anstatt sich erstmal anzuhören, was der "Böse" überhaupt zu sagen hat, darf man ihm heutzutage "keine Bühne bieten". Hat man vlt. Angst, dass der etwas sagen könnte, was das eigene Weltbild, oder aber die eigene Stellung, ins Wanken bringt?! Nicht mal das Recht auf die eigene Verteidigung wird ihm eingeräumt....
    Ein Interview mit al-Assad, wie es Scholl-Latour geführt hat, wäre heute genauso undenkbar, wie ein neutrales Interview mit Putin oder gar Kim Jong Un. Eigentlich traurig, was aus einem Journalismus von Weltformat geworden ist.

    Ich selbst habe auf Reisen immer wieder erlebt, dass das Bild, das uns medial über ein Land und seine Bevölkerung vermittelt wird, angefangen bei den USA bis hin zu den Nachbarn in Mittel- und Osteuropa (Russland fehlt mir noch, ebenso wie Nordkorea), nur in Ausnahmefällen, und dann auch fast ausschließlich in den großen Metropolen, etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat. Manchmal kommt es mir vor, als würden die Berichterstatter nie aus den Großstädten rauskommen und nicht wahrnehmen können oder wollen, dass das Leben in der weiten Fläche zumeist ganz anders aussieht, als im Mikrokosmos der Städte. Da werden dann eher Geschichten im Stile eines Karl May verbreitet von Dingen, die man selbst nicht gesehen hat und wo vieles einzig der Fantasie und den Vorurteilen des Reporters entspringt.
    Ist halt auch einfacher, wenn man behaupten kann, dass die "Abgehängten" auf dem Land immer "rednecks" sind, Trump treu ergeben und so bibelfest, dass sie jeden Sonntag einen Schwarzen lynchen.... oder dass in Russland jeder entweder Oligarch oder bettelarm ist, noch im Sowjetstil sein Leben fristet und zu Putin oder Stalin betet.

    Dabei beginnt diese Entwicklung bereits hier im eigenen Land, wenn Deutschland und die Welt nur noch aus Berlin zu bestehen scheint und auch alle politischen Ideen sich auf die Umsetzbarkeit in der Hauptstadt reduzieren, den Rest abseits der Ballungsräume völlig ausblendend.
    Aber Sachsen sind ja alle Nazis, auf dem Land herrscht automatisch Bildungsarmut und nur Berlin kann hipp und sexy... wobei dies dann immer mehr auch zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, wenn aufgrund dessen die Infrastruktur dort immer weiter vernachlässigt wird zugunsten des Bundeshauptmolochs.

    Mein Grundsatz ist, sich stets offen mit allen Menschen zu unterhalten, zu diskutieren und auch die Meinung des Gegenübers als gleichwertig anzuerkennen. Statt Kontaktvermeidung und "mit denen spricht man nicht", wie es in der neuen Pressewelt gelebt wird, zählen für mich erstmal nur Argumente, egal von welcher Seite. Höflichkeit in der Diskussion ist für mich nicht nur "gute Kinderstube", sondern für eine fruchtbare und konstruktive Unterhaltung unerlässlich.

    Leider erlebe ich gerade hier auf tp immer mehr, dass nur noch niedergebrüllt, ad hominem diffamiert, beleidigt und derailt wird, dass selbst auf Nachfrage nach Gegenargumenten nur ein "lebst du unterm Stein", "Google hilft", "alles schon zigtausendmal widerlegt" kommt, aber eben keine konkrete Gegenrede, kein Verweis, wo denn die Argumente und die zigtausendfache Diskussion zu finden sind und überhaupt kein Wille, auch nur im Ansatz das Gegenüber als gleichberechtigt in seiner Meinung anzuerkennen.

    Schwer zu ertragen wird es für mich, wenn dann die grundsätzlich humorbefreite und zu übertragenem Denken und Sinnerfassen (man weiß dort scheinbar nicht um die Bedeutung von "cum grano salis") scheinbar unfähige Forenmoderation noch den Pöblern und Threadzerstörern beispringt, gar "Spurenbeseitigung" betreibt, wenn diese dann mal argumentativ widerlegt werden (selten, da kaum "eigene" threads mit konkreten Aussagen aufgemacht werden), bzw. ihnen ihre Verstöße gegen Forenregeln und z.T. auch Gesetze nachgewiesen werden. Da ist dann schnell mal ein ganzer Faden gelöscht, auch ohne Begründung oder mit einer solchen, die keinerlei Nachvollziehbarkeit zulässt, und nicht der Provokateur wird gesperrt, sondern der, der ihn vorgeführt und/oder widerlegt hat. Wenn das keine Parteilichkeit ist, was dann?!

    Danke. Toller Beitrag.

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  • Avatar von nomore
    • nomore

    mehr als 1000 Beiträge seit 03.08.2001

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    Genau so sehe ich das auch.Danke.

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  • Avatar von kennie
    • kennie

    mehr als 1000 Beiträge seit 04.12.2005

    Peter Scholl-Latour war oft überhaupt nicht sachlich oder "neutral"

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    Das gab er auch manchmal zu, dass er z.B. eine Art Gaulist wäre. Es ist schon zu lange her, aber mir ist noch in Erinnerung wie er Hekmatyar besuchte und die von der CIA bezahlten Dschihadisten-Söldner als "heilige Männer" bezeichnete. Hekmatyar war und ist einer der größten Drogendealer Afghanistans. Auf welchen Planeten würdest du so eine Berichterstattung als "neutral" bezeichnen? Ich weiß, du bist schon älter und dir haben die bei den ÖR, bzw. damals in der Schule eingebläut, dass ein Journalist immer "neutral" sein müsse, bzw. das von sich behaupten müsse.

    Es war und ist immer ein Zerrbild, wenn Medien behaupten, sie wären "neutral". Es ist eine Verschiebung der Wahrnehmung. Die Frage sollte eigentlich sein: Verhalten sie sich fair?

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  • Avatar von JulienAssa
    • JulienAssa

    mehr als 1000 Beiträge seit 23.10.2018

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    cheche_fra schrieb am 12.06.2021 23:09:

    Um möglichst objektiv und wirklichkeitsnah berichten zu können, bedarf es halt einer Unvoreingenommenheit und der Fähigkeit zum Paradigmenwechsel. Beides jedoch ist dem "modernen" Journalismus allem Anschein nach völlig abhanden gekommen.

    Ich glaub eher, dass es den heutigen Mainstreamjournalisten gar nicht mehr darauf ankommt, irgend einen Journalistenkodex zu erfüllen, sondern den Erwartungen ihrer Vorgesetzten zu entsprechen, um von denen Lob und Beförderung einzuheimsen. Irgend einer Gehirnwäsche ist doch heute fast jeder unterlegen, und wen es zur Mainstream-Presse zieht, der ist ganz bestimmt nicht frei in seinem Denken und Wahrnehmen.

    cheche_fra schrieb am 12.06.2021 23:09:

    Ein Peter Scholl-Latour konnte relativ sachlich und neutral aus aller Welt berichten, weil er ohne die ideologischen Scheuklappen und ohne den Absolutheitsanspruch des "westlichen Wertekanons" auf die Menschen zuging. Ansonsten hätte er wohl 1973 die Gefangenschaft beim Vietcong nicht überlebt und wäre später weder in Russland willkommen gewesen, noch hätten die "Despoten" auch nur ein Wort mit ihm gewechselt. Ähnliches kann man auch über eine Gabriele Krone-Schmalz oder gar einen Gerd Ruge sagen, die unvoreingenommen auf die Menschen in Russland, auch abseits der Eliten und Politszene, eingehen konnte und wollte, dabei auch die Sichtweise des Gegenübers einnehmend. Wird heute jedoch schon als zu "feindnah" eingestuft und damit abgewertet. Man darf sich nicht mit dem "politischen Gegner", auch wenn es der unbeteiligte Zivilist ist, der von den politischen Ränkespielen nichts mitbekommt, gemein machen ... Auch einen Dieter Kronzucker möchte ich in diese Riege aufnehmen, als einen der letzten "Reporter", die nicht aus dem bequemen Korrespondentenstudio oder gar einem anderen Land berichtet haben, sondern noch selbst vor Ort waren. Heute undenkbar, wo man sich ja durch seine eigene stets als Monstranz vor sich her zu tragende Tugendhaftigkeit und vehemente Vertretung der "eigenen" Werte auch selbst zur Zielscheibe machen würde, mit der im Zweifel niemand reden will, was man selbst ja auch gar nicht möchte, und die im schlimmsten Fall als der Feind wahrgenommen wird, den man selbst im Gegenüber dargestellt sehen will.

    Die genannten Berichterstatter sind allesamt älteren Baujahrs, das heisst, sie kennen teilweise noch die Schrecken des Krieges und haben sich echte Bildung angeeignet, oft auch durch eigene Erfahrungen gelernt. Die heutigen jungen Journalisten im Mainstream sind dagegen meistens ungebildet in den Bereichen Geschichtsbewusstsein, Humanitäres Menschenbild usw. Das sind grösstenteils karrierebewusste Halbroboter, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

    Dass man mit den heutigen jungen Erwachsenen und auch mit den 30- bis 40-Jährigen kaum noch diskutieren kann, ist meiner Überzeugung nach deren Halb- bis Unbildung geschuldet. Man könnte auch sagen, diese Leute besitzen kein nennenswertes Bewusstsein, schon gar nicht über den herrschenden Zeitgeist. Man fühlt sich einzig deshalb überlegen, weil man einen guten Job hat und gut verdient. Das ist alles, was heute zu zählen scheint. Die heute weit verbreitete Denkungsweise ohne nennenswerte Beteiligung des eigenen Gefühlsapparates bringt ausreichend Wahrnehmungsverzerrungen hervor, um eine Welt wahrzunehmen, die so gar nicht existiert. Diese Art, systematisch und fremdgesteuert zu denken, ist meines Wissens nach der weit verbreiteten Psychotraumatisierung geschuldet, die durch die schiere Masser der Betroffenen eine Art neuer Normalität schafft. Wer davon abweicht, wird verfolgt, weil man die eigene Angst, die man vor Abweichlern hat, nicht wahrnimmt und als Schuld auf andere projiziert. Das war schon im Dritten Reich so gewesen, wo man die eigenen Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle, die man durch Eltern und Obrigkeit erfahren hat, nicht ertragen konnte und die erstbeste Gelegenheit ergriff, selbst Macht über andere ausüben zu können, um diese unerträglichen Gefühle zu kompensieren: Endlich bin ich auch mal an der Reihe, jetzt habe ich das Sagen. So entstehen typische "Radfahrer", die nach oben buckeln und nach unten treten.

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  • Avatar von kennie
    • kennie

    mehr als 1000 Beiträge seit 04.12.2005

    Vergleich junger Menschen mit sehr Alten

    Antwort auf Re: Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von JulienAssa.

    und dann den Jungen "humanistische Bildung" absprechen. Das ist mir zu einfach.

    Die erwähnten Leuchten des Journalismus sind alle sehr alt oder tot. Jeder Mensch wird reifer. Die Einen mehr, die Anderen weniger. Wir wissen es nicht, aber die Genannten haben als junge Menschen sicherlich auch mal doofes Zeugs gesagt - und Manche auch als ältere Menschen, wie mein Beispiel von Scholl-Latour im anderen Post zeigt.

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    • HenryBerlin (1)

    462 Beiträge seit 23.03.2016

    Antwort auf Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von .

    Als aufgrund des US-finanzierten Aufschwungs in Westeuropa die Menschen von Ost nach West wollten, konnten neutral berichten Journalisten den Narrativ in den westlichen Redaktionen in etwa bedienen. Da konnte man sich relativ neutralen Journalismus noch leisten.
    Heute mögen Neoliberale und Transatlantiker den garnicht.
    Angesichts der aggressiven Vorgehensweise des Westens und der Probleme mit Klima und Ungerechtigkeiten benötigt man die richtigen Berichterstatter mit Einfärbung, um die Interessen der stärksten westlichen Player nicht zu gefährden. Unabhängig berichtende Journalisten haben da keinen Platz mehr.
    Heute sollen Journalisten die Legende von Navalni erzählen und nicht Assange erwähnen. Sie sollen Russlands Kampf in Syrien grausamst darstellen, aber das Vorgehen des US-Militär egal wo als Präzisionsschlag gegen Terroristen.
    In der Ostukraine durfte ein Berichterstatter nicht über die Anteile des Westens am Maidan-Putsch sprechen oder das die Soldaten der ersten erfolglosen Welle gegen die abtrünnigen Menschen im Osten nicht gegen einfache Menschen kämpfen wollten. Das man dafür erst nationalistische Freiwilligenbatallione mit Russenhass aufbauen musste, damit die im Osten der Ukraine auch Kriegshandwerk betreiben, anstatt die Waffen zustrecken, wie es die Truppen vorher machten. Eine Schaltung zu einem unabhängigen Journalisten würde das Narrativ der Tagesthemen zerstören, dass die eingefärbt Redaktion lange aufgebaut hatte.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (13.06.2021 08:18).

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  • Avatar von kennie
    • kennie

    mehr als 1000 Beiträge seit 04.12.2005

    Damals hat doch auch niemand "neutral" berichtet

    Antwort auf Re: Es gab mal eine Neutralität im Journalismus von HenryBerlin (1).

    Nimm doch mal ein paar Beispiele, wie wäre es mit Apartheid in Südafrika oder Rassentrennung in USA? Oder der Vietnam-Krieg wurde auch in vielen Medien in Deutschland verteidigt. Wie war die Berichterstattung zum Korea-Krieg?

    Ihr hängt da dem "früher war alles besser"-Bias nach. Es war etwas einfacher und langsamer, dafür können sich heutige Menschen natürlich nicht mehr vorstellen wie schwierig Vieles war, was heute als einfache Selbstverständlichkeit gilt.

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