Antwort auf Re: Schon der Titel lässt Schlimmes ahnen. von auf_der_hut.
auf_der_hut schrieb am 09.10.2023 15:10:
Die USA hätten keine Erweiterung der NATO betreiben müssen
Die USA oder die NATO haben gar nichts "betrieben". Die Initiative zum Beitritt ging von den Ländern selbst aus, teilweise gab es sogar Volksabstimmungen dazu, z.B. in Ungarn (83% für den Beitritt).
Wer sich die Geschichte der USA anschaut, und was die so in div. Ländern getrieben haben, wird nicht umhinkommen festzustellen, dass das eine Abfolge von Einmischungen aller Art ist. Von finanzieller Unterstützung der Opposition, über politische Morde hin zu direkten militärischen Interventionen.
Frau Nuland hatte ja zugeben müssen, dass man sich in der Ukraine massiv einmischt. Und es waren die USA, die 2008 den NATO Beitritt der Ukraine und Georgiens auf die Tagesordnung gesetzt hatten, damals aber am Widerstand Deutschlands und Frankreichs gescheitert waren.
Warum sollte das Interesse Russlands, diese Länder in einem erpressbaren Zustand der Wehrlosigkeit zu halten (gerne mit dem Euphemismus "Neutralität" beschrieben) mehr wiegen, als das Interesse dieser Länder sich einem Bündnis anzuschließen?
Das "Interesse" dieser Länder wird gestiftet - um es mal vornehm auszudrücken. Dort, wo es ohnehin vorhanden ist, wird es genutzt. Dort, wo es nicht so ausgeprägt oder gar nicht vorhanden ist, sorgt man dafür, dass sich das ändert.
In der Ukraine gab es erst eine Farbrevolution, dann einen Putsch, und zuletzt die Erpressung durch den IWF. Natürlich entscheiden Staaten wie die Ukraine nichts frei. Dafür sind die viel zu abhängig. Auch Deutschland hätte nicht die Freiheit das Bündnis zu wechseln. Formal schon, aber praktisch nicht.
Russland hat die Bündnisfreiheit selbst in der NATO-Russland Grundakte anerkannt und erst danach hat die NATO den Weg für die Beitrittskandidaten frei gemacht. Es ist einfach nicht wahr, dass die sogenannte "Osterweiterung" über den Kopf Russlands hinweg erfolgt ist. Mit dieser Interpretation kam Putin erst, als die Beitritte längst vollzogen waren.
Geschichtsklitterung. Aber wie gesagt, die Freiheit sich das passende Bündnis zu wählen gibt es nur, wenn die USA mit der Wahl einverstanden sind.
Russland ist als "Großmacht" schon lange nicht mehr auf Augenhöhe mit den USA. Wirtschaftlich und demografisch ist Russland gegen die Giganten USA, China und EU ein Zwerg ohne Wachstumspotenzial (wie z.B. Indien), einzig das gigantische Atomarsenal ist von der einstigen Supermacht noch geblieben. Dieser Abstieg ist aber nicht das Werk der bösen USA, sondern des inneren Zerfalls der Sowjetunion, den die USA mehr staunend begleitet als aktiv befördert haben.
Und auch das ist Geschichtsklitterung. Zunächst einmal gab es das Programm des "totrüstens". Also die gezielte ökonomische Überforderung mit dem Zweck den Staat in den Ruin zu treiben.
Anschließend gabs die "Berater", die "geholfen" haben, den Kapitalismus in Russland einzuführen. Dazu lohnt es sich G. Sachs zu lesen.
Russland ist sicher nicht auf Augenhöhe mit den USA, ist aber ein Störfaktor und insbesondere wegen der Atomwaffen eben nicht zu ignorieren.
Russland und China etablieren sich mehr und mehr als Alternative zum Westen. Mit Wirtschaftsförderung, Waffen etc.. Das ist der Grund für die Feindschaft des Westens. Und das ist der Grund dafür, dass der Westen einen Krieg gegen Russland und gegen China führt. Der gegen China findet z.Z. "nur" als Wirtschaftskrieg statt, um China am Aufstieg zur Weltmacht zu hindern. Der gegen Russland findet in der Ukraine statt.
Die USA verteidigen ihre Weltordnung. Und dafür dürfen sich die Ukrainer nützlich machen. Dafür bekommen sie die Mittel, die sie brauchen. Das kannst du gerne "Hilfe" nennen, der Sache nach ist es eine Indienstnahme der Ukraine durch die USA.